NS-Verfolgter wäre 100 Jahre alt geworden Als Jugendlicher im Widerstand

Hans Gasparitsch kämpfte schon als Jugendlicher gegen das NS-Regime. Am Karfreitag wäre er 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass erarbeiteten Historiker eine Dokumentation.

(Foto: dpa)

Historiker dokumentieren Leben von Hans Gasparitsch

Mit 16 Jahren schrieb er auf den Sockel der Rossbändiger-Statuen im Stuttgarter Schlossgarten "Hitler = Krieg" - in roter Farbe. Hans Gasparitsch war Mitglied der Jugendwiderstandsgruppe "Gruppe G", die sich unter anderem mit Flugblättern gegen das NS-Regime auflehnte. Zehn Jahre verbrachte er in Gefangenschaft in Gefängnissen und den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald. Hier wurde er 1945 schließlich befreit. Nach seiner Zeit in Gefangenschaft engagierte er sich für einen antifaschistisch-demokratischen Neuanfang und in der Friedensbewegung. Im Jahr 2000 erhielt der gebürtige Stuttgarter für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz. Zwei Jahre später, am 13. April 2002, starb er im Alter von 84 Jahren in Stuttgart. Am Karfreitag, 30. März, wäre Hans Gasparitsch 100 Jahre alt geworden.

Dieses Ereignis nahmen die Historiker Christoph Leclaire und Ulrich Schneider der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora/Freundeskreis zum Anlass, um eine umfassende Dokumentation über den ehemaligen KZ-Häftling und Widerstandskämpfer zu erarbeiten. Sie basiert auf einem Interview, das Leclaire mit Gasparitsch im Jahr 1996 in Münster führte. Eigene Beiträge des Zeitzeugen erweitern die Broschüre und geben einen Einblick in seine Gedanken und Erlebnisse. "Es ist enorm wichtig, dass seine Geschichte nicht in Vergessenheit gerät", sagt Leclaire. Das Engagement, das Gasparitsch bereits als Jugendlicher zeigte, zeugt von großem Mut. Aber auch ein Fünkchen jugendliche Unbedachtheit äußert sich in seinen Aktionen. "Als Jugendlicher kann man die Konsequenzen des eigenen Handelns oft nicht überblicken", sagt Leclaire. "Das schmälert jedoch in keiner Weise seine Taten."

Die Zeit, die er in den Konzentrationslagern verbachte, prägte Hans Gasparitsch sehr. Er hörte nie auf, sich für die Erinnerungsarbeit zu engagieren, verfasste Erinnerungsbeiträge und besuchte Gedenkstätten. Christoph Leclaire und seinen Kollegen ist es ein Anliegen, die Geschichte dieses außergewöhnlichen Mannes am Leben zu erhalten.

Als Mitglied des Präsidiums der Lagergemeinschaft Dachau nahm er an der Entwicklung der KZ- Gedenkstätte Dachau regen Anteil. Bei seinem letzten Auftritt in der Gedenkstätte Dachau am 27. Januar 1999 richtete er sich direkt an die Schüler im dicht besetzten Filmraum, als er sagte: "Ihr seid nicht schuld. Aber ihr seid verantwortlich für das, was ihr aus dem Vermächtnis dieser furchtbaren Zeit macht."