Odelzhausen Haus des Unfriedens

Durch den Gemeinderat Odelzhausen zieht sich ein tiefer Graben zwischen Befürwortern und Gegnern einer Sanierung des Sittenbacher Gemeindehauses.

Von Renate Zauscher

Sanieren oder abreißen? Das Gemeindehaus in Sittenbach ist zum Zankapfel geworden.

(Foto: DAH)

- Die Frage, ob das Sittenbacher Gemeindehaus erhalten werden soll, entwickelt sich mehr und mehr zum Politikum, das den Odelzhausener Gemeinderat in zwei sich unversöhnlich gegenüberstehende Lager spaltet. Entsprechend groß ist das Interesse der Bürger: Als das Thema am Dienstag erneut im Gemeinderat behandelt wurde, saßen und standen gut 70 Besucher im Sitzungssaal und regierten auf Redebeiträge der Sanierungsbefürworter immer wieder mit lautem Beifall. Zuletzt akzeptierten die Räte mit Zweidrittelmehrheit einen Kompromissvorschlag des Bürgermeisters: Ein Architekt, der Erfahrung mit der Sanierung von Altbauten hat, soll zur Beurteilung einer von der Gemeinde eingeholten Kostenschätzung herangezogen werden.

Bürgermeister Konrad Brandmair (CSU) nimmt in der Debatte um das Sittenbacher Gemeindehaus eine unentschiedene Haltung ein: Anfangs plädierte er für den Abriss des Hauses, jetzt würde er bis zu einer Kostengrenze von 400 000 Euro "mitgehen", erklärte er am Dienstag, meldete aber gleichzeitig verschiedenste Bedenken an. Zunächst überraschte er mit der Feststellung, dass "alles absolut schief gelaufen ist". Er habe sich "drängen lassen", sagte Brandmair; mit dem Beschluss pro Dachsanierung diesen Sommer sei "das Pferd von hinten aufgezäumt" worden. Der Auftrag hierzu sei von der Verwaltung "überschnell vergeben worden".

Brandmair führte außerdem rechtliche Bedenken ins Feld: Die Kosten für eine Grundsanierung würden laut Rechtsanwaltsauskunft den Wert des Hauses überschreiten, was dem Gebot der sparsamen und wirtschaftlichen Haushaltsführung zuwiderlaufe. Die Entscheidung des Finanzausschusses, 300 000 Euro für die Gebäudesanierung im kommenden Jahr zu genehmigen, sei "rechtswidrig" gewesen. Auch eine Verpachtung des Gebäudes an den Heimatverein, der sich für die Sanierung einsetzt, sei rechtlich nicht möglich.

In der Diskussion des Rats verteidigte Johann Heitmair, CSU-Vertreter und zweiter Bürgermeister, der die erneute Debatte angestoßen hatte, sein Vorgehen: Den "Schnellschuss" pro Dachsanierung könne er angesichts von geschätzten Kosten von 470 000 Euro nicht akzeptieren. Er sehe auch keinen Bedarf an Versammlungsräumen in Sittenbach, würde aber auf längere Sicht den Neubau eines Bürgerhauses unterstützen.

Pro Gebäudesanierung sprachen sich vor allem die vier BGO-Vertreter aus. Elisabeth Kappes bezeichnete die eingeholte Kostenschätzung als "aufgebläht"; es würde von "utopischen Preisen" ausgegangen. Laut Auskunft eines Mitarbeiters am Landesamt für Denkmalpflege könne die Sanierung mit 300 000 Euro bewerkstelligt werden. Auch der vorhandene Hausschwamm, den Brandmair als besondere Gefahr sieht, könne ohne große Kosten entfernt werden: Kappes verlas ein entsprechendes Schreiben eines vereidigten Gutachters, der mit dem Landesamt für Denkmalpflege zusammenarbeitet. Vor allem aber sprach die Gemeinderätin noch eine andere Möglichkeit des Gebäudeerhalts an: Im Rahmen einer Ortskernsanierung könne die Gemeinde mit einem Staatszuschuss von 60 Prozent der Kosten rechnen.

Ganz anders sieht dies Bruni Kiemer (FW): Sie plädierte dafür, auch vor "hundert Zuhörern" im Saal sich klar pro oder kontra einer Sanierung auszusprechen, wobei sie diese konsequent ablehnt. Kiemer bestreitet auch, dass mit dem Votum für die Dachsanierung gleichzeitig das grundsätzliche Einverständnis zur Gesamtsanierung erteilt worden sei --aus Sicht der Sanierungsbefürworter eine unsinnige Auslegung der Dinge. Niemand wolle ein Dach sanieren, um das Gebäude dann doch abzureißen, argumentierten die BGO-Räte.

Bürgermeister Brandmair schlug zuletzt vor, einen Architekten zu Überprüfung des Kostengutachtens einzuschalten. Dieser soll auf Vorschlag von Roderich Zauscher die Kreisheimatpflegerin mit einbeziehen und außerdem Eigenleistungsmöglichkeiten aufzeigen. Dem Beschlussvorschlag wurde mit fünf Gegenstimmen zugestimmt.