Volksfest Gerangel um Tischreservierungen

Auch Traditionelles ist Veränderungen unterworfen. Am Vorabend des Dachauer Volksfestes spielen Ois Easy statt der Blechblosn, die Preise steigen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Das Dachauer Volksfest nähert sich dem Oktoberfest an. Wer für den Vorabend einen Tisch reservieren wollte, musste auch Biermarken kaufen. Der Preis für die Mass steigt auf mehr als sechs Euro

Von Julia Haas, Dachau

Der traditionelle Vorabend des Dachauer Volksfestes wird in diesem Jahr etwas anders ablaufen. Nach jahrelangen Auftritten der Blechblosn soll 2018 zum ersten Mal Ois Easy am ersten Freitag spielen. Mit der Band hat Festwirt Ewald Zechner auch das Reservierungsmodell geändert. Früher reichte es, ein Eintrittsband zu kaufen, vergangenes Jahr für 16 Euro. Die Tischreservierung war inklusive. Wer dieses Jahr einen Tisch wollte, musste sich nicht nur das Eintrittsband für zwölf Euro kaufen, sondern dem Wirt auch Verzehrgutscheine im Wert von 18,89 Euro pro Person abnehmen.

Florian Schubert ist erster Kassier beim Gündinger Burschenverein und organisiert jedes Jahr die Tische für das Volksfest. Vom neuen Reservierungsprozerede ist er wenig begeistert. "Sowas mach ich ned mit", war sein erster Gedanke, wie er sagt. Seine vier Tische für die Burschen organisierte er privat über Freunde von Ois Easy. Als er die Bänder abholen wollte, erfuhr er, dass er auch noch zwei Bier- und eine Hendlmarke pro Person dazukaufen müsse. "Prinzipiell trinkst du das ja eh", sagt Schubert. Trotzdem sei es happig, auf einen Schlag statt zwölf Euro gleich 31 Euro zahlen zu müssen - nicht nur für Studenten. "Ich muss das Geld immerhin gleich mit der Burschenkasse vorstrecken."

Ewald Zechner sagt: "Ich hab mich kurzfristig entschieden, das dieses Jahr so zu machen". Der Wirt betreibt das große Festzelt dieses Jahr schon zum vierten Mal. Früher lief die Reservierung direkt über die Blechblosn, jetzt hat er übernommen. Der Hauptgrund: "Am 1. Juni muss ich den ersten Abschlag von 45 000 Euro an die Stadt Dachau zahlen. Da schadet es nicht, wenn vorher Geld reinkommt."

Angst, dass die Leute zu wenig trinken, sei dagegen nicht der Auslöser gewesen. "Die, die drin sind, die trinken auch", sagt Zechner. Ihm sei es ganz wichtig klarzustellen, dass man die Verzehrgutscheine für alles auf der Karte im großen Zelt einlösen könne - nicht nur für Bier und Hendl. Die Marken gelten das ganze Volksfest über, sogar noch am politischen Dienstag. "Das geht doch immer weg", sagt er. Die meisten Besucher scheinen das ähnlich zu sehen. Am ersten Tag des Vorverkaufs brach die eingerichtete E-Mail-Adresse unter der Flut der Anfragen zusammen.

Zwei Beschwerde-Mails und einen Anruf habe Ewald Zechner aber auch bekommen. "Ob wir jetzt schon Oktoberfestpreise haben", hätte der Anrufer gefragt. "Dabei versuche ich als Wirt so günstig wie möglich zu bleiben", sagt Zechner. 7,70 Euro sei ein Hendlgutschein wert, kein Vergleich zum Oktoberfest. Dafür knackt der Bierpreis dieses Jahr zum ersten Mal die Sechs-Euro-Marke. 6,10 Euro wird die Maß genau kosten. "Das war auch dringend notwendig", sagt der Festwirt. Allein der Preis für den Sicherheitsdienst habe sich seit 2010 fast verdoppelt. Beim Eintrittspreis für den Vorabend war es ihm und Ois Easy dagegen wichtig, mit dem Preis wieder runterzugehen. "Das ist immer noch ein Volksfestzelt und keine Konzerthalle", sagt Zechner.

"Wir wollen, dass die Bude voll wird", sagt Florian Fischer von Ois Easy. "Wir haben einiges geplant." Die Band wird am Volksfestvorabend ihr 20-jähriges Bestehen feiern. Einig sind sich Ois Easy und Zechner, dass eine Reservierung über den Wirt die Band entlastet. "Wir arbeiten ja alle Vollzeit, Musik ist unser Hobby", sagt Florian Fischer. So ganz glücklich sei die Band mit dem Ablauf aber nicht gewesen. "Das ist ja auch ein bisschen unser Festchen, für unsere Freunde und Bekannten, die uns seit 20 Jahren begleiten", erklärt Fischer. Ihnen sei es deshalb wichtig gewesen, dass diese Leute direkt über sie Tische reservieren können und gute Plätze bekommen. "Bei sieben Bandnasen und drei Technikern kommt da gleich einiges zusammen", sagt Fischer.

Vor Beginn der Reservierungsphase hatte Ois Easy schon an die 800 Plätze eingetragen. 800 Plätze ohne Verzehrgutscheine. "Das hätte gar nicht passieren sollen, aber bei der Band ist das Telefon heiß gelaufen", sagt Festwirt Ewald Zechner dazu. Weil im Nachhinein alles zu kompliziert geworden wäre, zahlen Freunde von Ois Easy jetzt keine Verzehrgutscheine. Die Gündinger Burschen hatten somit Glück, auch sie gehören zu Freunden und Bekannten.

Der Wirt distanziert sich aber davon, dass er mit den aufgedrückten Verzehrgutscheinen am ersten Freitag Jugendliche zum Trinken zwingt. Gerade Ois Easy zieht sehr junges Publikum an. "Ich erhoffe mir da keinen höheren Umsatz", sagt Zechner. Das kenne er schon von den normalen Tagen, an denen Ois Easy in seinem Zelt spielt. Die ersten Reihen trinken oft kaum was. "Die Jungen glühen immer schon vor", weiß Zechner. Beim Abholen der Marken habe er bei ein paar mal nachgefragt: "Für zwei Maß kriegen wir einen ganzen Kasten Bier", sei die ehrliche Antwort gewesen. "Die Hendlmarken verkaufen sie dann an die Oma und die Biermarken verteilen sie auf mehrere Tage", so der Wirt.

Um ein gutes Geschäft geht es Zechner natürlich trotzdem. 2014 sei das Zelt mit der Blechblosn am Vorabend noch innerhalb von zwei Wochen komplett ausverkauft gewesen. Dann lief es immer schleppender. Ois Easy soll es nun richten. Für jeden Volksfesttag in den letzten drei Jahren hat Zechner eine Abrechnung gemacht. Das beste Geschäft mache er zwar immer am zweiten Volksfestsonntag, "da geht das meiste Essen raus", aber die meisten Liter Bier verkauft er an den Ois-Easy-Abenden. Dass es mit den Reservierungen zu kleinen Komplikationen kam, kann Zechner wohl verschmerzen. "Für den Volksfestvorabend 2018 ist schon alles ausreserviert." Am Schluss hätten alle ihre gewünschten Plätze bekommen. Auch jeder, der ein Band gekauft hat, bekommt einen Platz, auch wenn er nicht reserviert hat. Die letzten Reihen seien noch frei, ebenso die Galerie.