Denkmäler in München Weiß Ferdl erhielt einen Pullover gegen die Kälte

Und auch die Menschen gehen mit den Standbildern nicht immer so liebevoll um wie mit den Volkssänger-Brunnen auf dem Viktualienmarkt. Der Brunnen für Karl Valentin wird regelmäßig mit Blumen bedacht, auch Liesl Karlstadt bekommt hin und wieder einen Strauß. Die Brunnenfigur vom Weiß Ferdl erhielt vor Jahren gar einen Pullover gegen die Kälte.

Anderswo sind manche Zeitgenossen weniger fürsorglich. 2009 zierte auf dem Max-Joseph-Platz monatelang eine Bierbüchse die Hand des Denkmals für König Max I. Joseph. Im Frühjahr 2010 schlugen Unbekannte die Hand der Karl-Valentin-Statue auf dem Viktualienmarkt ab. Wenig später traf es auf dem Marienplatz die Heldenputten an der Mariensäule: Bewaffnete Engel bekämpfen hier vier Ungeheuer, Drache, Löwe, Basilisk und Schlange. Doch im Februar waren zwei Putten plötzlich wehrlos, eines der bronzenen Schwerter war abgebrochen worden, ein anderes verbogen. Die Stadt ließ die Figuren teuer reparieren. Der kunsthistorische Schaden aber war gering - hier traf es bereits Kopien.

Denn nicht nur Gebäude, auch Münchner Denkmäler sind oft Replikate. Die Originale der Putten, geschaffen 1639 von einem nicht sicher identifizierten Künstler, wurden bis 1997 restauriert und ins Stadtmuseum gebracht. Sie sind nicht die einzigen: Auch das Original der Bavariafigur auf dem Dianatempel im Hofgarten befindet sich in musealer Sicherheit, es steht im Residenzmuseum, ebenso das Original des "Harmlos" vor dem Prinz-Carl-Palais.

Die Reihe ließe sich fortsetzen. Die Residenzlöwen sind also nicht die ersten Standbilder, die zum Schutz vor Witterung und Bevölkerung die Obhut eines Museums genießen werden. Und es wird nicht das letzte Mal sein, dass ein Original durch ein Replikat ersetzt wird.

Auf den ersten Blick wäre auch die "Julia" am Rathausturm eine geeignete Kandidatin. Das Standbild ist ein Geschenk der Sparkasse der Partnerstadt Verona. Es steht seit 1974 zwischen Marienplatz und Viktualienmarkt, und es soll Glück in der Liebe bringen, ihr die Brust zu reiben. Gemessen daran, wie diese glänzt, wird der Brauch rege gepflegt - und das, obwohl die "Julia" wohl nie museumswürdig sein wird: Sie ist ebenfalls eine Kopie, das Original steht in Verona. Dem Brauch tut das allerdings keinen Abbruch. Ein gutes Omen für die Residenzlöwen: Die Menschen reiben trotzdem.