Interview: Lisa Sonnabend

67 Stunden live: Die Münchner Band Apron hat das längste Konzert der Welt gegeben. Wie die Musiker es geschafft haben durchzuhalten.

Die Münchner Crossover-Band Apron hat den Rekord geknackt: 67 Stunden standen sie im Feierwerk auf der Bühne. Schlagzeuger Andy Kuhn alias Medusa, 27, erzählt, wie er es geschafft hat durchzuhalten.

Apron

"Wenn es draußen langsam hell wurde, wurde es für uns richtig unangenehm": Apron haben das längste Konzert der Welt gegeben. (© Foto: oh)

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sueddeutsche.de: Sie waren mit Ihrer Band fast drei Tage lang auf der Bühne. Wie geht es Ihnen?

Medusa: Ich wusste, dass es eine Herausforderung wird, aber ich wusste nicht, dass es so extrem wird. Meine Hände brennen so dermaßen, das hatte ich noch nie. Außerdem kann ich kaum sitzen. Meine Eltern haben mir für den Rekordversuch extra einen neuen Schlagzeughocker mit Leder gekauft - doch es ist nur noch unangenehm.

sueddeutsche.de: Wie lange standen Apron auf der Bühne?

Medusa: 67 Stunden. Um den Rekord zu schaffen, mussten wir länger als 64 Stunden und fünf Minuten durchhalten. Am Donnerstagabend um 22:45 Uhr war es dann soweit. Wir hatten bereits 96 Mal unser Set gespielt - und da dachten wir, jetzt machen wir die 100 voll und versuchen den Rekord "Das in der kürzesten Zeit am öftesten gespielte Rockalbum" gleich mitzunehmen.

sueddeutsche.de: Wie oft durften Sie Pause machen?

Medusa: Alle fünf Stunden zwei Stunden. Und jeder von uns durfte einmal eine siebenstündige Schlafpause machen.

sueddeutsche.de: Und da sind Sie dann sofort in einen Tiefschlaf verfallen?

Medusa: Das Problem war, das haben wir vorher nicht gewusst, dass die Schlafmöglichkeit direkt über der Konzerthalle war. Und so haben wir die Lieder, die wir eh schon Tag und Nacht gespielt haben, immer noch gehört. Das hatte mental ungeahnte Effekte.

Vsueddeutsche.de: Viele Zuschauer haben wahrscheinlich nicht die drei Tage durchgehalten...

Medusa: Am Anfang waren nicht all zu viele da. Doch nach und nach kamen immer mehr Zuschauer, um uns zu unterstützen und um ihre Anteilnahme zu zeigen. Spätestens um 4 Uhr nachts sind die aber natürlich nach Hause gegangen. Dann, wenn kein Mensch mehr da war und es draußen langsam hell wurde, wurde es für uns richtig unangenehm. Nicht einmal die Techniker waren noch da. Da spielt man in ein schwarzes Loch hinein und hat im Endeffekt nur eine Sache im Kopf - und das ist die Uhr. Es tun sich Abgründe auf.

sueddeutsche.de: Trinkt man dann ein, zwei Bier zwischendurch, um durchzuhalten?

Medusa: Das Schlimme war, ich konnte nicht einmal etwas trinken. Ich durfte ja nur alle fünf Stunden Pause machen - da hätte ich nicht einfach zwischendurch auf Toilette gehen können, wenn ich dringend gemusst hätte. Ich hatte nur einmal ein halbes Glas Wein auf der Bühne. Das erste Bier habe ich getrunken, als wir fertig waren.

sueddeutsche.de: Wie schafft man es dann durchzuhalten?

Medusa: Ich habe mich mit Gedanken motiviert. Zum einem wurde mir plötzlich die Liebe zu meinem Instrument bewusst - auch wenn sich das fast esoterisch anhört. Die Fußmaschine und die Basedrum - wie rund der Klang oft war! Außerdem haben uns Gastmusiker unterstützt, wenn einer von uns gerade Pause hatte. Selten habe ich so eine Gemeinschaft unter den Münchner Bands erlebt, das war eine Art Woodstock-Gefühl. Außerdem hatte ich den großen Vorteil, dass ich frisch verliebt bin - das hat extrem abgelenkt und geholfen.

sueddeutsche.de: Wie wurde garantiert, dass ihr nicht schummelt?

Medusa: Die Leute vom Guinness Buch der Rekorde haben ganz feste Regeln, wenn keiner von ihnen kommen kann, um den Rekordversuch vor Ort zu kontrollieren. Wir mussten deswegen alles auf Video aufnehmen, Fotos machen und Erklärungen von Zeugen sammeln. In den kommenden Wochen werden wir dieses wahnsinnige Material sortieren und unsere Beweise dem Guinness-Buch schicken.

sueddeutsche.de: Können Sie Ihre Lieder jetzt noch hören?

Medusa: Die Lieder können ja nichts dafür, dass wir so eine Scheiße gemacht haben. Eigentlich wäre die Tour auch am Freitag gleich weitergegangen, aber wir mussten den Auftritt absagen. Wir hätten eine siebenstündige Busfahrt nach Hildesheim vor uns gehabt, das hätten wir nicht gepackt. Aber am Samstag stehen wir wieder auf der Bühne - in Dresden.

Mehr Infos zur Band Apron gibt es hier.

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(sueddeutsche.de/bgr)