Zeitgeschichte Erinnerung an David Bloch

Der gehörlose Künstler überlebte das Konzentrationslager Dachau

David Ludwig Bloch, im Jahr 1910 in Floß in der Oberpfalz geboren, hat bereits als Kleinkind in der Folge einer Hirnhautentzündung sein Gehör verloren. Bloch wurde als Sohn des Kaufmanns Simon Bloch und dessen Frau Selma geboren. Wenige Wochen nach der Geburt starb seine Mutter, sein Vater kurze Zeit später 1911. Der Junge wurde von Verwandten aufgenommen. Mit fünf Jahren wurde er in München in der damaligen Landestaubstummenanstalt eingeschult. Im Anschluss daran besuchte er eine Privatschule für Gehörlose in Jena. 1925 begann er eine Lehre, wurde Porzellanmaler und studierte, nachdem er 1934 wegen der Weltwirtschaftskrise arbeitslos geworden war, an der staatlichen Akademie für angewandte Kunst in München. In dieser Zeit beteiligte Bloch sich an Ausstellungen des Jüdischen Kulturbundes Bayern". Das Leben war nicht einfach für den jungen Mann, der aus Geldnot sein Studium abbrechen musste. Doch dann kam die Katastrophe: Bloch war einer von 10 911 jüdischen Männern, die nach dem Novemberpogrom 1938 in das KZ Dachau verschleppt wurden. Wegen seiner Gehörlosigkeit war Bloch im Lager besonders gefährdet. Nach einmonatiger Haft wurde er entlassen und konnte 1940 nach Shanghai und 1949 nach New York emigrieren. Erst 1976 reiste Bloch zum ersten Mal nach Deutschland und versuchte in der Folge den Holocaust und seine persönlichen Erlebnisse im KZ Dachau künstlerisch zu verarbeiten. Im Jahr 2002 starb David Ludwig Bloch in New York. Ein Rundgang in der KZ-Gedenkstätte beleuchtet Blochs Schicksal im KZ Dachau sowie sein vielfältiges künstlerisches Schaffen. In Shanghai heiratete Bloch die taube Chinesin Lilly Cheng Disiu. In dieser Zeit entstanden unter anderem Holzschnitte und Aquarelle, wobei sechs veröffentlichten Zyklen (Bände) mit je 60 oder mehr Holzschnitten, in denen er die Lebenszustände der unteren Schichten des chinesischen Volkes darstellte. 1997 wurde David Ludwig Bloch der Kulturpreis des Deutschen Gehörlosen-Bundes verliehen. Den Themenrundgang leitet Günther Achatz, Referent der KZ-Gedenkstätte Dachau, am Samstag, 28. Oktober, von 14 bis 16.30 Uhr. Die Gebärdensprachendolmetscherinnen Meike Döllfeld und Juliane Rode übersetzen. Anmeldung an der Infotheke des Besucherzentrums am Veranstaltungstag bis spätestens 13.45 Uhr. Der Rundgang ist kostenlos.