Sport Rekorde und schnelle Schlitten

Sie sind Hobby-Schwimmer, aber hoch motiviert: Die Teilnehmer am Dachauer Masters-Cup stellen im Hallenbad serienweise Bestmarken auf. Auf dem ASV-Gelände kämpfen Sledge-Eishockeyspieler um Puck und Punkte, in Erdweg kicken Junioren um die Hallenmeisterschaft

Von Andreas Förster, Dachau

So voll hat man das Dachauer Hallenbad noch selten gesehen. Mehr als 270 Schwimmer aus sechs Nationen nahmen am Wochenende am 19. Dachauer Masters-Cup teil. Und fast alle brachten Familie oder Freunde mit. Die Delegation aus Österreich war mit 27 Teilnehmern die größte, gefolgt von den Russen mit 26 und den Schweizern mit vier Teilnehmern. Vom Swim Team Syria kamen drei und aus Rumänien ein Teilnehmer. Aus Deutschland waren allein 39 Vereine angereist, am weitesten hatte es die SG Westthüringen. Auch die Para-Eishockeyspieler machten am Wochenende in Dachau Station, und in Erdweg gingen die Hallenmeisterschaften für Fußballjunioren in die letzte Runde.

Der MastersCup in Dachau ist das erste große Event des Jahres für die engagierten Hobby-Schwimmer. Hier können die Ü20-Sportler im Kampf gegen die Uhr zeigen, was sie drauf haben. "Jedes Jahr werden hier viele neue nationale und europäische Rekorde aufgestellt", weiß Sven Höfer, Abteilungsleiter Schwimmen beim Gastgeber, dem SV Dachau. Das Dachauer Hallenbad gilt als "schnelles Wasser", die Temperatur ist mit 28 Grad top eingestellt. Zudem wechseln mit dem 1. Januar immer mehrere Sportler in eine höhere Altersklasse. Da sie meistens ihr altes Leistungsniveau mitbringen, können sie nicht selten einen Rekord für sich verbuchen.

Mit der Teilnahme von 270 Schwimmern aus 64 Vereinen wurde schon vor Beginn der Wettkämpfe eine neue Rekordmarke aufgestellt. In 43 Wettkämpfen standen 1100 Einzel- und 103 Staffelstarts auf dem Programm. Neben den 30 Startern des SV Dachau nahmen auch acht Schwimmer und Schwimmerinnen vom TSV Indersdorf sowie vier Athleten vom TSV Eintracht Karlsfeld teil. Auch im Wasser purzelten recht schnell die Rekorde: Allein am Samstag wurden 13 deutsche Bestmarken gebrochen, 22 österreichische und 16 russische Rekorde. Außerdem wurden sieben europäische Rekorde und ein neuer Weltrekord aufgestellt. Auch die Dachauerinnen waren erfolgreich. So schwamm die AK-200-Damen-Mannschaft des SV Dachau neuen deutschen Rekord mit der 200-Meter-Freistil-Staffel. Violetta Schlesinger schwamm neuen deutschen Rekord in der Altersklasse AK 45 auf der 50-Meter-Bruststrecke. Die 50-Meter-Freistil-Staffel (AK 200) des SV Dachau schwamm ebenfalls deutschen Rekord.

Maren Piskora von der SSG Neptun Germering war mit fast 84 Jahren die älteste Teilnehmerin und stellte in ihrer Altersklasse (AK 80) neue Rekorde im Brust- und Rückenschwimmen auf. Und das, obwohl die Münchnerin zu 70 Prozent schwerbehindert ist, zwei künstliche Hüftgelenke hat, mehrere Schrauben in den Schultern und einen Wirbelbruch. "Ich schwimme täglich mindestens 1000 Meter", versichert Piskora, "sonst säße ich wahrscheinlich schon im Rollstuhl." So ließ es sich Oberbürgermeister Florian Hartmann nicht nehmen, ihr bei der Siegerehrung persönlich die Medaille zu überreichen. Der 81-jährige Hans Reichelt von den Wasserfreunden München war in Top-Form und stellte bei allen seinen Starts neue Rekordmarken auf: Über 100 und 200 Meter Brust brach er sogar den Europa-Rekord.

Einige Kilometer weiter südlich, an der Städtischen Kunsteisbahn auf dem Gelände des ASV Dachau, wurde derweil Sledge-Eishockey gespielt. Die Deutsche Para-Eishockey-Liga machte Station in Dachau. Am Samstag und Sonntag spielten vier Teams jeweils gegeneinander. Aus Dachauer Sicht lief der Spieltag nicht erfolgreich. Zweimal zu Null hießen die Ergebnisse für die Spielgemeinschaft Angry Birds, an der auch zwei Männer des ESV Woodpeckers Dachau teilnehmen: Stefan Deuschl und Hugo Rädler. Am Samstag verlor man 0:7 gegen den amtierenden Meister aus Bremen. Und am Sonntag gab es gleich die nächste Klatsche. 0:6 hieß es am Ende gegen die Spielgemeinschaft NRW. Das letzte Spiel am Sonntag war besonders spannend: Mit 3:2 siegten die Ice Lions Langenhagen im Penalty-Schießen, obwohl sie am Ende des zweiten Drittels scheinbar aussichtslos mit 0:2 hinten gelegen hatten.

Para-Eishockey wird nach denselben Regeln wie herkömmliches Eishockey gespielt. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass die zumeist körperbehinderten Spieler in einem Schlitten auf Kufen sitzen und sich mit zwei kleinen Schlägern in den Händen abstoßen. Die Sportart erfreut sich immer größerer Beliebtheit, wobei man bei den Woodpeckers in Dachau sich über etwas mehr Zulauf freuen würde, wie ESV-Vorstand Stefan Steurer betont.