Wald in Gefahr "Der Schutz ist aufwendiger geworden"

Klimawandel, Borkenkäfer und Wildverbiss setzen den heimischen Wäldern zu. Geschädigte Fichten werden deshalb herausgenommen und durch junge Laubbäume ersetzt. Die Forstexperten Stefan Tischer und Günter Biermayer erklären den Umbau

Interview von Andreas Förster

Im Winter ist es in der Region Dachau nur noch selten knackig kalt und der Schnee ist eher Mangelware. Das hat Auswirkungen auf den Wald, dessen unnatürlich hoher und schädlingsanfälliger Fichtenbestand wieder durch Tannen, Eichen und Buchen ersetzt werden soll. Auch das Wild spielt für einen gesunden Wald eine große Rolle. Gibt es zu viele Rehe, leiden besonders Eichen und Tannen unter dem Verbiss. Ihre Knospen und Triebe sind beim Wild eine begehrte Nahrung. Stefan Tischer von der Abteilung Stadtgrün und Umwelt der Stadt Dachau und Günter Biermayer, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten erklären, mit welchen Problemen der Wald in Zeiten des Klimawandels zu kämpfen hat und was die Forstexperten dagegen unternehmen.

SZ: Wie geht es dem Wald, wie wirkt sich der überwiegend milde Winter aus?

Tischer: Da die Fichten in Stadt und Land standortfremd vor Jahrzehnten aufgeforstet wurden, sind sie anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Denn die Fichte braucht kalte und schneereiche Winter, um sich wohlzufühlen. Bei den Laubhölzern leidet die Esche unter dem Eschentriebsterben. Wie sich dieser Winter auswirken wird, ist noch nicht ganz abzusehen. Borkenkäfer überwintern überwiegend im Boden, dort sind sie wegen der hohen Bodenfeuchte und relativen Wärme anfällig für Pilze. Ein eher milder Winter muss also nicht schlecht sein für Laubbäume. Entscheidend ist das Frühjahr. Beginnt es warm und trocken, wird's gefährlich.

Förster Franz Knierer zeigt Waldbesitzern und Jägern Setzlinge, die den Wald verjüngen sollen.

(Foto: oh)

Welche Maßnahmen werden ergriffen, um den Wald zu schützen?

Tischer: Es werden üblicherweise durch den Borkenkäfer geschädigte Fichten herausgenommen. Ein Bereich mit abgestorbenen Eschen, durch das Eschentriebsterben verursacht, wird mit standortheimischen Eichen nachgepflanzt. Ansonsten ist der Dachauer Stadtwald vielfältig, dadurch robust und eher jung.

Biermayer: Der laufende Waldschutz in der Region ist aufwendiger geworden. Im Spätwinter heißt das: Von Schädlingen befallene Bäume suchen und entfernen, auch die unmittelbar benachbarten Bäume als Vorsichtsmaßnahme. Sturmschäden müssen beseitigt werden, sonst werden auch sie befallen. Die Lücken werden mit Mischbaumarten aufgeforstet. Der Staatswald braucht eine Verjüngungskur. Durch diese Verjüngung sollen wieder mehr einheimische Bäume wachsen, also Buchen, Eichen, Tannen, Ahorne. Das sind starke, widerstandsfähige Baumarten.

Wie bekommt man wieder mehr Tannen in den Wald?

Biermayer: Die Tanne braucht den Schutz des Altbestands, sonst können sich die jungen Bäume nicht entwickeln. Das und der starke Verbiss des Rehwilds macht die Aufforstung schwierig. Deshalb gibt es Abschussquoten, die alle drei Jahre neu festgelegt werden. Der Jäger kann dann darauf achten, dass junge Baumkulturen, die noch wachsen müssen, vor Wildverbiss geschützt werden. Ein gutes Beispiel für Tannenverjüngung ist die Waldabteilung Pechofen nördlich von Sixnitgern bei Odelzhausen.

Wie steht es generell um die Artenvielfalt im Stadtwald und in der Region?

Tischer: Artenreichtum entsteht durch Vielfalt an Lebensraumangeboten oder in großen, zusammenhängenden Naturgebieten. Letztere sind in Dachau nicht vorhanden. In Dachau sind vor allem die Bereiche entlang der Amper mit Altwässern, Tümpeln und Auflichtungen ein Beitrag zur Artenvielfalt. Auch Bereiche am Gröbenbach sind interessant. Für seltene Käfer ist der Stadtwald zu jung. Abgestorbene Bäume bleiben stehen, dort wo sie keine Gefahr darstellen, und dienen damit Insekten und Vögeln als Biotop. Die Insektendichte ist im Wald und in der Stadt Dachau auf jeden Fall höher als in der intensiv genutzten Agrarlandschaft. Die Bienen fühlen sich im Wald wohl, das schmeckt man schon am Honig. Auf den Äckern hingegen leiden die Bienen unter dem massiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und einem fehlenden Nahrungsangebot, weil überwiegend Monokulturen angebaut werden.

Wo gibt es bei uns Probleme mit starkem Neophytenbewuchs?

Tischer: Neophytenbewuchs im Wald kommt vor allem in Form des Indischen Springkrauts vor, weil es schattenverträglich ist. Es blüht spät und spendet vor allem Hummeln Nektar. Nachteilig ist, dass es andere heimische Pflanzen unterdrückt, beispielsweise entlang von Gräben und Gewässern die ehemals häufigen Pflanzen der Mädesüß-Säume. Auf Lichtungen trifft man auf die Kanadische Goldrute. Sie lässt ebenfalls kaum noch heimische Kräuter aufkommen. Auch die Herkulesstaude bereitet Probleme, weil sie in Verbindung mit Sonnenlicht Verbrennungen verursachen kann, wenn man sie berührt.

Diese Fichtenrinde aus dem Stadtwald weist deutliche Spuren des Borkenkäfers auf.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Worauf sollten Wanderer und Spaziergänger achten?

Biermayer: Sie sollten auf jeden Fall im Winter auf den Wegen bleiben. Gerade jetzt haben einige Wildtiere Futtermangel und sind dadurch besonders ruhebedürftig. Deshalb sind auch Hunde an die Leine zu nehmen, sie sollten keinesfalls unbeaufsichtigt herumlaufen und in die Ruheräume der Waldtiere eindringen können.