Demonstration gegen Rassismus Bunt gegen Braun

Münchner demonstrieren gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

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Am Marienplatz demonstrieren Münchner gegen Rassismus - während sich in der Nähe Rechtspopulisten versammeln und für Aufregung sorgen. Gegen einen Mann wird nun wegen Volksverhetzung ermittelt.

Von Wolfgang Görl

München - Samstagmittag am Marienplatz: Vor dem Donisl stehen die Percussionisten der Sambatruppe Münchner Ruhestörung und trommeln Leute zusammen. Vor ihnen haben sich einige Aktivisten postiert, unter ihnen Siegfried Benker von den Grünen, der SPD-Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich-Pfaffmann und der Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel. Sie halten ein gelbes Transparent vor der Brust, mit der Aufschrift "München ist bunt".

Angeführt von den Trommlern setzt sich der kleine Zug in Bewegung, man umkreist die Mariensäule und macht schließlich an der Bühne vor dem Rathaus halt. Dort warten schon die beiden Altoberbürgermeister Hans-Jochen Vogel und Georg Kronawitter, gehüllt in Wintermäntel. Ein eiskalter Ostwind pfeift über den Platz. Später wird Michi Marchner, einer der beiden Musiker der Kabarett-Band Les Derhosn, angesichts des Wetters sagen, eine Demonstration gegen die soziale Kälte wäre an diesem Tag angemessener. Doch es geht um etwas anderes. Die Veranstalter der Kundgebung, der Verein "München ist bunt", wollen ein Zeichen setzen gegen "Rassismus und Menschenfeindlichkeit".

Als Micky Wenngatz, die Vorsitzende des Vereins, ihre Begrüßungsansprache hält, haben sich etwa zwei- bis dreihundert Menschen um die Bühne versammelt. Es herrscht ein Kommen und Gehen, die tatsächliche Teilnehmerzahl dürfte um einiges höher liegen. Der griechisch-orthodoxe Erzpriester Apostolos Malamoussis ist dabei, ebenso der Penzberger Imam Benjamin Idriz, der sich mit vielen Mitstreitern für ein Islam-Zentrum in München einsetzt.

Micky Wenngatz sagt: "Gerade die Schlagzeilen der letzten Tage zeigen nur allzu deutlich, wie Rassismus und Diskriminierung auch heute noch in unserer Gesellschaft vorkommen." Wie zutreffend das ist, kann man an diesem Samstag einige Hundert Meter weiter beobachten. Dort, am Richard-Strauss-Brunnen, haben sich die Sympathisanten der rechtspopulistischen Gruppierung "Die Freiheit" versammelt.

Hans-Jochen Vogel betritt die Bühne am Marienplatz auf einen Stock gestützt. "Einladungen", sagt der 87-Jährige, "kann ich in Anbetracht meines Alters nur in Ausnahmefällen annehmen. Dies ist ein Ausnahmefall." Aus der deutschen Geschichte, fährt Vogel fort, aus der unseligen Zeit, in der dem "Führer gottesähnliche Allmacht zugesprochen wurde", müssen die richtigen Konsequenzen gezogen werden.

Für den SPD-Politiker heißt dies: Die NPD muss verboten werden. "Ich halte es für unerträglich, dass diesen Neonazis Steuergelder für ihren Wahlkampf zur Verfügung gestellt werden." Doch es reiche nicht, nur nach dem Staat zu rufen. "Jeder Einzelne ist für die Demokratie und die Menschenrechte verantwortlich. Weimar ist zugrunde gegangen, weil es nicht genügend Demokraten gab."

Nükhet Kivran, die Vorsitzende des Münchner Ausländerbeirats, wendet sich in ihrer Rede gegen die Tendenz, islamische Mitbürger auszugrenzen. "Der Islam ist ein fester Bestandteil unseres Landes." Deshalb müsse es neben christlichen Kirchen und jüdischen Synagogen eine "repräsentative Moschee" in München geben - nicht in Randvierteln, sondern "an einem würdigen Ort".