Der Spaß hat einen Namen: Wenn Deichkind ein Konzert geben, ist Party angesagt. Ihr Auftritt im Münchner Zenith hätte exzessiver kaum sein können.
Müllsäcke mit Neonstreifen, Voodoo-Bemalung und blinkende Dreieckshüte: Die Welt von Deichkind ist schrill, bunt und ziemlich gaga. Völlig überdreht und auf Krawall gebürstet hüpfen die Jungs aus Hamburg am Donnerstagabend auf die Bühne im Münchner Zenith. Die Beats knallen durch die Halle, das Publikum tobt von der ersten Sekunde an.
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Krawall und Remmidemmi: Deichkind überzeugen mit einer total verrückten Bühnenshow. (© Foto: dpa)
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Ein Konzert von Deichkind ist immer eine Mega-Party. Genau deshalb sind die Fans hier. Und genau das will die "Electro Super Dance Band" ihrem Publikum geben. Die Nordlichter rocken sich von "Hört ihr die Signale" über ein Cover der Frankie-Goes-To-Hollywood-Schnulze "The Power Of Love" bis zu "Ich betäube mich" und "Luftbahn" durchs Programm. Dazu ziehen sie eine infantile, aber geniale Show ab: Trampolin-Sprünge, ein selbstgebastelter Propeller und sogar ein Kasperltheater, das auf der Bühne auf- und abfährt.
Angefangen haben Deichkind 1997 als Hip-Hop-Combo, doch an diese Zeiten erinnert heute kaum noch etwas. Nur alte Songs wie "Bon Voyage" verweisen noch auf die Wurzeln der Band. Heute machen die Hamburger Tech-Rap, eine krude Mischung aus Elektro, Pop und Dancehall.
Die Musik von Deichkind ist der Soundtrack der deutschen Spaßgesellschaft. Die Texte drehen sich um Party ("Schmeiß die Möbel aus dem Fenster, wir brauchen Platz zum dancen"), Alkohol ("Ein Hoch auf die internationale Getränkequalität") und Exzesse ("Impulsive Menschen kennen keine Grenzen"). Die Botschaft von Deichkind ist: Locker machen, Hirn ausschalten und einfach mal die Seele aus dem Leib tanzen.
Das funktioniert prima. Auch die Münchner Fans gehen von Anfang bis Ende mit. So ein Publikum muss man sich als Band erstmal erarbeiten. Einer der Höhepunkte ist bei der Zugabe die Deichkind-Hymne "Remmidemmi". Die Hamburger geben noch einmal alles, fast so als wäre es tatsächlich die letzte Tour der Band. Seit dem Tod ihres Masterminds Sebastian Hackert steht die Trennung im Raum. Die Gerüchte halten sich hartnäckig.
Doch keine Sorge, wir können vorerst Entwarnung geben. Vor zwei Tagen wurde die Teilnahme von Deichkind am Nova Rock Festival 2010 (11.-13. Juni) im österreichischen Nickelsdorf bekanntgegeben. Deichkind steht dort mit Rammstein, Slayer und den Sportfreunden Stiller auf der Bühne. Das wird eine Gaudi!
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(sueddeutsche.de/sonn)
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Sorry, aber der 4. Absatz geht ja gar nicht. Denn auch wenn Spaß und Action im Vordergrund stehen, sind Deichkind viel mehr als der Hirn-abschalt-Soundtrack der deutschen Spaßgesellschaft. Der Autor wählt willkürlich irgendwelche Zitate (2 davon aus dem selben Song), die seine These unterstützen sollen. In den gleichen Liedern finden sich aber aber auch Textzeilen wie "Kein Mensch ist illegal, schon gar nicht wenn er breit ist", "kein Gott, kein Staat, lieber was zu saufen" oder "deine Eltern sind auf einem Tennisturnier ... privat bei reichen Eltern, was kann es schön'res geben?" Es kommt also zu einer "spaßpolitischen" Vermischung politischer mit spaßig-proletenhaften Inhalten. Ein schönes Beispiel ist auch der Song "Krieg" aus dem Album mit dem vielsagenden Titel "Aufstand im Schlaraffenland", in dem es heißt: "Wir ziehen in den Krieg, unsere Waffe ist Musik, weil es in unseren Händen liegt, diese Welt zu verändern." und "Enteignet die Konzerne - daraus baun wir Diskotheken!" Wer daraus die Botschaft "Hirn ausschalten !" herausliest - der hätte selbiges besser etwas mehr beansprucht!