Von Susi Wimmer

Sechs Jahre lang wurde vergeblich nach Oliver Shanti gefahndet, jetzt werden Vorwürfe laut: Haben die Behörden in Deutschland und Portugal geschlampt? Die Anwältin zweier Buben berichtet.

Im Fall des verhafteten mutmaßlichen Kinderschänders Ulrich Schulz, alias Oliver Shanti, werden heftige Vorwürfe gegen die Polizei laut. Zum einen erklärte Schulz nach seiner Auslieferung nach Deutschland am Freitag, die portugiesische Polizei habe jahrelang über seinen Aufenthaltsort Bescheid gewusst. Zum anderen kritisiert die Rechtsanwältin zweier Opfer, Münchner Kriminalbeamte hätten durch unüberlegtes Handeln im Jahr 2002 die Festnahme von Schulz vereitelt. Nach dem Guru war sechs Jahre lang vergeblich gefahndet worden.

Bild vergrößern

Ulrich Schulz alias Oliver Shanti soll sich mehr als 300 Mal an insgesamt sechs Kindern vergangen haben. (© Foto: BKA)

Anzeige

Am vergangenen Freitag nahmen die Zielfahnder der Münchner Polizei einen der meistgesuchten Männer Deutschlands in Empfang: Die portugiesische Polizei übergab ihnen Ulrich Schulz am Flughafen in Lissabon. Ein Angestellter der deutschen Botschaft hatte Schulz am 27. Juni erkannt, als er seinen Pass verlängern lassen wollte. Der Angestellte konnte den in beiden Ländern Gesuchten hinhalten, wenig später wurden er verhaftet.

Am Freitag um 18.30 Uhr landete die Maschine mit dem mutmaßlichen Kinderschänder an Bord in München, bereits eine Stunde später wurde dem 59-Jährigen in der Justizvollzugsanstalt in Stadelheim im Beisein der Staatsanwaltschaft, seines Verteidigers und Beamten des Kommissariats für Sexualdelikte der Haftbefehl eröffnet. Anschließend brachten Wachtmeister den angeblich an Blutkrebs erkrankte Schulz in die Krankenabteilung der JVA.

"In den nächsten Tagen wird er körperlich untersucht werden. Außerdem gilt es zu klären, ob ein psychiatrisches Gutachten nötig ist", sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler. Rein äußerlich, so erklärte Ignaz Raab vom Kommissariat für Sexualdelikte, habe Schulz einen "relativ guten Eindruck" gemacht: "Er konnte sich körperlich gut bewegen." Er habe älter als auf den Fahndungsbildern ausgesehen und ein bisschen an Leibesfülle verloren. Am Flughafen sei Schulz "emotional aufgewühlt" gewesen.

Fünf Jahre lang an der gleichen Stelle

Für Aufregung dürften auch Schulzes Aussagen vor dem Haftrichter gesorgt haben: Er erklärte nun, er habe sich fünf Jahre lang an der gleichen Stelle, vermutlich in seinem Domizil in Portugal, aufgehalten - und die portugiesische Polizei habe von seinem Aufenthaltsort gewusst. Offenbar hat sich Schulz in dem portugiesischen Ort Vila Nova de Cerveira durch Spenden einen Ruf als sozialer Wohltäter erkauft, möglicherweise wurde er dort aus Polizeikreisen gewarnt, wenn Gefahr in Verzug war.

Auch die Münchner Polizei agierte im Fall Shanti "völlig unbegreiflich", wie Ricarda Lang der Süddeutschen Zeitung sagte. Die Anwältin vertritt zwei Opfer von Oliver Shanti und wurde Anfang 2002 mit dem Fall beauftragt. Am 24. Januar 2002 schickte sie die Vorwürfe ihrer Mandanten schriftlich an das Kommissariat für Sexualdelikte, am 5. Februar wurden die beiden Buben vernommen. Zwei Wochen später, genau am 21. Februar 2002 beschloss ein mittlerweile pensionierter Beamter des Kommissariats, den Musikverlag von Ulrich Schulz in Fischbachau "wegen Gefahr in Verzug" durchsuchen zu lassen.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Fall Shanti: Vorwürfe gegen die Polizei
  2. Fall Shanti: Vorwürfe gegen die Polizei
Leser empfehlen