Schönbrunn Ein Klangerlebnis

Der Gemischte Chor Petershausen, der Prager Hlahol Chor, das Kammerorchester Petershausen, der souveräne Dirigent Roman Novak und eine würdige Aufführung von Haydns Schöpfung in Schönbrunn.

Von Adolf Karl Gottwald

Eine ausgezeichnete musikalische, deutsch-tschechische Freundschaft: der gemischte Chor von Petershausen und der Hlahol Chor Prag.

(Foto: Toni Heigl)

Als 1801 der Schulrektor Ockl in dem böhmischen Dorf Plan Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung" in der dortigen Kirche aufführen wollte, wurde ihm das vom Prager Konsistorium verboten. Ein Pfarrer dort predigte entsetzt, dass man jetzt sogar in der Kirche Werke von Heiden aufführen wolle. Das als lustige Randbemerkung zum sensationellen Erfolg, den "Die Schöpfung" von Anfang an in aller Welt hatte und hat. Nun gibt es sogar eine Prager Fassung, in der das Werk jetzt in der Klosterkirche Schönbrunn aufgeführt wurde, und zwar als Gemeinschaftsleistung des Hlahol Chors Prag und des gemischten Chors Petershausen sowie des von vielen Bläsern verstärkten Petershausener Kammerorchesters mit drei sehr gut ausgewählten Gesangssolisten.

In dieser Prager Fassung unterscheidet sich Haydns Oratorium vom Original vor allem dadurch, dass fast alle Rezitative wegfallen. Dafür lesen zwei Kinder aus der biblischen Schöpfungsgeschichte. Außerdem wurde die Aufführungsdauer auf eineinhalb Stunden verkürzt, was man als Zuhörer in unbequemen Kirchenbänken gewiss nicht übel vermerkt, obwohl man schließlich doch einige Köstlichkeiten der Partitur vermisste. Aber das sind nur Äußerlichkeiten, die über die Qualität der aktuellen Aufführung in Schönbrunn am vergangenen Sonntagabend nichts zu sagen haben. Und diese Aufführung ist erstaunlich gut gelungen.

An erster Stelle ist der tschechisch-deutsche Gemeinschaftschor zu nennen. So viele junge Stimmen und ein derart engagiertes Singen - das kann man sich als Chorleiter, aber auch als Zuhörer sonst nur wünschen und bekommt es selten erfüllt. Der Chor sang die Lobpreisungen Gottes am Ende jedes Schöpfungstages mit Hingabe, ob er nun als Chor der Engel ("Die Himmel erzählen die Ehre Gottes") oder als menschlicher Chor ("Singet dem Herrn alle Stimmen") jubilierte. Folgt man Haydns Text, so wurden die Menschen ohnehin nur zum Zwecke des Lobpreisens erschaffen: "Dem Ganzen fehlte das Geschöpf, das Gottes Werk dankbar seh'n, des Herren Güte preisen soll." Der tschechisch-deutsche Chor erwies sich dieser großen Aufgabe würdig und gewachsen.

Erstaunliches ist auch vom Petershausener Kammerorchester zu berichten. Obwohl neben Konzertmeister Eugen Tluck nur noch ein weiterer professioneller Musiker unter den Streichern saß - Tluck war Bratschist beim Bayerischen Rundfunkorchester - spielte das Orchester mit großer Sicherheit und klangschön. Bereits die Darstellung des Chaos (Einleitung des Oratoriums) gelang vortrefflich, und Naturerscheinungen wie "heftige Stürme", "der leichte flockige Schnee", "feurige Blitze" erklangen im Orchester recht bildhaft - und gar "schrecklich rollten die Donner umher".

Das Solistenterzett war mit der Dachauer Sängerin Anna Maria Bogner (Sopran), Adam Sanchez (Tenor) und Holger Ohlmann (Bass) vortrefflich besetzt. Jede einzelne Stimme war sehr schön und alle drei passten klanglich und in ihrer Dynamik ideal zusammen. Die musikalische Gesamtleitung lag bei dem in Petershausen lebenden Prager Dirigenten Roman Novak in besten Händen. Er leitete präzise, ohne aus seinem Dirigieren groß Aufhebens zu machen, also durch und durch solide. Zuletzt ist noch eine bedeutende Mitwirkende zu nennen, die hervorragende Akustik der Klosterkirche Schönbrunn, die Solostimmen, Chor und Orchester klanglich abrundete und erhöhte.