Schlossausstellung der KVD Gewichtige Nachbarn

An der Schlossausstellung der KVD beteiligen sich heuer Künstler aus Augsburg und ganz Schwaben. Ihre Werke sind lebendig und ausdrucksstark - doch die Dachauer Kollegen müssen sich nicht verstecken.

Von Bärbel Schäfer

Kraftvoll ist die Ausstellung im Schloss, auch dank der Hängung, die den Kunstwerken genügend Raum zur Entfaltung lässt. Die Besucher der Vernissage am Sonntag begutachten Turid Schuszters Mimikry aus dem Zyklus "Schöne heile Welt" - alte Plastiktütenstreifen auf Kunststoff geknüpft und genäht

(Foto: joergensen.com)

An vier Kunstwerken hängen schon vor der Vernissage rote Punkte. Das ist eine Seltenheit und im Fall der Ausstellung "Sidestep" der Künstlervereinigung Dachau (KVD) in Zusammenarbeit mit dem BBK Schwaben Nord und Augsburg sensationell. So jedenfalls formulierte es Norbert Kiening auf der Vernissage im Dachauer Schloss: "Das ist der Ritterschlag." Die roten Punkte sind Platzhalter für die Ankäufe durch die Bayerische Staatsgemäldesammlung, die auf der ersten Station der Wanderausstellung im Augsburger Zeughaus getätigt wurden.

Zufrieden konnte Kiening also in den Schlosssaal blicken. Seit heuer ist er Vorsitzender des BBK Schwaben-Nord und Augsburg und allein schon aus diesem Grund daran interessiert, dass sich Augsburg als einer von neun Regionalverbänden des Landesverbandes Bildender Künstler in Bayern von seiner besten Seite zeigt. Seit Jahren lädt die KVD befreundete oder benachbarte Künstlervereinigungen zu ihrer wichtigsten Jahresausstellung ein und wirft damit einen Blick über den eigenen Tellerrand, scheut sich nicht, sich mit anderen zu messen und vergleichen zu lassen, wie Landrat Hansjörg Christmann in seiner Eröffnungsrede sagte. Gemeinsamkeiten sind jedenfalls vorhanden: Beide Künstlerorganisationen nehmen einen gewachsenen, festen Platz im Kulturleben ihres Einzugsgebietes ein, unterhalten eigene Galerien, werden von ihren Kommunen unterstützt und gefördert. Das Dachauer Schloss ist nun die zweite Station der Ausstellung und nach der Toskanischen Säulenhalle im Augsburger Zeughaus ein ebenfalls historischer Ort.

Viele äußere Gemeinsamkeiten also, die nun in der Ausstellung zu einem inhaltlichen Vergleich herausfordern. Christmann, der schon vor der Eröffnung einen Rundgang durch die Ausstellung gemacht hatte, war sichtlich berührt. Wie für die scheidende KVD-Vorsitzende Monika Siebmanns ist es auch für ihn die letzte Schlossausstellung der KVD, die er in seiner zu Ende gehenden Amtszeit eröffnet. Für Norbert Kiening ist diese Ausstellung ein Heimspiel, denn er stammt aus Prittlbach und engagierte sich in den Achtziger- und Neunzigerjahren in der KVD und in der Gruppe D. Er hat nach wie vor enge Beziehungen nach Dachau. Der Blick über den Lech in beide Richtungen sei den Augsburgern wichtig, betonte der Augsburger BBK-Vorsitzende und stapelte dabei gehörig tief. Denn internationale Kontakte und Ausstellungen sind wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit. "Es gibt kaum ein Land, in dem wir noch nicht ausgestellt haben", bestätigte denn auch Peter Grab, Augsburgs dritter Bürgermeister und Kulturreferent.

Nach dem ungarischen Szentendre, Ingolstadt und Landshut lädt die KVD nun Augsburg in die Schlossausstellung ein. Ein Schwergewicht im Vergleich zu den anderen, denn der BBK Augsburg Nord und Schwaben hat rund 270 Mitglieder und ist in der Region Ansprechpartner und Initiator für die Durchführung von Kunst-am-Bau-Wettbewerben, unterstützt außerdem verschiedene Gremien der Stadt Augsburg in künstlerischen Fragen, beispielsweise in Baukunst und im Kulturbeirat. Diese selbstbewusste Organisation hat also viel mehr Mitglieder und größeres politisches Gewicht als die KVD in Dachau.

Entsprechend kraftvoll ist die Ausstellung, auch dank der Hängung, die den Kunstwerken genügend Raum zur Entfaltung lässt. Die Besucher beeindruckt sogleich die ausdrucksvolle Lebendigkeit der Werke der 13 Augsburger Künstler. Von Norbert Kienings wunderbaren Zeichnungen auf Passepartout-Karton über Klaus Konzes dichte Landschaftsstrukturen, die Teebeutel- und Kaffeefilter-Kleidchen von Nina Zeilhofer bis hin zum leuchtenden Fanal von Götz Ulrich Richters Fall-Zeichen spannt sich eine dynamische Führungslinie durch den Saal. Mithalten können die wunderbaren Tuscharbeiten von Mayumi Yamakawa, auch John Dorers "Suchen" und "Finden", Klaus Eberleins abstrahierte Maskengesichter und Wolfgang Sands "Sänfte" mit der bildhauerischen Darstellung des Übergangs vom Leben zum Tod. Aber wo sind die jungen Dachauer Künstler? "Wir haben streng juriert", sagt die KVD-Vorsitzende Monika Siebmanns. Und: "Wir wollen nicht um jeden Preis die Ausstellung voll bekommen." Aus Dachau nehmen außer Neuzugang Susanne Grimm ausschließlich altgediente Namen teil. Mit dem Ritterschlag wurden auch die zehn KVD-Mitglieder geadelt. Unter den vier Arbeiten, die von der Bayerischen Staatsgemäldesammlung angekauft wurden, ist der Digitaldruck "Weißer Zwerg II" aus der Serie "Stella Nova" der Dachauerin Katrin Schürmann. Die Ausstellung ist also auch in dieser Hinsicht ein Blick über den Zaun in die Nachbarschaft.

Öffnungszeiten bis 1. September: Mittwoch, Freitag, Samstag von 14 bis 18 Uhr. Donnerstag von 14 bis 19 Uhr, Sonntag von 11 bis 18 Uhr.