Die Türkische Gemeinde hat am Wochenende zur Langen Nacht geladen. Aber bei den Veranstaltungen ließen sich kaum Deutsche blicken.
Die Frage musste kommen. Spät in dieser "Langen Nacht der Deutsch-Türken" wird sie gestellt: "Warum ist so wenig deutsches Publikum da?" In zehn deutschen Städten hat die Türkische Gemeinde Deutschland (TGD) am Samstag eine "Lange Nächte" gefeiert.
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Straßenszene während der WM 2006: Ein türkisches Café in München. (© Foto: Heddergott)
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In München hatte die Türkische Gemeinde in Bayern (TGB) dazu eingeladen, um der "Aufnahmegesellschaft", wie sie hier sagen, ihre Herkunft zu erklären. Man wollte über die Kultur sprechen, die die Türken mitbringen, und über ihr Leben in Deutschland. Vor allem aber wollte man mit den Deutschen ins Gespräch kommen.
Sehr enttäuscht
In den Räumen des Ausländischen Elternvereins München an der Goethestraße ist türkische Musik und türkische Literatur zu hören. Fotos werden gezeigt, Szenen türkischen Lebens in München. Ein Film des Bayerischen Rundfunks läuft, es geht um türkische Immigranten verschiedener Generationen. Anschließend soll diskutiert werden.
Sie sei sehr enttäuscht, sagt eine Frau aus der Runde, sie hatte auf mehr deutsche Gäste gehofft. Nur fünf Deutsche zählt der Sprecher der TGB Vural Ünlü. Der Rest der etwa dreißig Leute im Raum gehört zum Kern der Türkischen Gemeinde. Man hätte, gibt Ünlü zu, offensiver für die Veranstaltung werben sollen. "In Zukunft müssen wir die Deutschen über ein besseres Marketing erreichen", so Ünlü. Denn trotz des mäßiges Erfolges soll es die "Lange Nacht der Deutsch-Türken" wieder geben: jedes Jahr am 6. Juni.
Nur einen sehr kleinen Ausschnitt aus ihrer "tiefen Kultur" könne man an einem einzigen Abend vermitteln, heißt es aus dem Kreis der Gemeinde-Mitglieder. Klassische türkische Lieder, gespielt auf der Oud, der bauchigen Gitarre, und dem Kanun, einer Art Zitter. Man singt mit. Bei "Eski Dostlar" wischt sich eine Frau, die sehr bayerisch redet, wenn sie auf Deutsch etwas sagt, eine Träne aus dem Augenwinkel. Es ist ein Lied über einen alten Freund, von dem man nicht weiß, wo er jetzt ist. Ein Gefühl, dass viele Migranten kennen, deren Freunde in der alten Heimat zurückgeblieben sind.
Soll man "immer deutscher werden"?
Das Lied werde auf jeder türkischen Veranstaltung gewünscht, sagt Vural Ünlü. Er kam schon mit vier Jahren nach Deutschland. Und dennoch berührt es ihn tief, wenn er die alten Lieder hört oder die türkischen Gedichte, die Selen Gürler vorliest. Die berühmtesten und einflussreichsten türkischen Autoren hat sie für den Abend ausgewählt. Ein Kollege erzählt zur Auflockerung Witze von Nasreddin Hoca, dem türkischen Eulenspiegel.
Es hätte also durchaus etwas zu entdecken gegeben für deutsche Besucher. Und es gibt so viele Fragen, die die Türken an die Deutschen haben. Warum zum Beispiel, fragt Vural Ünlü am Vorabend der Europawahl, werde ein Beitritt der Türkei zur Europäischen Union so kritisch gesehen? Und was meinen die Deutschen eigentlich, wenn sie von Integration reden? Soll man wirklich seine türkische Identität abgeben und "allmählich immer deutscher werden?", wie eine Forderung des CSU-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Uhl zitiert wird.
"Was erwartet ihr noch?", fragt Levent Karadag, Elektroingenieur, seit acht Jahren in Deutschland. Er habe Deutsch gelernt, in Deutschland studiert und hier Arbeit gefunden. Trotzdem werde er ständig kontrolliert, von Streifenpolizisten nach seinem Pass gefragt. Und immer wieder werde er mit den gleichen Fragen konfrontiert: Weshalb er kein Schweinefleisch esse, wie das mit den Beschneidungen sei. Die Leute im Raum nicken und berichten von Benachteiligungen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, in den Schulen ihrer Kinder. "Wir leben immer noch in zwei Gesellschaften", sagt jemand.
