Von Jochen Temsch

Die Oscar-Nominierung für "Das Leben der Anderen" ist auch eine Auszeichnung für die Münchner Filmhochschule. Ihr Fernsehdirektor Gerhard Fuchs ist am Dauergratulieren. Das Stasi-Drama von Florian Henckel von Donnersmarcks Stasi-Drama entstand als Abschlussfilm an der HFF.

SZ: Haben Sie Henckel von Donnersmarck schon beglückwünscht?

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Fuchs: Ja, schon wieder. Ich muss mir jedes Mal einen neuen Text einfallen lassen. Bayerischer Filmpreis, Deutscher und Europäischer Filmpreis...

SZ: Hat Sie die Oscar-Nominierung überhaupt noch überrascht?

Fuchs: Man ist immer wieder überrascht, obwohl dieser Film bereits alles abgeräumt hat, was er abräumen konnte. Aber eine Oscar-Nominierung für einen Abschlussfilm an einer Filmhochschule ist schon etwas Sensationelles.

SZ: Fassen Sie sie auch als Bestätigung der HFF-Arbeit auf?

Fuchs: Ja, das darf man schon selbstbewusst so sagen. Das ist eine Bestätigung der Qualität dieser Hochschule. Erfolg gibt es ja jährlich in Folge: Florian Gallenberger hat zwei Oscars gewonnen, dann ging ein Oscar an Caroline Link. 2005 wurde ,,Die Geschichte vom weinenden Kamel'' nominiert, 2006 ,,Sophie Scholl'' - alles entstanden in Verschränkung zwischen Bayerischem Rundfunk und Filmhochschule.

SZ: D er Oscar-Gewinner von morgen - ein Ausbildungsziel der HFF?

Fuchs: Wir sagen das natürlich nicht laut, das wäre auch vermessen. Aber wenn es immer wieder Auszeichnungen gibt für Filme, die an der Hochschule oder von Absolventen geschrieben, gedreht und produziert werden, dann ist das schon ein Beweis dafür, dass das, was wir machen, gut ist. Es ist ein langer und beschwerlicher Weg dorthin. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass unsere Studenten im nationalen und internationalen Rahmen zur ersten Kategorie zählen. Diesen Ehrgeiz haben wir schon.

SZ: Geht es beim Oscar um Kunst oder um kommerziellen Erfolg?

Fuchs: Um Kommerz geht es, glaube ich, nicht. Sicher ist es kein Hindernis, wenn das Publikum die nominierten und ausgezeichneten Filme anschaut. Das wäre ja auch noch schöner. Aber vor allem geht es um die künstlerische Qualität im internationalen Maßstab.

SZ: Auch in der HFF-Ausbildung, oder orientieren Sie sich da am Markt?

Fuchs: Wir bilden nicht fürs Formatfernsehen aus, etwa, damit die Arbeiten der Regisseure auf bestimmte Sendeplätze passen. Aber das muss irgendwann im Berufsleben schon dazukommen. Uns geht es darum, eigene Talente zu entdecken und sie in der Ausbildung zu fördern. Es geht um Kreativität, Vitalität und sehr stark um Teamfähigkeit, die wir auch ausbilden wollen. Ein Film entsteht ja nicht allein im stillen Kämmerchen. Die richtige Freude kommt bei einem Regisseur oder Produzenten auch erst auf, wenn der Film angeschaut wird. Kreativität, künstlerische Kompetenz, Erfolg am Markt und beim Publikum - das schließt sich gegenseitig nicht aus.

SZ: Wie entdecken Sie diese Talente?

Fuchs: Es ist ein harter Ausleseprozess, und auch für die Auswahlgremien ist es nicht einfach festzustellen, wer Talent hat. Dann geht es den mühsamen Weg übers Handwerk zur Kunst. Man muss Ideen und Kreativität mitbringen und interessante, intellektuell anspruchsvolle Dinge machen wollen - diese aber auch durchsetzen können bis hin zur Finanzierung.

SZ: Florian Henckel von Donnersmarck hatte es da zunächst gar nicht so einfach.

Fuchs: Es dauerte einige Zeit, bis sein Film finanziert war. Zum Glück haben wir den Film-Fernseh-Fonds, der sehr aufgeschlossen ist, und den Bayerischen Rundfunk, der sich als Koproduzent mit großem Gespür in solche erfolgsträchtigen Stoffe einbringt.

SZ: Wie steht der deutsche Film in den USA da?

Fuchs: Ich kann nicht für andere Filmstädte sprechen. Aber ich habe schon den Eindruck, dass das, was aus Deutschland kommt, sehr mit München verbunden ist.

SZ: Müssen oscarwürdige Filme aus Deutschland immer von der Vergangenheit handeln?

Fuchs: Nein. Beim ,,Weinenden Kamel'' ging es um die Mongolei. Unsere Studenten stammen aus aller Welt und arbeiten international. Die deutsche Vergangenheit ist kein Grundsubstanz für Abschlussfilme.

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(SZ vom 24.1.2007)