Von Johanna Bruckner

"Lagerzwang", Armut und eine quälende Ungewissheit: Irakische Flüchtlinge leben in München oft in ständiger Angst vor Abschiebung. Nun fordern irakische Frauen ein vollwertiges Bleiberecht.

Als "ausreisepflichtige Ausländer" werden sie klassifiziert - "Aussetzung der Abschiebung" steht in ihren Pässen vermerkt. Mit diesem behördlichen Stempel leben nach Schätzungen des Kreisverwaltungsreferats München (KVR) derzeit 660 irakische Flüchtlinge in Bayern. Alle drei bis sechs Monate wird ihre Duldung überprüft.

Irakischer Junge in einem Flüchtlingsheim in München, AP

Leben im Ausnahmezustand: Ein kleiner irakischer Junge in einem Flüchtlingsheim in München. (© Foto: AP)

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Seit teilweise acht Jahren führen diese Menschen, die erst vor Saddam Hussein und dann vor den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in ihrem Heimatland geflohen sind, in Flüchtlingslagern ein Leben auf engstem Raum und oftmals von der Außenwelt abgeschottet. "Unter der Situation leiden vor allem die Frauen und Kinder", sagt die Münchner Anwältin für Asyl- und Ausländerrecht, Gisela Seidler.

"Ich kann nicht mehr stillhalten"

Um auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen, hat eine Gruppe irakischer Frauen nun eine Bleiberechtskampagne ins Leben gerufen: Am 19. Dezember findet in München ein Demonstrationszug statt, der um 13 Uhr in der Schwanthalerstraße am Eine-Welt-Haus startet und die Protestierenden bis zum bayerischen Innenministerium führt. "Ich kann nicht mehr stillhalten. Wir sind Menschen - und wissen, was unsere Rechte sind", sagt die Irakerin Diman Ahmed.

Vor acht Jahren kam die heute 28-Jährige mit ihrem Mann und damals vier Monate alten Tochter nach Deutschland. Die vergangenen siebeneinhalb Jahre lebte die Familie auf knapp 16 Quadratmetern in einem Container in der Sankt-Veit-Straße im Münchner Osten - in ständiger Angst vor der Abschiebung in ihr Heimatland.

Für die deutschen Asylbehörden markiert der Sturz des Diktators Hussein das Ende der Gefahrenlage im Irak. "Zumutbarkeitskriterien spielen seitdem keine Rolle mehr", erklärt Anwältin Seidler. Offiziell sollen irakische Flüchtlinge seit 2003 wieder unbedenklich in ihr Heimatland zurückkehren können - obwohl dort täglich Bomben extremistischer Attentäter Menschenleben fordern.

Vielen Flüchtlingen, die bereits eine Aufenthaltsgenehmigung hatten, wurde diese nachträglich wieder aberkannt. Wenn heute Iraker in Deutschland um Asyl ersuchen, müssen sie darauf hoffen, die richtige Religion bzw. Stammeszugehörigkeit zu haben: Während irakische Christen und Yeziden relativ gute Aussichten auf asylrechtliche Anerkennung in Deutschland haben, werden die Asylanträge von irakischen Sunniten und Schiiten in der großen Mehrheit abgelehnt. "Dabei sterben im Irak Menschen aller Gruppen", sagt Rechtsanwältin Seidler.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, mit welchen Einschränkungen geduldete irakische Flüchtlinge in München leben müssen.

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