Der neue Gloria Palast Champagner-Kino am Stachus

Jetzt ein Kino der Luxus-Kategorie: der Gloria Palast am Stachus.

(Foto: Stephan Rumpf)

Seafood, Antipasti oder ein Schokoladen-Allumette zum Film: Nach einem aufwändigen Umbau eröffnet am Stachus der Gloria Palast wieder - mit halb so vielen Sitzplätzen und doppelt so hohen Preisen wie früher.

Von Philipp Crone

Sie haben lange überlegt, ob es Popcorn geben soll, ob das noch zum Konzept passt im an diesem Donnerstag wiedereröffneten Gloria-Kino am Stachus. Sie haben sich dafür entschieden, die Verantwortlichen von Kinopolis. Der Kino-Betreiber aus Wiesbaden, der in München neben dem Mathäser auch das Gloria betreibt, hat dann neben süß und salzig auch Popcorn mit Apfel-, Schoko-, und Karamellgeschmack in das Programm aufgenommen. Denn das Konzept lautet: Gehobene Preise, gehobenes Angebot. Das Gloria ist nun ein Edelkino.

Der Kinosaal erinnert auf den ersten Blick an eine Mischung aus einer Senator-Lounge am Flughafen und einem Theater. Statt der 500 Sitzplätze, die das 1956 eröffnete Kino vorher hatte, sind es jetzt noch 240. Sitzplatz ist untertrieben, Miniwohnzimmer passt besser. Ledersessel, verstellbare Rückenlehnen, Hocker für die Füße und ein Beistelltisch für die Speisen. Der Gast gibt an der Garderobe seine Jacke ab und kann dann am Platz aus der Speisekarte auswählen. Etwa die Etagere "Im Rausch der Tiefe", Seafood für 10,90 Euro, Antipasti (4,50) oder ein Schokoladen-Allumette (4,50). Statt eines Werbeblocks wird es Kurzfilme und Live-Acts geben. "Das ist ein anderes Erlebnis", sagt Marketingchef Kurt Schalk. Das Erlebnis kostet 17,50 Euro, auf dem ersten Rang 19,50 Euro. Zum Start wird "Der Hobbit" gezeigt.

Ein Premium-Kino also, mit "mainstreamigem Arthouse-Programm", sagt Schalk. Für eine bestimmte Zielgruppe. "Wir sprechen das etwas ältere Publikum an, Leute, die auch gerne ins Theater gehen." Leute, die nicht gerne ins gegenüberliegende Mathäser gehen, diesem Kino-Komplex mit Rolltreppen, Nacho-Theken und spröder Kaufhaus-Ästhetik. Im Gloria sind die Bars mit weißem Leder verkleidet, steht eine Champagnerauswahl bereit, und im oberen Rang gibt es kleine Logen, wie man sie aus dem Zirkus kennt.

Immerhin ist das Gloria ein Kino geblieben und nicht wie das Tivoli, Atlantis oder Filmcasino eingegangen. "Früher hatte das Kino einen Stellenwert wie das Theater", sagt Schalk. Im Zeitalter der DVD müsse man als Kino ein Profil entwickeln für eine bestimmte Zielgruppe. Teenager ins Mathäser, Arthouse-Fans ins City oder Monopol, und die Edel-Cineasten ins Gloria oder in die Cinema-Lounge des Bayerischen Hofes.

Für München ist das Gloria eine Erweiterung des Kino-Angebots, und auch eine Chance auf ein wenig mehr Glamour in der Stadt. Manche Filmverleiher haben bereits angedeutet, in diesem mondänen Kino nun gerne in Zukunft auch die ein oder andere Premiere mehr feiern zu wollen, die bislang mangels angemessen glanzvoller Räumlichkeiten in Berlin stattfand.