Von Von Christian Rost

Eine Hepatitis-infizierte Türkin ist auf offener Straße von ihrem Mann attackiert worden. Die Frau war verstoßen und von ihrem Kind getrennt worden. Ein gemeinsamer Spaziergang endete beinahe tödlich für die junge Mutter.

Ein 23-Jähriger hat am Wochenende in Haidhausen versucht, seine Frau mit einer Drahtschlinge zu erdrosseln. Der Tat auf offener Straße ging ein Streit um das gemeinsame Kind voraus.

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Der türkischstämmige Mann hatte seine Frau wegen deren Hepatitis-B-Erkrankung verstoßen und ihr jeglichen Kontakt zu dem sechs Monate alten Buben untersagt. Die 20-Jährige überlebte die Attacke nur knapp. Gegen den Mann erging Haftbefehl wegen versuchten Mordes.

Das Paar hatte 2003 in der Türkei geheiratet, woraufhin die junge Frau zu ihrem Mann nach München zog. Polizeiangaben zufolge lebten die beiden zunächst glücklich zusammen. Bis im Oktober 2004 der gemeinsame Sohn zur Welt kam und die Ärzte einen Tag nach der Geburt die Virusinfektion bei der 20-Jährigen erkannten.

Hepatitis B ist eine infektiöse Lebererkrankung, die Ansteckung kann durch Blutübertragungen aber auch durch andere Körperflüssigkeiten wie Speichel erfolgen. Der Sohn und der Mann wurden jedoch nicht infiziert.

Kranke Frau verstoßen

Als der Ehemann von der Krankheit erfuhr, traf er mit seiner Familie die Entscheidung, seine Frau zu verstoßen und in die Türkei zurückzubringen. In der Türkei - die Frau stammt aus dem Ferienort Tavas an der türkischen Riviera - nahm er ihren Pass ab, um ihre Rückkehr nach Deutschland zu verhindern. Ihr Baby musste sie dem Vater überlassen.

In der Folgezeit bemühte sich die Frau um einen neuen Pass und ein Visum, damit sie zu ihrem Kind reisen konnte. Mitte Dezember erhielt sie die Papiere und kam bei Verwandten in Bergisch-Gladbach unter.

Seither fuhr sie mehrmals in Begleitung ihrer Angehörigen nach München, um den Sohn zu besuchen. Fevzi K. erklärte sich laut Polizei nur widerwillig dazu bereit, jeweils zwei Stunden mit ihr und dem Kind spazieren zu gehen. So auch am vorigen Samstag.

Mit der Faust zu Boden geschlagen

Am vergangenen Samstag gegen 20 Uhr war Fevzi K. mit seiner Frau und dem Kind zu dem Spaziergang in Haidhausen aufgebrochen. Nach einer Stunde kam es an der Bushaltestelle am Haidenauplatz zum Streit, weil die Mutter ihren Sohn fotografieren wollte.

An der Ecke Elsässer Straße/Spicherenstraße angelangt, nahm die 20-Jährige ihren Buben in den Arm. Daraufhin schlug der Mann der Mutter mehrmals mit der Faust ins Gesicht, bis sie zu Boden ging.

Er entriss ihr das Kind, nahm einen langen - offenbar für die Tat vorbereiteten - blanken Metalldraht aus dem Kinderwagen, schlang diesen der Frau um den Hals, zog zu und verknotete die Enden. Der jungen Türkin blieb die Luft weg. Mit den Händen versuchte sie noch, den Draht zu lösen, bis ihre Finger bluteten. Dann brach sie bewusstlos zusammen.

Passanten eilen zu Hilfe

Passanten entdeckten sie rechtzeitig, ehe sie erstickte, entfernten den Draht und riefen den Notarzt. Die Frau kam in ein Krankenhaus, inzwischen befindet sie sich wieder bei der Verwandtschaft in Bergisch-Gladbach.

Fevzi K. fuhr nach dem Übergriff mit dem Buben in eine Klinik, um ihn auf eine Hepatitis-B-Infektion untersuchen zu lassen. Dort wurde der Mann am Samstag gegen 21.45 Uhr von Polizeibeamten festgenommen. Er schweigt zu den Vorwürfen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erging Haftbefehl wegen versuchten Mordes. Das Kind befindet sich bei seiner Großmutter, der Familie von Fevzi K. Über die Zukunft des Buben entscheidet laut Polizei das Jugendamt.

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(SZ vom 16.03.2005)