Deutsche Bahn Die Pläne für die S-Bahn München sind eine Zumutung

Verkehrsminister Joachim Herrmann präsentiert seine Ideen für Münchens Nahverkehr - und brüskiert alle Fahrgäste. Für solche Vorhaben hat keiner mehr Zeit.

Kommentar von Marco Völklein

So sieht er also aus, der Fahrplan des Verkehrsministers in die Zukunft: Bis zum Jahr 2020 darf die Deutsche Bahn (DB) als Betreiberin der Münchner S-Bahn im Großen und Ganzen weiterwurschteln wie bisher. Und auch danach ist allenfalls mit Verbesserungen zu rechnen, wenn der zweite Tunnel gebohrt sein wird - dessen Finanzierung ist aber nach wie vor völlig ungeklärt.

Erst von den 2030er Jahren an will der Freistaat dann mal schauen, ob der ein oder andere Wettbewerber mitmischen darf auf Münchens Gleisen. Mit Verlaub: Das ist kein Fahrplan in die Zukunft, was Joachim Herrmann (CSU) da vorgelegt hat. Das ist eine Zumutung.

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Auf viele wichtige Detailfragen haben Herrmann und seine Leute keine Antworten. Sind vielleicht Verbesserungen im S-Bahn-Netz auch schon weit vor 2025 möglich? Ließe sich der Wettbewerb unter den Betreibern durch einen Fahrzeugpool des Freistaats anschieben, um die DB unter Druck zu setzen? Auf all diese Fragen hatten Herrmann und seine Leute nur eine Antwort: "Wir prüfen das."

Keiner hat mehr Zeit für Langfristpläne

Natürlich ist die Münchner S-Bahn hochkomplex und eine Ausschreibung alles andere als trivial. Aber die Planer tüfteln seit Jahren an einer Lösung, für viel Geld wurden dann noch Unternehmensberater angeheuert, um die nötigen Antworten zu geben. Ein langgedehnter Zeitplan ist da zu wenig.

Der Vorgang zeigt erneut, dass den Verantwortlichen im Freistaat offenbar nicht klar ist, vor welcher Herausforderung der gesamte Großraum München steht. Wegen des ständigen Zuzugs wird der Verkehr in naher Zukunft kollabieren. Daher müssen rasch Lösungen her, und seien es nur kleine Verbesserungen wie etwa die Sendlinger Spange, die zumindest eine Umfahrung der Innenstadt ermöglichen würde. Zeit für Langfristpläne hat keiner mehr. Denn die wurde bereits vertrödelt.

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