Sozialer Wohnungsbau Die Zukunft beginnt

Die Wohnbaugesellschaft Stadtbau plant am Amperweg erstmals ein Kombinationsmodell - in einem Gebäude eine Kita und auf zwei Stockwerken darüber bezahlbare Wohnungen. An beiden mangelt es in Dachau.

Von Petra Schafflik, Dachau

Wo jetzt in einem wildverwachsenen Grundstück noch ein altes Häuschen steht, sollen bald Mädchen und Buben in einer modernen Tagesstätte spielen. Und oben drüber Dachauer in preiswerten Wohnungen leben. Erstmals in der Stadt wird nämlich auf einem Areal zwischen Feuerwehrhaus und Amper ein innovatives Kombinationsmodell umgesetzt, das Kita und Sozialwohnungen in einem Gebäude vereint. Die Planungen für den Komplex, den die städtische Wohnungsbaugesellschaft Stadtbau errichten wird, hat die beauftragte Dachauer Architektin Carola Hain-Fischer jetzt den Stadträten im Familien- und Sozialausschuss präsentiert. Das Konzept eines L-förmigen Baukörpers, der auf die Bedürfnisse aller künftigen Nutzer ausgerichtet ist, fand einhellige Zustimmung. Die Begeisterung ist sogar so groß, dass die Stadträte gerne aufs Tempo drücken möchten. Der Altbau, bis voriges Jahr als Obdachlosenunterkunft genutzt, wird noch heuer abgerissen.

Der Altbau am Amperweg 18, bis vergangenes Jahr noch eine Obdachlosenunterkunft, wird abgerissen.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Doch Bauplanung, Förderanträge und Ausschreibung brauchen ihre Zeit. Als frühesten Bezugstermin nannte Stadtbau-Geschäftsführer Hendrik Röttgermann deshalb den Herbst 2020. Wenn es um Bauprojekte geht, gibt es in der Stadt zwei große Aufgabenfelder: Kitas und Sozialwohnungen - denn es fehlt an Platz für Kinder und zunehmend an bezahlbarem Wohnraum. Die Stadt Dachau liegt eben im Ballungsraum München, in dem Grund- und Mietpreise seit Jahren enorm ansteigen.

Da liegt es nahe, beide Projekte in einem Baukomplex zu vereinen. Was sich einleuchtend anhört, bringt in der Praxis allerdings erhöhte Anforderungen mit sich. Nicht nur die vertraglichen Regelungen sind schwierig. Auch bei der Planung galt es für Architektin Hain-Fischer, nicht nur die Vorgaben des rechtsverbindlichen Bebauungsplans, sondern auch die Bedürfnisse der beiden künftigen Nutzergruppen im Auge zu behalten. Entstehen soll nun ein L-förmiger Baukörper, der im längeren Gebäudeschenkel entlang des Amperwegs im Erdgeschoss das Kinderhaus beherbergen wird. Diese Kita-Ebene, auf der zwei Kindergarten- und eine Krippengruppe Platz finden, hat einen separaten Zugang, damit die Bewohner und Kinderhaus-Nutzer sich nicht in die Quere kommen. Vorgesehen sind im Haus dann alle üblichen Gruppen-, Sanitär-, Schlaf- und Büroräume, dazu Küche, Mehrzweckraum und ein zusätzlicher Therapieraum. Damit das Kinderhaus, in dem einmal 62 Buben und Mädchen betreut werden sollen, auf einer Ebene Platz findet, ist das Erdgeschoss deutlich breiter als die beiden oberen Wohnetagen.

Geschützte Spielzonen für die Kleinsten

Trotz einer Gebäudetiefe von 17 Metern wird genug Tageslicht einfallen, denn neben großzügigen Fensterfronten sind zwei Lichthöfe geplant. Diese technisch notwendigen Innenbereiche will der mit der Freiflächenplanung beauftragte Landschaftsarchitekt Frank Karrer als geschützte Spielzonen für die Allerkleinsten gestalten. Aus einem weichen Bodenbelag sollen Berg- und Talflächen zum Krabbeln entstehen. Auch im südlich orientierten Garten des Gebäudekomplexes werden die Kinder sich austoben können. Die Fläche ist nicht gerade großzügig, liegt mit 620 Quadratmetern am unteren Limit der gesetzlichen Vorgabe von zehn Quadratmetern pro Kind.

Stadtbau-Geschäftsführer Hendrik Röttgermann plant in Dachau-Ost 80 weitere Wohnungen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Ein sogenanntes Spielband im Zentrum soll mit Rutsche, Schaukel und Hüpfspielen möglichst viele Angebote auf wenig Raum bieten. Bäume werden Schatten spenden, Gehölze zum Verstecken einladen und auch der klassische Sandkasten darf nicht fehlen. Damit tatendurstige Fünfjährige sich mit wenig reaktionsschnellen Krabbelkindern nicht in die Quere kommen, wird eine Hecke den Spielbereich von Kindergarten und Krippe trennen.

Über der Kinderhaus-Etage und im kurzen Gebäudetrakt sind in dem zweistöckigen Gebäude 19 Wohnungen angeordnet, die mit zwei bis vier Zimmern Platz für Paare und Familien bieten. Insgesamt könnten einmal bis zu 54 Dachauer ihr neues Heim am Amperweg finden. Die Wohnungen, alle barrierefrei gestaltet, werden über ein separates Treppenhaus mit Aufzug von der Sieglindenstraße her erschlossen. Für die Kinder der Bewohner gibt es eine eigene Spielfläche.

Viel Lob für die Planung

Das Konzept für die Sozialwohnungen wurde im Aufsichtsrat der Stadtbau bereits vorgestellt. Dort gab es große Zustimmung, wie Stadträtin Silvia Kalina (CSU) den Kollegen im Familien- und Sozialausschuss des Dachauer Stadtrats berichtete. Auch in diesem Gremium, das vorrangig die Konzeption der Kita zu prüfen hatte, gab es viel Lob für die Planung. Angesichts des Mangels an preiswertem Wohnraum in der Stadt und der öffentlichen Debatte um den massiven Flächenverbrauch hätte man vielleicht noch "ein Stockwerk mehr draufsetzen können", überlegte FW-Stadtrat Edgar Forster. Eine Anregung für die Zukunft. Denn auch Forster ist klar, dass sein Vorschlag für das schon fertig geplante Projekt "viel zu spät kommt". Wenn nun alles nach Plan geht, kann das Gebäude am Amperweg im Herbst 2020 bezogen werden.

Dabei ist dieses Vorhaben nicht die einzige Investition der Stadt in Sozialwohnungen, sondern Teil eines umfangreichen Bauprogramms, das der Stadtrat aufgelegt hat. Bereits in diesem Frühjahr werden die Arbeiten starten für ein kleines Gebäude mit acht preiswerten Mietwohnungen, das an der Josef-Effner-Straße errichtet wird. Nach dem Komplex Amperweg wird die Wohnungsbaugesellschaft Stadtbau ab 2020 dann in Dachau-Ost am Otto-Kohlhofer-Weg weitere 80 Wohnungen bauen. Dort wird erstmals seit Längerem auch wieder ein Einheimischen-Modell für Eigentumswohnungen aufgelegt.