Deutsche Bahn Panne im ICE nach Berlin verursacht erneut zweistündige Verspätung

  • Das erste Wochenende der neuen Schnellfahrstrecke München-Berlin ist von erheblichen Pannen überschattet worden.
  • Am Freitagabend war der ICE mit mehr als zwei Stunden Verspätung in der bayerischen Landeshauptstadt angekommen, am Sonntag, dem eigentlichen Premierentag, musste er wegen einer technischen Störung ausgetauscht werden.
  • Viele Gäste stiegen in Nürnberg vorsorglich in den normalen ICE nach Berlin um.
Von Anna Hoben

Es ist exakt 11.01 Uhr, als der ICE aus Berlin am Sonntag im Hauptbahnhof einfährt. Eine Minute früher als vom Fahrplan vorgesehen. Zumindest jetzt klappt doch alles mit der neuen Schnellfahrstrecke zwischen München und Berlin an diesem ersten Wochenende - das von erheblichen Pannen überschattet war. Bei der allerersten Fahrt nach Berlin klappte noch alles, doch auf dem Rückweg musste der Zug mehrmals auf freier Strecke unvermittelt halten. Mit mehr als zwei Stunden Verspätung erreichte er München erst am Samstagmorgen um 1.23 Uhr - keine Spur von der versprochenen Rekordzeit von drei Stunden und 55 Minuten. Grund für die Panne war nach ersten Erkenntnissen der Bahn eine technische Störung am Zug. Und aus dem selben Grund gab es dann auch am Sonntagnachmittag in der Gegenrichtung gehörig Verspätung.

Am Sonntagmorgen bekommt die Deutsche Bahn zunächst aber eine Chance, zu zeigen, was die Schnellstrecke kann. Es ist der eigentliche Premierentag. Erwartet wird am Münchner Hauptbahnhof am Vormittag der erste reguläre Schnell-ICE. Zehn vor elf, Gleis 22: "Hier kommt er dann gleich", sagt Susann Sparmann zu ihrer Tochter Lilly, vier Jahre alt. Lilly ist aufgeregt, am Bahnhof ist sie nicht oft, erst recht nicht, um ihren Papa abzuholen. Der wohnt in Erfurt, nach München fuhr er immer mit dem Auto, in drei Stunden und 45 Minuten, wenn es gut lief.

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Mit der Bahn dauerte es ihm bisher zu lang. Zweieinhalb Stunden sind es jetzt mit dem neuen ICE, "unschlagbar", sagt Susann Sparmann, "das schafft er auch mit einem schnellen Auto nicht". Als am Ende des Hauptbahnhof-Daches ein weißer Fleck zu sehen ist, hüpft Lilly vor Freude. Ansonsten ist es eine unspektakuläre Zugeinfahrt, ohne Jubeldurchsagen oder so. Wobei: Vergleichsweise spektakulär ist - das muss man so sagen - dass der ICE eine Minute zu früh dran ist. Ganz vorne steigt nun Lillys Vater aus, er umarmt seine Tochter.

Aus dem Zug kommen auch Hartmut und Renate Göbel aus Oberhof, leuchtende Augen. "Zwölf Minuten durch den Thüringer Wald", sagt Hartmut Göbel, mit 300 Stundenkilometern, "sensationell". Er war lange Bürgermeister der Wintersportstadt Oberhof, jahrelang hat er die Planungen für die neue Bahnstrecke verfolgt. Und jetzt ist sie da, "ein Stück deutsche Einheit", sagt Göbel. "Wir sind ein bisschen rührselig", ergänzt seine Frau, "auch in Erinnerung an die DDR, wo wir das alles nicht konnten". 179 Euro haben sie bezahlt, hin und zurück, in München wollen sie nur kurz auf den Christkindlmarkt, um dann um 14.55 Uhr wieder die Rückfahrt anzutreten. Auch Reiner Lehr, Zugchef dieses ICE, schaut beglückt. "Wir waren überall pünktlich, es hat alles geklappt", sagt der 55-Jährige. Auch er ist zum ersten Mal die neue Strecke gefahren, am frühen Nachmittag geht es für ihn zurück nach Nürnberg, "und dann ist Feierabend".

Für diesen Abend hat Georg Lechner Besonderes vor, weshalb er mittags etwas nervös auf die Abfahrt nach Berlin wartet. Dort muss er pünktlich ankommen: Er hat Opernkarten für eine Vorstellung um 18 Uhr. Seit er von der Panne am Freitagabend gelesen hat, ist er zwar etwas besorgt, aber immer noch optimistisch: "Ich bin schon gespannt, wie das funktionieren soll in drei Stunden und 55 Minuten", sagt Lechner, der unbedingt einer der Ersten sein wollte auf der Strecke. 66 Euro hat er mit seiner Bahncard 50 bezahlt.

Am Nachmittag meldet die Bahn dann aber die nächsten Probleme: Auf der Fahrt nach Berlin gibt es beim ICE 1004 eine "technische Störung am Zug". In Nürnberg hält er 20 Minuten. Um die Neubaustrecke nicht zu blockieren, wird er dann über Würzburg nach Erfurt umgeleitet, wo er schließlich ausgetauscht werden muss. Viele Fahrgäste waren zuvor vorsorglich schon in Nürnberg in den normalen ICE umgestiegen. Der sollte um 17.29 Uhr Berlin erreichen, anderthalb Stunden später als der planmäßige Sprinter. Es dürfte knapp geworden sein für Georg Lechners Opernbesuch.

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