Der Derzbachhof in Forstenried Naiv und populistisch

Ist es eine gute Idee, die Sanierung von Münchens ältestem noch erhaltenen, denkmalgeschütztem Bauernhaus einem privaten Investor zu überlassen?

Kommentar von Thomas Kronewiter

Stellte man eine Liste auf mit Gebäuden, deren historische Bedeutung eine Sanierung durch das sofortige Einschreiten der Kommune nötig machte, womöglich unter Rückgriff auf deren eigenen Haushalt, hätte die Stadt München sehr viel zu tun. Nicht erst seit dem Streit um den ungenehmigten Abriss des Giesinger Uhrmacherhäusls ist selbst Laien bewusst, wie viel alte Bausubstanz schleichend vor sich hin verfällt und unbedingt gerettet werden muss, bevor Zeugnisse früherer Zeiten unwiederbringlich verloren sind.

Das Bayerische Denkmalschutzgesetz verpflichtet nicht von ungefähr den Eigentümer im zumutbaren Umfang zur Erhaltung seiner Baudenkmäler - und es stellt über Zuschüsse und Steuererleichterungen auch Hilfen in Aussicht. Gerade der Derzbachhof in Forstenried, Münchens ältestes noch erhaltenes Bauernhaus, aber ist ein exzellentes Beispiel dafür, an welche Grenzen dies bei vielen Projekten stößt. Selbst Eingriffe städtischer Behörden, die den Eigentümer verpflichteten, etwa mit Hilfe von Schädlingsbekämpfung hölzerne Bauteile zu schützen, änderten in diesem Fall an der Problematik nichts: Das Bauernhaus stand leer und verfiel weiter.

So war die Erleichterung groß, als sich ein Investor fand, der im Bauernhof ein Liebhaberobjekt sah, das ihm nicht nur erhaltenswert schien, sondern auch die Chance bot, eine hochwertige Sanierung vorzunehmen - der aber mit Blick auf frühere Projekte auch von Anfang an kein Hehl daraus machte, dass er auch auf seine Rendite achten würde. Nun nach dem Prinzip "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass" vorzugehen und nach städtisch-staatlichen Eingriffen zu rufen, weil man Angst ums Ensemble hat, ist deshalb reiner Populismus. Denn der Denkmalschutz ist ohnehin an Bord, gerade bei einem derart markanten Haus. Stefan Höglmaiers Euroboden ist bekannt für Projekte, die andere eher abschrecken, oftmals Häuser unter Denkmalschutz. Mitunter, wie bei der Revitalisierung eines uralten Riemer Bauernhofs, entstehen sogar bemerkenswerte Objekte, meist teure Adressen, durchaus unter Kombination von Historie und Moderne. Ob das statthaft ist, haben Experten zu beurteilen. Wer erwartet hatte, der Investor würde selbstlos eine Art Freilichtmuseum aus dem Hof machen, war naiv.