Schlosscafé Dachau Ein Schloss für die Bürger

Ammersee-Renke statt Pangasius: Das Wirtsehepaar Richter eröffnet das Dachauer Traditionscafé neu - und hat ambitionierte Pläne für die Zukunft.

Von Wolfgang Eitler

Pfarrer pflegen eine besonders inspirierende Beziehung zur Sprache, weil sie schließlich das Wort Gottes verbreiten. Wolfgang Borm von Sankt Jakob und sein evangelischer Kollege Thomas Körner von der Friedenskirche haben das neu eröffnete Schloss-Café in Dachau gestern mit einem Satz gesegnet, um den sie jeder Werbefachmann bewundern muss: "Wenn etwas gut war, wird vieles als Geschenk empfunden." Einen besseren Slogan für die Gastronomie gibt es nicht.

Der neue Pächter des Schloss-Café in Dachau hat große Pläne. 

(Foto: Toni Heigl)

Zudem gelingt den beiden Pfarrern eine inhaltliche Steigerung, indem sie mit Moses Segen "die himmlische Fülle" für das Wirtsehepaar Barbara und Klaus Richter sowie für die künftigen Gäste erflehen. Den alten Sinnspruch, wonach es aus dem Wald heraushallt, wie man zuvor hineingerufen hat, gießen die Geistlichen obendrein in den Rat: "Je freundlicher man ist, desto mehr Freundlichkeit wird man erfahren."

Nun, erst mal sind viele Dachauer einfach nur froh, dass das Schloss-Café wieder offen ist. Dass man hoffentlich schon an diesem Wochenende bei herbstlicher Sonne auf der wunderbaren Terrasse sitzen kann. Dass keine Touristen mehr verärgert abziehen, weil sie in die Stadt gelockt wurden wegen des barocken Hofgartens und des anschließenden vermeintlichen Café-Besuchs. Dass endlich wieder mehr Menschen hierher kommen. Denn in den letzten Monaten, während der sommerlichen Hochsaison, war es an den Wochenenden schon sehr leer und sehr ruhig in der Altstadt.

Ein guter Tag für Dachau

Oberbürgermeister Peter Bürgel will sich gar nicht mehr an die zurückliegenden zehn Monate erinnern, in denen das Café wegen des Besitzerwechsels und der Erneuerung des Brandschutzes einschließlich der Küche geschlossen war. "Ich schaue nach vorne", sagt er in seiner Ansprache am Freitagmittag vor den Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft und bayerischem Finanzministerium und allen anderen Gästen, die aus Neugier und Vorfreude an der Eröffnung teilnehmen: "Der heutige Tag ist ein guter Tag für die Stadt Dachau."

Das empfinden nicht nur die Familien Hillenbrand und Gutovnik so. Die Sehnsucht nach dem Schloss verdeutlicht der Anteil der Gäste, die ohne Festeinladung am mittäglichen Weißwurst-Essen mit Musik der Bergkirchener Ampertaler teilnehmen. Manch reservierter Tisch ist frei geblieben. Die übrigen waren voll besetzt.

"Wir gehen wieder ins Schloss", heißt es. Ein älterer Herr, der seinen Namen nicht nennen will, erzählt von den sechziger und siebziger Jahren, als das Café der zentrale Veranstaltungsort war. In dieser Erinnerung schwingt eine leise Kritik am letzten Pächter mit, der den erhabenen Standort auch in die Preise einfließen ließ. Darauf bezieht sich sicherlich auch Bürgels Lob, dass Klaus und Barbara Richter "ein Gefühl für Dachau" entwickelt hätten. Klaus Richter vom Ammersee fühlt sich bereits als "halber Dachauer". Er erzählt in seiner Ansprache von den gastronomischen Anfängen der Großeltern nach Flucht und Vertreibung im Landkreis. "Irgendwie bin ich zurückgekehrt", sagt er.

Anscheinend wollen er und seine Frau das Schloss etwas vom Berg hinunter zu den Dachauern bringen. "Ich möchte, dass die Leute wieder sagen: Wir gehen ins Schloss-Café." Dafür spricht schon die Werbung um Familien und einem besonders an ihren Wünschen ausgerichteten Brunch an Wochenenden. Im Gespräch mit der Dachauer SZ skizziert Richter seine Ideen, mit hiesigen Betrieben, insbesondere mit regionalen Organisationen wie dem Dachauer Land, eng zusammenzuarbeiten. Sein "Hotel Sonnenhof" in Holzhausen am Ammersee ist deswegen schon mehrmals ausgezeichnet worden.

Ammersee-Renke statt Pangasius

Die Erwartung von Daniel Haagen indes, dem Kreisvorsitzenden der Dachauer Wirte, auf eine Gastronomie in der oberen Sphäre des "Aurora" oder einer Anna Schwarzmann aus Überacker, dämpft er: "Ich möchte im mittleren Preissegment bleiben." Seinen hohen Qualitätsanspruch will er durch regionale Produkte erfüllen: "Also Ammersee-Renke statt Pangasius."

15 neue Mitarbeiter haben die Richters für ihr Café mit Restaurant eingestellt. Zwei wichtige Kräfte haben sie eigens aus ihrem Hotel und dem Restaurant für einen Segelclub am Ammersee abgestellt: Konditorin Linda Brix und Geschäftsführerin Ilona Demmel. Für die 23-jährige Hotelfachfrau ist es ihr erstes Projekt, "an dem ich von Anfang an dabei bin". Wie gut, dass die bayerische Staatsregierung ihre Haushaltssperre erst vor zwei Tagen verkündet hat.

Jochen Holdmann, Leiter der Zentral- und Liegenschaftsabteilung der Schlösser- und Seenverwaltung des bayerischen Finanzministeriums, hatte keinen Blumenstrauß für Barbara Richter dabei, weil ihm das Geld dafür fehlt. Der SZ sagte Holdmann: "Wenn wir erst jetzt mit Umbau und Renovierung begonnen hätten, wäre das Projekt gestoppt worden."

Also sollten die Dachauer die lange Bauzeit als Glück im Unglück abhaken. Außerdem verringert sich die Zahl der Sorgenkinder in der Altstadt aus Sicht des Oberbürgermeisters zusehends. Für 25. November ist die erste Vernissage der Künstlervereinigung Dachau in der Schranne geplant. Der Um- und Neubau der Schlossbrauerei ist anscheinend nur eine Frage der Zeit. "Es müssen noch einige denkmalschützerische Fragen geklärt werden", sagt Bürgel der Dachauer SZ.

Bleiben somit noch der leere Hörhammerbräu und die ehemalige Klinik Koschade. Bürgel zuckt die Achseln und hofft. Mit dem Rat der beiden Dachauer Pfarrer zur Freundlichkeit kommt die Stadt anscheinend noch nicht weiter: Egal, wie sie hineinruft, von den Eigentümern hallt nichts zurück.