Spargelsaison Arbeitsintensives Gemüse

Die hohen Temperaturen bescheren dem Dachauer Land eine gute Spargelernte. Doch wenn das Angebot groß ist, sind die Preise niedriger. Das ist gut für die Verbraucher, der Aufwand für die Landwirte aber ist gleichermaßen hoch

Von Thomas Altvater, Röhrmoos

Wächst der Spargel über der Erde, bekommt er seine typische grüne Farbe. Nur durch Zufall entdeckten die ersten Spargelbauern den weißen Spargel.

(Foto: Toni Heigl)

Lange Dämme, aufgeschüttet aus Erde und abgedeckt mit weißen Plastikplanen, durchziehen den Acker am Ortsrand von Großinzemoos. Ein für das Dachauer Land recht seltenes Bild. Michael Reischl pflanzt dort - zwischen Raps und Weizen - seinen Spargel. Die Saison hat erst Mitte April begonnen. Eines kann der Landwirt jedoch schon jetzt feststellen: "Im Vergleich zum vergangenem Jahr ist die Ernte heuer wesentlich besser."

Mit einer Durchschnittstemperatur von gerade einmal 7,5 Grad Celsius war der April des vergangenen Jahres der Kälteste seit 16 Jahren. Nach einem warmen Start schneite es in der Mitte des Monats sogar noch einmal, die Böden blieben gefroren. Ein großes Problem, vor allem für die Landwirte. Auch die Spargelbauern litten unter dem späten Wintereinbruch. Ein Teil ihrer Ernte blieb aus. Jetzt, ein Jahr später, haben die Meteorologen den wärmsten April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemeldet. "Es war durchgängig und vor allem beständig warm, deshalb gibt es jetzt auch verhältnismäßig viel Spargel", sagt Manfred Wolf, Spargelbauer aus Ebersried.

8-10 Jahre

Solange bleibt eine Spargelkultur insgesamt auf dem Feld. Doch während der Erntezeit haben die Wurzeln nur ein bestimmtes Potenzial. Wenn es ausgeschöpft ist, können die Bauern nichts mehr ernten.

Die hohen Temperaturen, der wenige Regen, für die Spargelbauern ist das gute Wetter der vergangenen Wochen jedoch nicht nur von Vorteil. Die Ernte ist nämlich endlich. Der Spargel habe ein gewisses Potenzial, erklärt Reischl, "und wenn das ausgeschöpft ist, dann können wir auch nichts mehr ernten." Je besser die Stangen momentan wachsen, desto schlechter wird die Ernte im Mai und Juni, fürchtet Reischl. Wenn die Saison beginnt, ist sie auch eher vorbei. Außerdem beklagen die Landwirte den recht niedrigen Preis für das Gemüse. Grund ist das große Angebot. Der Verbraucher freut sich. Die heimische Delikatesse ist heuer auch für schmale Geldbeutel erschwinglich.

Insgesamt vier Spargelbauern gibt es derzeit im Landkreis. Neben den Familien Reischl und Wolf ernten und verkaufen auch die Familien Schöll und Heitmeier den Dachauer Spargel. Im Gegensatz zu den bekannten Spargelregionen Schrobenhausen oder Abensberg habe das Dachauer Land keinen idealen Boden, erklärt Trudi Reischl. "Wir sind deshalb immer ein bisschen später dran, aber wenn der Spargel einmal wächst, dann wächst er."

Derzeit ist Hochsaison, deshalb steht Trudi Reischl jeden Tag nach der morgendlichen Ernte an der Maschine und wäscht die Stangen.

(Foto: Toni Heigl)

Michael und Trudi Reischl waren die Ersten, die im Landkreis Spargel anbauten. Seit 1994 verkauft die Familie das Gemüse in ihrem Hofladen und liefert an Gastronomen. Viele Supermärkte bieten Spargel auch außerhalb der Saison an. Das Gemüse stammt dann aus großen Gewächshäusern, aus südlicheren Ländern oder von speziell beheizten Feldern. Das will Trudi Reischl nicht unterstützen. "Den Leuten soll wieder bewusster werden, wann es welches Obst und Gemüse gibt", sagt die 50-Jährige. Dass ihr Hofladen gut läuft, verdankt sie nicht nur dem Spargel. Biogemüse, Obst und Käse verkauft die Familie. Die Menschen würden den Einkauf bei den Bauern wieder mehr zu schätzen wissen, bemerkt Trudi Reischl.

Der Tag der Dachauer Spargelbauern beginnt früh. Gegen sechs Uhr morgens fangen die Arbeiter an, den Spargel zu stechen. Während die Mittagshitze die Böden und auch den Spargel langsam austrocknet, sind die Morgenstunden "die ideale Uhrzeit", sagt Trudi Reischl. Der Spargel sei dann noch am frischsten und saftigsten. Bevor die grünen und weißen Stangen auf der Verkaufstheke landen, werden sie kistenweise in einer speziellen Maschine gewaschen und zurecht geschnitten.

Trudi Reischl

"Den Leuten soll wieder bewusster werden, wann es welches Obst und Gemüse gibt."

Bis zu zehn Euro müssen Kunden pro Kilo zahlen. Kein Wunder, dass eine Spargelmahlzeit als Luxus gilt. Anderes Gemüse ist um ein Vielfaches billiger. "Der Spargel ist eine der arbeitsintensivsten Gemüsesorten", erklärt Wolf. Während Salatbauern ihre Saat erst im Frühjahr ausbringen, beginnt Wolf bereits im Herbst mit den ersten Vorbereitungen für die neue Saison. "Die Dämme müssen neu gezogen wegen, und auch die Folien legen wir dann neu aus." Zwischen acht und zehn Jahre würde eine Spargelkultur insgesamt auf dem Feld bleiben, erklärt der Landwirt.

Vom Feld in den Laden ist es ein weiter Weg: Im Herbst beginnt man auf dem Reischlhof in Großinzemoos bereits mit den Vorbereitungen.

(Foto: Toni Heigl)

In vielen europäischen Regionen galt der wild wachsende Spargel bereits früh als Heilpflanze. Kultiviert und angebaut wurde das Stangengemüse vermutlich erstmals von den Römern. Sie servierten den Spargel als Beilage zu Fischgerichten. Wächst der Spargel über der Erde, bekommt er seine typische grüne Farbe. Nur durch Zufall entdeckten die ersten Spargelbauern den weißen Spargel. Um das Gemüse vor Ungeziefer zu schützen, deckten sie die jungen Triebe ab. Die Folge: Die Stangen blieben weiß. Heute ist der Spargel eine in Deutschland besonders beliebte Gemüsesorte. Das führte dazu, dass die Bundesrepublik mittlerweile zu den weltweit führenden Spargelproduzenten zählt.