Deutsche Bahn Dreistelliger Millionenbetrag für Modernisierung der S-Bahn

Zuverlässigere Information als bisher will die Bahn bieten.

(Foto: Hans-W. Bernsau)
  • Die Deutsche Bahn (DB) bleibt mindestens bis 2020 Betreiber der Münchner S-Bahn.
  • Auch für die Zeit danach sieht der Freistaat die DB "in der Pole-Position".
  • Um die Ausschreibung wirklich zu gewinnen, will der S-Bahn-Chef das Angebot verbessern.
Von Marco Völklein

Die Deutsche Bahn (DB) will in den kommenden Jahren ihre Münchner S-Bahn-Flotte modernisieren und die Fahrgastinformation deutlich verbessern. Am Mittwoch erst hatte Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) klar gemacht, dass er bis zum Jahr 2020 einen Vertrag mit der DB für den Betrieb des Münchner Netzes abschließen wird; für den daran anschließenden Vertrag, der von 2020 bis voraussichtlich 2032 laufen wird, sieht der Freistaat die DB "in der Pole-Position".

Beobachter rechnen fest damit, dass der Konzern die S-Bahn bis zum Beginn des übernächsten Jahrzehnts betreibt. S-Bahn-Chef Bernhard Weisser kündigte daher am Freitag an, "jetzt die Ärmel hochzukrempeln". Sein Ziel sei es, "auch in den kommenden Jahren eine stabile und zuverlässige Leistung anzubieten".

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Konkret will er bis zum Jahr 2020 einen "dreistelligen Millionenbetrag" in die Modernisierung der zehn bis 15 Jahre alten Fahrzeuge vom Typ ET 423 stecken. Denkbar seien unter anderem zusätzliche Haltestangen, neue Sitze oder zusätzliche Informationssysteme in den Zügen. Die Details dazu werde man mit dem Freistaat aushandeln.

Wie es zu den verwirrenden Anzeigen kommt

Außerdem sollen sämtliche S-Bahnen noch in diesem Jahr mit einem GPS-gestützten Ortungssystem ausgestattet werden, so Weisser weiter. Mit dem System wisse der Konzern künftig "ganz genau, wo unsere Züge sind". Das sei insbesondere bei Großstörungen entscheidend, um die Fahrgäste besser zu informieren.

Bislang greift die S-Bahn-Betreibergesellschaft DB Regio bei der Ortung ihrer Züge auf Daten der Konzernschwester DB Netz zurück - die Verarbeitung dieser Daten dauere insbesondere bei Störungen zu lange und führe zu verwirrenden, manchmal auch widersprüchlichen Anzeigen und Durchsagen, so Weisser.

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Fahrgäste kritisieren dies immer wieder bei Problemen wie etwa zu Beginn dieser Woche, als ein Oberleitungsschaden den Verkehr massiv beeinträchtigt hatte. Mit dem neuen System, das die Bahn schon mehrmals angekündigt hat und das nun spätestens "in einem Jahr" laufen soll, könnten die Infos "einheitlich für alle Systeme und Kanäle, dazu schneller und zuverlässiger als bisher" an die Kunden weitergegeben werden, sagt Weisser.

Der S-Bahn-Chef rechnet sich zudem "gute Chancen" aus, den Anschlussvertrag nach dem Jahr 2020 zu ergattern. Teil dieses Vertrags wird es auch sein, ein Nachfolgefahrzeug für den Typ ET 423 zu entwickeln. Die Vorgaben dazu wird zwar der Freistaat festlegen, sobald er den Betrieb von 2020 an ausschreibt. Weisser und seine Leute wollen aber die Zeit bis dahin nutzen, um sich "mit einem möglichen Nachfolgefahrzeug intensiv zu beschäftigen". Man werde sich dazu mit Herstellern, Fahrgastverbänden und Vertretern des Freistaats austauschen.

In einem "Zuglabor" sollen Fahrgäste zudem diverse Designs ausprobieren, Marktforscher sollen herausfinden, was sich die Nutzer für die S-Bahn von Morgen wünschen. "Wir wollen das neue Fahrzeug vom Kunden her denken", sagt Weisser. Am Ende solle "das beste Fahrzeug im besten S-Bahn-System" unterwegs sein.

238 Fahrzeuge

vom Typ ET 423 stehen im Fuhrpark der Münchner S-Bahn. Diese Züge wurden in den Jahren 2000 bis 2006 angeschafft und sollen in den nächsten Jahren modernisiert werden. 2014 hatte die Deutsche Bahn als Betreiberin der S-Bahn zudem 15 Triebwagen vom Typ ET 420 als Verstärkung aus Stuttgart und Frankfurt nach München geholt. Die 420er waren damals keine Unbekannten: Fahrzeuge dieses Typs fuhren von Beginn der Siebzigerjahre bis zur Jahrtausendwende im Münchner Netz, dann wurden sie von den ET 423 abgelöst. Die 2014 nach München geholten 420er stammen allerdings nicht aus den Siebzigerjahren, sondern wurden erst Anfang der Neunzigerjahre gebaut.

Wie Verspätungen in die Statistik eingehen

Auch wenn Fahrgastverbände und Kunden immer wieder schimpfen auf sein Unternehmen - im vergangenen Dezember habe die S-Bahn mit einer Pünktlichkeit von 97,4 Prozent den "Höchstwert seit Beginn der Aufzeichnungen vor über 20 Jahren" erreicht, sagt Weisser. Im Jahresschnitt habe die Pünktlichkeit bei 95,4 Prozent gelegen.

Die Zahlen führen allerdings immer wieder zu Diskussionen: Zum einen gilt ein Zug bei der DB auch dann als pünktlich, wenn er bis zu sechs Minuten Verspätung hat. Zum anderen werfen Fahrgastverbände der DB immer wieder vor, sie lasse mehr oder weniger regelmäßig ganze Züge ausfallen, um das System zu stabilisieren. Züge, die erst gar nicht losfahren, tauchen in der Verspätungsstatistik auch nicht auf. Weisser aber bestreitet vehement, so vorzugehen.

Verkehrsminister Herrmann hatte am Mittwoch zudem "punktuelle Fahrplanverbesserungen" für die Jahre 2018 bis 2020 angekündigt - unter anderem könnten Freitagnachmittags zusätzliche Züge eingesetzt werden, so wie dies bereits in der Zeit von Montag bis Donnerstag der Fall sein wird. Weisser sieht da keine Hindernisse: Wenn der Freistaat mehr Züge wolle, müsse er sie nur bestellen. Im Anschluss würden die DB-Leute die Pläne für Umläufe, Instandhaltungen, Reinigungen und Abstellungen überarbeiten. Bereits zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember könnten die zusätzlichen Züge dann rollen.

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