Disput um Libeskind-Skulptur Kunst oder Möbelstück

Ein Signet für das Unternehmen, das nicht auf einhellige Zustimmung stößt. Simulation: Siemens

Vor der neuen Siemens-Zentrale soll eine zehn Meter hohe Skulptur des Architekten Daniel Libeskind Besucher und Mitarbeiter begrüßen. Doch die Experten in der Stadtgestaltungskommission halten das Werk für wenig gelungen

Von Alfred Dürr

Vor fünf Jahren hat Siemens erstmals mitgeteilt, dass am Wittelsbacherplatz eine neue Konzernzentrale entstehen soll. Nun geht das Projekt in seine Schlussphase. Zur Zeit sind die Arbeiter vor allem mit dem Innenausbau beschäftigt. Vorgesehen ist, den Komplex im Sommer 2016 zu eröffnen. Weite Teile der Erdgeschosszonen sollen für die Öffentlichkeit frei zugänglich sein. Siemens will sich als weltoffenes und transparentes Unternehmen präsentieren. Für die Mitarbeiter ist ein inspirierendes Arbeitsumfeld geplant, die Münchner bekämen ein attraktives Innenstadt-Quartier.

Nicht nur die Architektur des dänischen Büros Henning Larsen Architects soll diesen Geist zum Ausdruck bringen. An der zentralen Vorfahrt zur Konzernzentrale, am Oskar-von-Miller-Ring, wird eine zehn Meter hohe Skulptur des bekannten amerikanischen Architekten Daniel Libeskind Besucher und Mitarbeiter begrüßen. Libeskind hat das Werk im Auftrag von Siemens entworfen. Vier flügelartige Aluminiumplatten verschränken sich auf dynamische Weise. Auf den matt geschliffenen Oberflächen können über LEDs Lichteffekte erzeugt werden. Möglich sind auch animierte Botschaften aus den Bereichen Technik und Innovation. Siemens sieht das Werk damit auch als ein Signet für den Konzern. Es soll ein Symbol für Innovationskraft sein und dem Zukunftsthema Digitalisierung Rechnung tragen.

Das Werk namens Wings ist zur Zeit auf der Expo 2015 in Mailand zu sehen. Es gibt die Skulptur in vierfacher Ausfertigung. Siemens will die Objekte an verschiedenen Unternehmensstandorten aufstellen. Welche das sein werden, ist allerdings noch nicht klar.

Große Begeisterung über diese besondere Form von Kunst am Bau mochte nun in der Stadtgestaltungskommission nicht aufkommen. So fehlte etwa dem Architekten Ludwig Wappner die kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst, mit dem Neubau der Konzernzentrale oder mit Siemens selbst. Passt das Werk zur Gebäudearchitektur, fragten andere Mitglieder der Kommission. Ist die Skulptur überhaupt Kunst oder vielleicht nur ein profanes Möbelstück? Einmalig sei das Werk jedenfalls nicht, da es gleich mehrmals existiere. Und wie sieht es mit den Lichtspielen auf der Skulptur aus? Bringt das nicht zu große Unruhe in die Umgebung?

Thomas Braun, der Projektmanager für den Neubau, versuchte die Bedenken zu zerstreuen. Unternehmen, Haus, Skulptur - alles passe bestens zusammen. Das Kunstwerk werde nur partiell bespielt und sei keinesfalls ein reiner Werbeträger für Siemens. Es sei auch eine bessere Lösung, als den Eingang mit wehenden Fahnen an Masten zu bestücken.

Der Leiter der Siemens Kultur- und Sponsoringprogramme, Stephan Frucht, sagte, das Unternehmen engagiere sich sehr für junge, zeitgenössische Kunst und Musik.

Trotzdem schade, so der Tenor in der Stadtgestaltungskommission, dass man sich künstlerisch nicht deutlicher mit dem Ort auseinandergesetzt habe. Eine verbindliche Wertung wollten die Experten aber nicht abgeben. Wir nehmen die Skulptur zu Kenntnis, hieß es, und belassen es dabei.