Musik von Orlando di Lasso Festschmaus fürs Ohr

Die Münchner Fürstenhochzeit von 1586 als Konzert

Von Adolf Karl Gottwald

Dachau - Genau 450 Jahre ist es her, dass der Wittelsbacher Erbprinz Wilhelm - später Herzog Wilhelm V. von Bayern - in München die Prinzessin Renata von Lothringen heiratete. Die Erinnerung an diese Münchner Fürstenhochzeit von 1568 feierten die Dachauer Schlosskonzerte mit dem Wiener Ensemble "dolce risonanza" wahrhaft "mit Glanz und Gloria". Dieser Abend wurde ihr Höhepunkt.

Dass ein Wiener Ensemble im Schloss Dachau an die Münchner Fürstenhochzeit von 1568 erinnert, hat zwei gute Gründe. Die Prinzessin Renata von Lothringen machte auf ihrer Anreise zur Hochzeit für ein paar Tage Station im Schloss Dachau und wurde von dort feierlich zur Hochzeit nach München "eingeholt".

Der andere Grund: Die Österreichische Nationalbibliothek in Wien bewahrt in einer Prachthandschrift von 15 kunstvoll verzierten Pergamentblättern die Abschrift der Hochzeitsmotette, die Orlando di Lasso für besagte Fürstenhochzeit komponiert und dann auch beim Festmahl aufgeführt hat, wobei sein Werk "tiefen Eindruck, größtes Erstaunen und respektvolles Schweigen bei den illustren Zuhörern erregte". Das berichtet das außerordentlich schöne und informative Programmheft dieses Konzertabends - das beste seit sehr langer Zeit.

Bei der Wiederaufführung im Schloss Dachau vor gewiss etwas weniger illustren Zuhörern erging es dieser Motette nicht anders. Auch das, was von der Aufführung des für die kirchliche Hochzeitsfeier in der Münchner Frauenkirche geschriebenen "Te Deum laudamus" von Lasso damals gesagt wurde, wiederholte sich im Festsaal des Schlosses Dachau, nämlich, dass es "mit sehr kunstraiche Musicem und Instrumenten zum zierlichsten gesungen" wurde.

Das Wiener Ensemble "dolce risonanza" gehört zum Besten, was sich jemals mit Alter Musik hören ließ, und macht Wien - offenbar nach wie vor die Weltstadt der Musik - alle Ehre. Es besteht aus sieben hervorragenden Sängern - das sind ein Superius, ein Countertenor, drei Tenöre und zwei Bässe -, vier Bläsern, die sich mit Krummhorn, Blockflöte, Dulzian und Pommer in bester Manier hören lassen können, und einer Gruppe von "suonatori di viola da braccio", die Violine und Violino piccolo sowie alle möglichen Arten von Bratschen bis hinab zur Basslage beherrscht. Dieser Gruppe gehört auch Florian Wieninger, der Leiter dieses bewundernswerten Ensembles, an. Das Singen und Musizieren von "dolce risonanza" aus Wien ist köstlich, die Stücke, die es aufführte (und die vor 450 Jahren bei der Münchner Fürstenhochzeit 1568 aufgeführt wurden), sind äußerst kostbar. Fast alle stammen aus der Feder von Orlando di Lasso, der mit Palestrina als Vollender der Renaissance-Musik gefeiert wird, wegen seiner Vielseitigkeit aber als der größte Meister des Rinascimento angesehen wird. Diese Vielseitigkeit konnte man jetzt im Dachauer Schloss erleben und genießen.

Das vorzüglich aufgebaute und dargebotene Programm führte von den bereits genannten, groß angelegten kirchlichen Prachtmotetten zu Lassos Kunst, die er den verschiedenen Arten des italienischen, französischen und deutschen Liedes widmete. Da begegnete man vor allem im italienischen und venezianischen Bereich Liedern mit recht realistischen Texten der anzüglichen Art, aber auch Stellen, bei welchen man innige Töne zu hören glaubte. Leider hatten die Zuhörer kein Textblatt zur Hand. Das hat man beim "Te Deum laudamus" wohl weniger vermisst als etwa bei der Moresca "O Lucia, miau, miau", bei der es erotische Anzüglichkeiten und derbe Schimpfwörter wie "cula caccata" hagelt.

Massimo Trojano, ein italienischer Sänger in der Münchner Hofkapelle unter Orlando di Lasso, berichtet, dass bei den Nachfesten der Hochzeit Wilhelms die Herrschaften durch Vorführung der sechsstimmigen Moreschen von Lasso unterhalten wurden; und zwar wurden die Stücke von sechs auserlesenen, klangvollen Stimmen gesungen und von sechs namentlich aufgeführten ausgezeichneten Instrumentalisten gespielt. Auch das wiederholte sich jetzt, 450 Jahre danach im Festsaal des Dachauer Schlosses.

Der überwältigend prachtvolle Schluss war eine doppelchörige Huldigungsmotette in lateinischer Sprache, doch besonders gern ließ man sich von Orlando di Lasso mit seinem deutschen Lied "So trinken wir alle diesen Wein mit Schalle" aufmuntern. Diese gern befolgte Aufforderung wurde als Zugabe wiederholt und bekräftigt. So guter Stimmung wie an diesem Abend haben die Besucher das Dachauer Schloss gewiss noch nicht oft verlassen.