Die Zeit drängt Hoffen auf die Wunschlösung

Die Aton-Schule, eine musische Ganztageseinrichtung, muss aus ihrem Gebäude ausziehen und sucht dringend ein neues Domizil. Die Stadt prüft nun, ob der Verein auf einer städtischen Fläche bauen darf

Von Ellen Draxel, Schwabing

Die Zeit drängt. Die Aton-Schule, Oberbayerns erste musisch-kreative private Ganztagsschule mit Sitz in Schwabing, muss im Mai ihre Räumlichkeiten im dritten Stock der Infanteriestraße 14 aufgeben. Das Gebäude, in dem unter anderem die Fakultät für Design der Hochschule München untergebracht ist, wird abgerissen und durch einen Wohnungsneubau ersetzt. Wo die Grund- und Mittelschule mit M-Zweig mit ihren 75 Schülern danach unterkommt, ist bislang offen. "Wir haben ganz viele Stellen angeschrieben und uns sehr viele Gebäude angeschaut, aber bis jetzt gibt es keine dauerhafte Lösung", sagt Schulleiterin Kamilla Hoerschelmann.

Kreativität ist Teil des Konzepts: Seit mehr als zehn Jahren werden an der Schule Kinder zusätzlich zu den klassischen Schulfächern vertieft in Theater, Kunst, Tanz und Musik unterrichtet; es gibt keine Noten, keine Tests und keine Prüfungen. Dennoch absolvieren die Schüler erfolgreich ihr Abitur als Externe.

(Foto: Stephan Rumpf)

Eine Interimsherberge für einige Monate hat sich zwar gefunden: am Moosfeld in Trudering, im Schulkomplex einer griechischen Schule. Doch abgesehen davon, dass vielen Eltern der Weg in den Münchner Osten für ihre Kinder zu weit erscheint - als neue Heimat kann dieser Standort langfristig nicht dienen. "Denn wir dürfen dort lediglich für maximal zwei oder drei Jahre bleiben, vielleicht sogar auch nur für einige Monate", erklärt die Rektorin.

Nicht nur die Kinder wünschen sich ein neues Domizil in der Nähe.

(Foto: Stephan Rumpf)

Hoerschelmann ist Musikpädagogin, mit ihrer Mutter Christine gründete sie im September 2004 die Aton-Schule mit den Bildungsschwerpunkten Kreativität und Bewegung. "Damals hatten wir 14 Kinder von der ersten bis zur dritten Klassenstufe und waren noch in einem Hinterhaus an der Heßstraße untergebracht", erinnert sie sich. Der 1999 entstandene, gleichnamige Verein betrieb seinerzeit bereits einen Kindergarten auf dem Gelände. Bald jedoch reichte die Fläche an der Heßstraße nicht mehr aus, die Schule zog an die Infanteriestraße um.

Zum Abriss freigegeben: Der Verein muss aus dem Gebäude an der Infanteriestraße ausziehen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Seit mehr als zehn Jahren werden dort nun Mädchen und Jungen zusätzlich zu den klassischen Schulfächern vertieft in Theater, Kunst, Tanz und Musik unterrichtet. Jedes Kind lernt mindestens ein Instrument, regelmäßig finden Projekte und Naturtage statt. "Wir haben großen Zuspruch. Zu uns kommen viele Kinder, die mit dem Druck in den staatlichen Schulen nicht zurechtkommen", sagt die Schulleiterin. Der Spaß am Lernen, das eigene Tempo und soziales Engagement stehen im Vordergrund; es gibt keine Noten, keine Tests, keine Prüfungen. Am Ende des Schuljahres erhalten die Kinder stattdessen ein mehrseitiges, detailliertes Wort-Zeugnis. "Lebenstauglich", betont Hoerschelmann, seien ihre Schüler trotzdem.

Oder womöglich gerade deshalb. "Weil sie sich kennen und einschätzen können, weil sie selbstbewusst und in ihrer Persönlichkeit gestärkt sind", sagt Kamilla Hoerschelmann. Viele machten "sehr gute Abschlüsse" bei externen Prüfungen, hätten mittlerweile ihr Abitur absolviert und studierten. Gelehrt wird fächer- und altersübergreifend, alle Schüler lernen mit- und voneinander. Hoerschelmann: "Wir sind wie eine ganz große Familie." Eine Schulfamilie, die auch Westschwabings Lokalpolitiker gerne in ihrem Viertel halten würden. Auf der Suche nach einer Lösung sind Mitglieder des Bezirksausschusses jetzt auf ein städtisches Grundstück an der Ecke Düsseldorfer/Prinz-Eugen-Straße gestoßen. Die Grünfläche gehört der Stadt, ein Schwabinger wollte dort vor Jahren einen Schrebergarten anlegen.

"Wenn wir dieses Areal bebauen dürften", kommentiert Kamilla Hoerschelmann, "das wäre richtig, richtig gut". Dann könnte der Verein wieder eine Krippe und einen Kindergarten in das Bildungskonzept mit aufnehmen, der Platz dafür würde ausreichen. "Unser Traum wäre die Entstehung einer echten Kulturstätte, inklusive eines großen Saals." Sollten auf dem Grundstück rechtzeitig zu den Pfingstferien Container aufgestellt werden, sparte sich die Schule außerdem den Umzug nach Trudering. Die Finanzierung wäre möglich mit einer Kombination aus Stiftungsgeldern, Spenden und Bauzuschüssen, sagt die Schulleitern. "Wir haben schon eine Idee, wie das gehen könnte." Fehlt nur noch die Prüfung des Grundstücks durch die Stadt. Das Kommunalreferat hat vom Referat für Bildung und Sport bereits den Auftrag dazu erhalten.