Landkreis Konflikte mit Hunden nehmen zu

Diese spanische Dogge wird als Kampfhund eingestuft. Die Gemeinde Altomünster belohnt den Besuch der Hundeschule nun mit einem Steuernachlass.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Für die Besitzer mag das Tier ein Gewinn sein, für Kommunen ist es auch ein Problem: In den Rathäusern laufen Beschwerden von Menschen ein, die sich belästigt oder bedroht fühlen.

Von Robert Stocker, Dachau

Ein Hundehalter führt seinen Liebling aus, das Tier ist eher klein und niedlich. Der Vierbeiner ist nicht angeleint, und als ein Spaziergänger des Weges kommt, mutiert das Schoßhündchen zum Berserker. Wild kläffend sprintet es auf den Spaziergänger zu, springt hoch, als wolle es zubeißen. "Der tut nichts", beruhigt sein Herrchen den Mann, der erst einmal ein bisschen geschockt ist. Er hat ganz und gar nicht den Eindruck, dass das Tier ein braves Lämmchen ist. Etwas verstört geht der Spaziergänger weiter - gebissen wurde er wenigstens nicht.

Das können nicht alle Passanten sagen, die einem freilaufenden Hund und dessen Herrchen oder Frauchen begegnen. Am Petersberg passierte vor einigen Wochen ein dramatischer Fall, bei dem eine Bordeaux-Dogge den Arm eines Mannes zerfleischte. In Karlsfeld, wo es wie in den meisten Landkreisgemeinden keinen allgemeinen Leinenzwang gibt, gab es in jüngster Zeit ein paar Fälle, in denen Passanten von Hunden gebissen wurden. Zum Beispiel am Karlsfelder See, an dem Hundehalter gern Gassi gehen. "Wenn so ein Fall angezeigt wird, laden wir den Hundehalter vor und ordnen gegebenenfalls einen Leinen- oder Maulkorbzwang an", sagt Stephan Baumann vom Karlsfelder Ordnungsamt. Das seien Einzelentscheidungen, weil es keine generelle Verordnung gebe.

Oft sind es die kleinen Hunde, die Probleme machen

Manchmal empfiehlt die Behörde auch ein Antiaggressionstraining für die Tiere. "Oft sind es die kleinen Hunde, die Probleme machen", weiß Baumann. Etwa 700 Hunde sind bei der Gemeinde angemeldet, Tendenz steigend. "In den vergangenen Jahren sind es mehr geworden", sagt Kristina Kügler von der Steuerstelle. In der neuen Satzung wurde festgelegt, dass Halter weniger Steuern zahlen müssen, wenn sie Hunde aus dem Tierheim holen. Ab und zu kommen in der Verwaltung Leute vorbei, die sich offenbar an dem Tier eines Nachbarn stören. Kügler: "Wir sollen dann überprüfen, ob er Hundesteuer zahlt."

In Dachau ist die Zahl der angemeldeten Hunde signifikant gestiegen. Die Kämmerei verzeichnete im vergangenen Jahr 1742 steuerpflichtige Tiere. Im Vergleich zu 2013 ist die Zahl um 100 gestiegen. 140 Halter haben zwei oder mehr Hunde angemeldet. Wer in Dachau einen Kampfhund hält, zahlt die normale Hundesteuer, wenn ein Gutachter bestätigt hat, dass von seinem Tier keine Gefahr ausgeht. Andernfalls ist eine höhere Steuer fällig. Eine allgemeine Leinenpflicht gibt es in der Großen Kreisstadt nicht. "Nur in ausgewiesenen Flächen", sagt Kämmerer Thomas Ernst. Die Gemeinde Altomünster hat jetzt in einer neuen Satzung festgelegt, dass Halter um 50 Prozent weniger Steuer zahlen, wenn sie ihre Lieblinge an einer Hundeschule ausbilden lassen und dafür einen Nachweis erbringen.

Beschwerden häufen sich

Einige Hundehalter haben ihre Tiere beim Gassigehen nicht im Griff. Dabei geht es nicht vorrangig um Hundekot auf Straßen und Wegen. "In letzter Zeit häuften sich Beschwerden von Bürgern, die sich von Hunden bedroht fühlten", erklärt Bürgermeister Anton Kerle. Damit solche Klagen weniger werden, sollen Halter ihre Hunde ausbilden lassen. "Die Tiere sollen sozialverträglich sein", sagt Kerle. Dass sich in jüngster Zeit immer mehr Bürger beschweren, liegt vielleicht auch an der Zahl der Hunde. 418 sind derzeit in der Gemeindeverwaltung erfasst. Von 2014 auf 2015 ist die Zahl um ein Drittel gestiegen. "Wir erleben einen Anmeldeboom", sagt Carolin Hartinger von der Steuerkasse. "Gefühlt jeder dritte Neubürger, der sich in der Gemeinde anmeldet, hat auch einen Hund dabei."

Die Motive, sich einen Hund zuzulegen, sind unterschiedlich. Manche Menschen wollen schlicht einen Freund, einen treuen Begleiter, dem sie ihre Zuneigung zeigen wollen. Für andere ist ein edles Tier eine Art Statussymbol, das die gesellschaftliche Stellung des Halters unterstreichen soll. Wieder andere halten sich aus Sicherheitsgründen einen Hund, der die Aufgabe hat, Haus und Hof zu bewachen. "Es gibt auch Leute, die sich mit Kampfhunden profilieren wollen", weiß Benedikt Scheppan aus Erfahrung. Nach dem Motto: Du kannst mich mal, ich habe einen Kampfhund dabei.

Hunde brauchen klare Regeln

Für Scheppan, der in Dachau die Mobile Hundeschule "Dog Coaching" führt, genießen Hunde in Deutschland einen hohen Stellenwert. Immer mehr Leute tendierten dazu, ihr Tier in die Obhut eines Lehrers zu geben. "Der Hund geht zum Einkaufen und in den Biergarten mit, er sitzt in der Arztpraxis und im Restaurant", sagt Scheppan. Folglich würden auch die Ansprüche an die Vierbeiner höher. Sie sollen ein gutes soziales Verhalten zeigen und sich mit anderen Hunden vertragen. Scheppan: "Oft werde ich auch um Hilfe gebeten, weil der Halter sagt, sein Hund sei zu aggressiv." Ursache für die Angriffslust eines Hundes sei aber oft seine Unsicherheit. Hunde bräuchten klare Regeln, die der Halter konsequent umsetzen muss. "Eine antiautoritäre Erziehung führt zu nichts." Man müsse einem Hund auch Grenzen setzen, der Mensch müsse seine Führung übernehmen. Bei aggressiven Tieren spielt auch ihre Vorgeschichte oft eine Rolle.

Was rät der Hundelehrer Spaziergängern, die sich von Hunden bedroht fühlen? Scheppan: "Ruhig stehen bleiben und nie weglaufen, sonst bricht der Jagdtrieb des Hundes aus. Man sollte ihm nicht direkt in die Augen schauen, sich seitlich wegdrehen und die Hände nicht nach vorne bewegen. Das fördert die Deeskalation."