Sprachunterricht E-Learning für Flüchtlinge

Im Mehrgenerationenhaus feiern 18 Flüchtlinge aus sechs Nationen gemeinsam Weihnachten.

(Foto: Privat)

Das Konzept von Dagmar Stephan ist eine Erfolgsgeschichte

Von Andreas Förster, Dachau

Es ist wie ein kleines Wunder: 18 Flüchtlinge aus sechs Nationen feiern gemeinsam Weihnachten. Sie begrüßen sich herzlich, trinken Punsch, im Hintergrund läuft beschwingte Adventsmusik. Es gibt Kürbissuppe, Entenbraten, Blaukraut, Kartoffelknödel und Geschenke. Alle sprechen Deutsch miteinander. "Wer hätte das vor einem Jahr gedacht", fragt Dagmar Stephan in die Runde. Die Medienpädagogin aus Dachau ist sichtlich stolz. Die Weihnachtsfeier im Mehrgenerationenhaus (MGH) der Arbeiterwohlfahrt Dachau ist ein klarer Beleg dafür, dass ihre Vision Wirklichkeit geworden ist und das ein computergestützter Sprachkurs eine Menge bewirken kann. Nicht nur, weil alle 18 Flüchtlinge mittlerweile fließend Deutsch sprechen, sondern weil sie zudem eine Ausbildung machen, ein Praktikum absolvieren oder demnächst ein Studium aufnehmen werden. Auch die elf Betreuer sind stolz, dass sie Teil dieser Erfolgsgeschichte sind. Noch vor einem Jahr hätte das alles kaum einer von ihnen für möglich gehalten. Im Herbst 2016 suchte Dagmar Stephan, die als Diplom-Pädagogin betriebliche Fortbildungsmaßnahmen entwickelt, einen Raum für ihr E-Learning-Konzept. Sie hoffte auf Unterstützer und glaubte an motivierte Flüchtlinge, denen sie effektiv und nachhaltig bei der Integration helfen kann. Doch das Interesse an ihrer Idee war zunächst gering. Erst bei Karin Ulrich, der Leiterin des Mehrgenerationenhauses, findet ihr Konzept Beachtung und löst tatkräftige Hilfsbereitschaft aus.

Innerhalb kürzester Zeit organisierte Ulrich einen passenden Raum im Mehrgenerationenhaus und die Technik fürs E-Learning: Laptops, Headsets, Internetanschluss. Kekse und Tee stehen immer schon bereit, wenn die Lernenden kommen - den Begriff "Schüler" verwenden die Tutoren um Dagmar Stephan nur ungern. Dienstags, mittwochs und freitags üben sie ihre inzwischen sehr fachspezifischen Vokabeln und seit vier Monaten pauken sie auch Mathe. "Wir begegnen den Flüchtlingen auf Augenhöhe", versichert Marketing-Fachwirtin Gudrun Negele, eine der Tutorinnen. Sie und ihre zehn Kollegen verstehen sich als Begleiter. Sie helfen, leiten an, stellen und beantworten Verständnisfragen. Von einem Teil der Aufwandsentschädigung in Höhe von 75 Euro im Jahr haben sie den Schülern eine Geschenktüte zusammengestellt, darin ist unter anderem ein USB-Stick, ein Block und etwas Süßes.

Das von Dagmar Stephan ausgearbeitete Konzept E-Learning "Deutsch und Mathematik für Asylbewerber" ist nun Teil des staatlich geförderten Projekts Menschen stärken Menschen des Mehrgenerationenhauses der Awo Dachau. Offizielle Projektleiterin ist Sabine Endter-Navratil. Neben allem Wohlwollen, das den jungen Flüchtlingen - die meisten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt - seitens der Betreuer entgegengebracht wird, gibt es klare Regeln: Pünktlichkeit, Eigen-Motivation, selbständiges Lernen und Üben so wie Respekt und Toleranz untereinander werden vorausgesetzt. "Konkurrenzdenken oder Faulheit hat keinen Platz", betont Stephan. "Die Asylbewerber lernen hier auch unsere Werte kennen und schätzen."