Windkraft Tandern fürchtet Schattenwurf

200 Bewohner kommen zu einer Anhörung über den Bau einer Windkraftanlage im Süden ihrer Ortschaft und die Befürchtungen werden bestätigt.

Von Matthias Pöls

Die Einwohner von Hilgertshausen-Tandern fürchten sich vor den Folgen eine Windkraftanlage im Süden ihrer Ortschaft. Sie sorgen sich um den Wertverlust ihrer Grundstücke und Anwesen. Vor allem aber alarmiert sie der Schattenwurf der Rotoren in den Wintermonaten, obwohl die Anlage mehr als 1000 Meter von den Wohngebieten entfernt liegen würde.

Die Energiewende wirft ihre Schatten voraus: Die Einwohner von Hilgertshausen-Tandern sorgen sich wegen einer ausgewiesenen Fläche für Windkraftanlagen um den Wertverlust ihrer Grundstücke.

(Foto: dpa)

An der südlichen Grenze zur Gemeinde ist ein Gebiet für Windräder im Flächennutzungsplan ausgewiesen. 200 Einwohner hatten sich am Freitagabend in die Gaststätte Jägerwirt gepresst, um der rechtlichen Erläuterung von zwei Vertretern des Landratsamts und dem Planungsbeauftragten Architekten Hans Brugger zu folgen. Es entwickelte sich eine hitzige Debatte über eine angeblich aufgezwungene Akzeptanz von Windrädern vor der Haustür und über die Möglichkeiten, das Vorhaben zu verhindern.

Eigentlich befindet sich Tandern in einer komfortablen Situation. Denn durch die seltene Besonderheit zweier reiner Wohngebiete am westlichen und östlichen Ortsrand dürfen Windräder nach den gesetzlichen Vorgaben nur in einem Abstand von 1150 Metern zur Gemeinde errichtet werden; sogar entgegen den landkreisweit festgelegten 900 Metern im Flächennutzungsplan. Ein reines Wohngebiet besteht "quasi aus nichts außer Wohnungen", erklärte Alexander Krug, Bauleitplaner am Landratsamt.

Demnach bliebe eine 14 Hektar große Fläche im Süden der Gemeinde übrig, im sogenannten Kirchholz. Ausgerechnet im Süden. "Ganz Tandern schaut in den Süden", sagte eine Zuhörerin. Zudem eröffnete Architekt Brugger das ganze Ausmaß des Projekts. In den Monaten November bis Januar kann es zu Schattenwurf kommen: "Am 21. Dezember zieht er etwa von 15 bis 15.30 Uhr über die Ortsmitte." Natürlich nur bei vollem Sonnenschein, schränkte der Architekt ein. Allerdings seien, rechtlich gesehen, eine halbe Stunde am Tag und bis zu 30 Stunden im Jahr zulässig.

Die Anwohner befürchten einen beträchtlichen Wertverlust ihrer Grundstücke. Solange die rechtlichen Vorgaben eingehalten werden, "ist das irrelevant", sagte Stefan Löwl, Abteilungsleiter Umweltschutz im Landratsamt. Die Sorge um den Wertverlust erachtet er zwar als verständlich, aber nicht als relevant für eine Genehmigung.

Bisher gibt es noch keine Anfrage eines Investors", versuchte Bürgermeister Johann Kornprobst (FW) die Zuhörer zu beruhigen. Stefan Löwl verwies erneut auf das privilegierte Verfahren, wonach der Bau von Windkraftanlagen rechtlich und politisch gefördert wird. Der Flächennutzungsplan sei das Steuerelement gegen den Wildwuchs von Windrädern. Im Dachauer Land muss für eine Positivplanung rund ein Prozent ausgewiesen werden. In Hilgertshausen-Tandern sind es "0,48 Prozent des Gemeindegebiets", so Hans Brugger: "Nach den harten Kriterien wären sogar rund um Tandern Windräder möglich."

Was also tun? Die Vertreter des Landratsamts wollen Tandern unbedingt in den Flächennutzungsplan einbinden, um das rechtlich wichtige Kriterium der Positivplanung zu garantieren. Was danach geschieht, ob also die Bürger Grund für Windkraft verkaufen, steht auf einem ganz anderen Blatt. "Wenn mir ein Grundstück gehört, wo Windräder aufgestellt werden sollen, muss ich also die Gosch halten?", fragte ein Anwohner. "Unwissenheit ist in Ordnung", antwortete Krug. Die Planer dürften nur nicht wissen, dass ein Grundstück für die Windkraft nicht zur Verfügung steht.