Die eigene Haut gerettet Tattoo widerlegt Anklage wegen Vergewaltigung

Sechs Monate sind eine lange Zeit, zumal wenn man sie hinter Gittern verbringen muss. Uwe B., 43, musste diese Erfahrung machen: Er saß ein halbes Jahr in Untersuchungshaft, nachdem ihn eine Bekannte der Vergewaltigung bezichtigt hatte. Erst im Prozess im Amtsgericht stellte sich jetzt heraus: Die ganze Geschichte war offenbar eine Erfindung.

Uwe B. ist Möbelpacker und hat schon einige kleinere Vorstrafen. Vielleicht schenkte man deshalb seinen Beteuerungen keinen Glauben und vertraute dem angeblichen Opfer. Die 42-jährige Mutter zweier Kinder hatte steif und fest behauptet, bei einer eher zufälligen Übernachtung in der Wohnung von Uwe B. von diesem vergewaltigt worden zu sein. Er habe ihr danach gedroht, sie oder ihre Kinder umzubringen, falls sie eine Anzeige erstatten sollte.

"Sie hat bei mir im Doppelbett übernachtet, aber mehr war da nicht", bestritt der Angeklagte den Vorwurf. "Ich hatte gar kein Interesse an der Frau." Sein Verteidiger Peter Guttmann ließ in der Verhandlung nicht locker. Er fragte das vermeintliche Opfer nach besonderen Merkmalen des Angeklagten, der bei der Vergewaltigung nackt gewesen sein soll. Die 42-Jährige konnte sich nur an eine "Narbe am Bauch" erinnern.

Uwe B. riss sich daraufhin im Gerichtssaal das T-Shirt vom Leib und präsentierte der Richterin seine zahlreichen Tätowierungen auf Oberarmen und Brustkorb. Der spektakuläre Auftritt überzeugte selbst die Staatsanwältin, die nun einen Freispruch forderte. Die Amtsrichterin folgte dem Antrag und entließ den Angeklagten in die Freiheit.

Uwe B. bekommt nun voraussichtlich Haftentschädigung, die aber mit elf Euro pro Hafttag nicht gerade üppig ausfällt. Anwalt Guttmann will auch noch zivilrechtliche Schritte gegen die Zeugin prüfen. Die lässt indes ebenfalls nicht locker: Über ihre Anwältin hat sie bereits Berufung einlegen lassen. Alexander Krug