Von Lisa Sonnabend

Katja Schall ist Schülerin und kandidiert bei der Landtagswahl für die ödp. Ihre Mutter hat sie dazu überredet.

"Die Grünen sind Schweine", hat ihre Mutter gesagt - und deswegen findet Katja Schall das jetzt genauso. Katja Schall ist erst 19 Jahre alt und tritt als Landtagskandidatin für die Ökologisch-Demokratische Partei (ödp) bei der Wahl am 28. September an. Wie es dazu kam? Auch da hat die Mutter ihre Finger mit im Spiel.

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Will lieber Pilotin statt Politikerin werden: Katja Schall. (© Foto: sonn)

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"Meine Mama ist meine kleine Managerin", sagt die Schülerin. Heidi Schall, seit langem ödp-Mitglied, habe sie überredet, im Stimmkreis Schwabing zu kandidieren. "Die ödp will bekannter werden und dafür braucht sie junge Gesichter", begründet Katja Schall ihr Engagement.

Dafür hat Familie Schall die Tochter als Kopf ausgesucht. Die Mutter organisiert alles, die jüngeren Brüder helfen mit beim Wahlkampf. Katja muss nun eigentlich gar nicht mehr viel tun - lediglich für Plakate ihren Kopf hinhalten. Neulich hat sie im Dirndl posiert und auf der Startseite der Homepage der ödp München ist sie abgebildet. Auf Parteitreffen oder Wahlkampfveranstaltungen war sie bislang kaum.

Wer jetzt aber denkt, Katja Schall handle nicht eigenständig, tut der quirligen Schülerin unrecht. Vielleicht hat sie ihren Werdegang auch ein wenig zu salopp formuliert. Denn Interesse an Politik hat Katja Schall durchaus.

Das blonde Mädchen, gerade einmal 1,61 Meter groß, sitzt auf einer Bank vor dem Supermarkt, an dem sie neben der Schule an der Kasse arbeitet. Ihre linke Augenbraue ist gepierct, auf ihrem T-Shirt ist Goofy abgebildet. Sie lacht viel, ist redegewandt und kann sich über vieles aufregen. Über die Mobilfunkantenne, die auf ihrem Nachbarhaus in die Höhe ragt, über die vielen Diskos, die zu Raucherclubs werden, und über ihre Mitschüler, die sich kaum engagieren. "Die sind nur auf die Schule fixiert", kritisiert sie, "sie sind zu angepasst und wollen bloß kein Risiko eingehen."

Katja Schall war zwei Jahre lang Schülersprecherin - fehlendes Engagement kann man ihr also nicht vorwerfen. "Mir macht es Spaß, zu organisieren, mit Leuten zu diskutieren und zu überlegen, was besser gemacht werden könnte", sagt sie. Während des Amtes hat sie aber auch gemerkt, wie sehr Bürokratie nerven kann. "Wenn wir die Wände an der Schule streichen wollen, heißt es, die Hälfte des Geldes müssen wir Schüler selber zahlen", erzählt sie. "Und wenn wir den Wandertag organisieren, heißt es, wir dürfen Beachvolleyball spielen, aber nicht zum Baden ins Wasser. Da wird einem der Spaß genommen."

Politikerin will Katja Schall nicht werden, ihr Traumberuf ist derzeit Pilotin. Aber entschieden ist noch nichts: "Mir fehlt es derzeit vor allem an Zeit", sagt sie. "Jetzt muss ich erstmal die Schule hinkriegen." Und dann mal schauen. Katja Schall ist ein Typ, um den sich viele Parteien reißen würden: jung und hübsch, charmant und geradeaus.

Für den Politikbetrieb hat sie kein gutes Wort übrig: "Unsere Politiker bescheißen doch", sagt sie. "Sie setzen nicht um, was sie sagen." Den einzigen, den sie gut findet, ist Willy Brandt. "Zumindest sagen das alle und durch den Geschichtsunterricht habe ich auch den Eindruck bekommen", sagt sie. "Brandt war menschlich und ehrlich."

Aber auch an ihrer eigenen Partei hat sie etwas auszusetzen. "Teilweise ist die ödp zu unrealistisch", findet Katja Schall. "Ihre Forderungen nach einem verkehrsfreien Sonntag ist nicht umsetzbar." Und es regt sie auf, wenn sie sich wie neulich auf einer Parteiveranstaltung einen Leberkäs bestellt und ihr ein Kollege das Essen verdirbt, indem er sich mockiert: "Was da alles drin ist - igitt."

Katja Schall weiß selber, dass der Einzug in den Landtag derzeit völlig abwegig ist. Die ödp wird die Fünf-Prozent-Hürde wohl nicht nehmen. "Viele denken immer noch, das "ö" steht für "österreichisch", sagt Katja Schall. Ihre Mutter hat gemeint: "Wenn es doch passiert, müssen wir uns etwas überlegen."

Jetzt macht Katja Schall erst einmal Urlaub mit ihrem Freund. Wohin die Reise geht, weiß sie noch nicht. Vielleicht setzen sie sich einfach ins Auto und fahren los - mal schauen, was passiert.

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(sueddeutsche.de)