Ähnliches weiß auch Volker Wettmann zu berichten, einer der fünf deutschen Besucher. Er ist Vorsitzender des Vereins "Kultur in Hadern". Obwohl der Migrantenanteil in Großhadern hoch sei, gebe es keine Kontakte zwischen seinem Verein und der türkischen Kultur.
Versöhnliches Ende
Der Vorsitzende der TGB Hasan Tan liefert dazu interessante Zahlen: 44 Prozent der Türken in Deutschland seien in türkischen Vereinen organisiert, nur 19 Prozent Mitglied in deutschen Vereinen. Unter dem Dach der Türkischen Gemeinde seien um die 250 Vereine versammelt, kleine und große, so Hasan Tan. Der Ausländische Elternverein zum Beispiel, der Verein türkischer Ingenieure, der Türkisch-deutsche Studentenbund und viele andere. Von den Diskussionen um Parallelgesellschaften will man indes nichts wissen. "Deutsche, die ins Ausland emigrieren, machen dasselbe", argumentiert Rahmi Turan, Journalist bei türkischen Medien in Deutschland "Sie gründen Heimat- und Sportvereine."
Nach der eifrigen Debatte findet sich dann doch noch ein versöhnliches Ende dieser Langen Nacht der Deutsch-Türken: Vielleicht, heißt es, könnten es die Kinder, die nächste Generation schaffen mit dem Zusammenleben, der gegenseitigen Akzeptanz und der Freude an der Kultur der Anderen.
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(SZ vom 08.06.2009/pfau)
Die neueste Antwort
viele türken fühlen sich hier in deutschland sehr wohl und möchten gar nicht weg.
Das land der Eltern ist eigentlich fremd. Und ich glaube die haben sich sehr gut integriert.
Wer in einer türkischen disco geht, der weiss es.
Wir essen ja auch in den jeweiligen Bundesländern andere Gerichte. Warum wird dass dann von einem volk erlangt.
Also nicht auf minderheiten stürzen sondern leben lassen.
Toleranz und Respekt heissen die Zauberwörter.
Ich bin nächstes Jahr dabei. Freu mich jetzt schon.
@Moderator:Auch wenn mein Beitrag wieder rausgenommen wird, weil ich ja die ach so fruchtbare Diskussion hier störe:
Können Sie bitte die "Diskussion" hier mal zu machen. Im Artikel geht es um ein türkisches Fest und warum keine Deutschen gekommen sind. Anstatt hierzu Meinungen zu äußern, wird die angebliche Anonymität des Internets genutzt , hier mit vollkommen sachfremden, unreflektierten, unrelevanten und unkonstruktiven Ressentiments um sich zu werfen. Wie hier ganze Religionen, Kulturkreise und Volkszugehörigkeiten negativ über einen Kamm gescherrt werden, ohne auch nur einmal zu versuchen über den Tellerrand oder in den Spiegel zu gucken ist ja fast schon pathologisch.
Möchte die SZ wirklich ein Forum für diese vorurteilstriefenden Pamphlete bieten? Wenn ja haben Sie ganz einfach einen Abonemment verloren.
Traurig. Anscheinend hat der Umzug aus der Stadt auch das eigene Urteilsvermögen getrübt.
Ein geschockter mightymaze
...und mich nervt es tierisch, wenn die türkischen Communities hier en gros mit Zwangsheirat und Ehrenmord in Verbindung gebracht werden...
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Was mich bei vielen Diskussionen um die Integration der Türken stört, ist das Faktum dass sie sich selbst nicht von den fundamentalistischen Religionsfanatikern aus ihrer Mitte distanzieren, die partout nicht wahrhaben wollen dass es im Gastland Gesetze gilt, die von Allen, egal welcher Herkunft einzuhalten sind und deren Übertretung nicht durch kulturelle Eigenartigkeiten gerechtfertig werden .
Schon gar nicht kann die Religion als Ordnungsmacht im demokratischen Staat geduldet werden.
So hat die DITIP bis heute die Akzeptanz des GG verweigert.
Hinzu kommt das viele Gutmenschen, a la C. Roth et Alteri, die sich kaum halten können wenn es gegen Papst Bischöfe oderChristentum geht, den intoleranten Fantikern aber jegliche Toleranz und Verständnis entgegenbringen.
Paging