Von Von Gesa Schwarz

Bier schon zum Frühstück, die Sonne scheint immer - was ist dran an den Vorurteilen über das Millionen-Dorf? Eine Neu-Münchnerin hat's nachgeprüft.

Als ich die Kisten für meinen Umzug nach München packe, muss ich mich zwischendurch immer wieder hinsetzen. Neben die Bananenkisten, mit denen man so gut Bücher transportieren kann. Draußen ist Bochum, noch. Hier habe ich studiert, ganz lange und schön, aber jetzt, wo es auf das Ende zugeht, muss ich nach München. Der Professor ist schon dort, der meine Magisterarbeit betreuen soll. Ich bin nicht sicher, ob ich auch hin will.

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Meine Vorurteilskiste gegenüber der Stadt war nämlich die erste, die fertig gepackt war. Freunde und Bekannte halfen fleißig mit, sie zu füllen: In München findest du nie eine Wohnung, sagen sie. Die Sonne scheint immer. Alle fahren ständig Ski oder nach Italien. Niemand ist arbeitslos und alle sind sehr reich. Die Stadt wird jeden Abend picobello aufgeräumt und man muss mithelfen, auch wenn man keine Lust dazu hat. Dafür gibt es schon zum Frühstück Bier.

Irgendwann ist die letzte Kiste verstaut und sämtliche Abschiedsblicke, die ich bekomme, sind irgendwie mitleidig. Einige fragen, ob ich mir das auch wirklich gut überlegt habe. Als ob ich als Aufbauhelferin ins Tsunamigebiet gehen würde. Ich habe Angst. Skifahren kann ich auch nicht. München, ich komme.

Vorurteil 1: Du findest keine Wohnung in München

Ich suche zusammen mit einer Freundin eine Wohnung. Erst mal ignorieren wir alle Makler, die uns Lustschlösser mit Alpenblick andrehen wollen. Oder was bedeutet die Kombination ¸¸84qm für 1350 Euro warm" sonst? Wir lassen es darauf ankommen, die folgenden Wochen auf Sofas von Freunden zu übernachten. Das hat den Vorteil, dass diese Freunde ab einem gewissen Zeitpunkt ganz eifrig mithelfen, eine Wohnung zu finden. Und fünf Augenpaare lesen nun mal mehr Ampelzettel, als zwei. Es kommt dann, wie es kommen muss, an einem Dienstagnachmittag mit Schauerneigung: Wir sehen die Wohnung und wissen, wir würden alles tun, um sie zu bekommen. Außer mit dem Makler knutschen.

Ist auch gar nicht nötig, denn wir beherrschen das kleine Einmaleins der Wohnungsbewerber: Wir kämmen unsere Haare so, dass unsere Mütter stolz wären. Wir tragen unsere einzige Hose ohne Löcher, dafür mit einer fast richtigen Bügelfalte (so gut man eben auf einem fremden Schlafsofa eine Bügelfalte hinbekommt). Wir schreiben ganz nebenbei einen interessanten Beruf in den Selbstauskunfts-Bogen und lächeln wie verrückt.

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