Markt Indersdorf Hundertjährige Eichen von Fällung bedroht

Der Bund Naturschutz schlägt Alarm: Einige uralte Bäume sollen einem Vorhaben der K+K Wohnbau weichen, im Indersdorfer Ortszentrum verdichtet zu bauen.

Von Robert Stocker

Wenn Hans Lachner aus dem Fenster seines Amtszimmers schaut, hat er eine hübsche Kulisse im Blick: den Turm der Indersdorfer Marktkirche, den die Baumwipfel vier großer Eichen säumen. Weil Bürgermeister Josef Kreitmeir in Urlaub ist, führt sein Stellvertreter derzeit die Geschäfte im Rathaus. Ausgerechnet jetzt muss sich Lachner mit einer heiklen Geschichte befassen, die die Gemüter der Indersdorfer bewegt. "Es könnte sein, dass diese Baumwipfel bald verschwunden sind", sagt der zweite Bürgermeister, "das wird das Bild der Ortsmitte stark verändern. Die Eichen sind die einzigen ausragenden Bäume, die wir im Indersdorfer Zentrum noch haben".

Die einzigen herausragenden Bäume im Zentrum der Marktgemeinde könnten nach Ansicht des Bundes Naturschutz trotz Pilzbefalls gerettet werden.

(Foto: privat)

Die vier mehr als hundert Jahre alten Eichen stehen in der Tat an einer exponierten Stelle: Sie reihen sich hintereinander an einem Grundstück zwischen Sportplatzweg und Marktgasse auf, direkt unterhalb des Rathauses. Das sogenannte Holdenried-Anwesen neben dem Rathaus, das der Marktgemeinde gehört, wird nach jahrelangem Hickhack endlich bebaut; das sich anschließende Areal, auf dem sich die Eichen und eine alte Linde befinden, möchte der Indersdorfer Bauträger K+K Wohnbau jetzt ebenfalls verwerten. Doch dabei stehen ihm offensichtlich die Bäume im Weg, die schon in Kürze fallen könnten. Die Bebauung des Grundstücks, die wie beim Holdenried-Anwesen erst durch die Aufhebung eines früheren Bebauungsplans möglich wurde, wertet einerseits die Ortsmitte auf und tilgt einen eher trostlosen Fleck im Zentrum, der lediglich als provisorischer Parkplatz diente. Andererseits sollen für das Bauprojekt jetzt bis auf eine Eiche alle Bäume verschwinden, die im alten Bebauungsplan noch geschützt waren. Die örtlichen Naturschützer sind entsetzt. "Wenn man die Bäume regelmäßig ausschneiden würde, könnten sie noch lange leben und weiterhin eine Grünverbindung zur Kirche und der romantisch mit hohen Bäumen umstandenen Glonnbrücke bilden", sagt Helga Bilden von der Indersdorfer Ortsgruppe des Bundes Naturschutz.

Doch der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt sind die Hände gebunden. "Durch die Aufhebung des alten Bebauungsplans sind die Bäume nicht mehr geschützt. Darauf haben wir die Gemeinde zweimal hingewiesen", sagt Stefan Löwl, Leiter der Abteilung Umweltschutz im Landratsamt. Die Gemeinde stellte bei der Behörde deshalb den Antrag zu prüfen, ob die Bäume unter Naturschutz gestellt werden könnten. Bei einem Ortstermin stellten die Experten des Landratsamts fest, dass eine der Eichen unter Pilzbefall leidet. Ein vom Bauträger beauftragter Gutachter kam schließlich zu dem Ergebnis, dass nur noch einer der fünf Bäume so vital ist, dass er unter Schutz gestellt werden kann. Auch die Linde sei stark geschädigt; die Bäume würden höchstens noch zehn Jahre leben und durch die Bebauung weiter geschädigt. Es sei zu erwarten, dass irgendwann große Äste abbrechen und damit die Verkehrssicherheit gefährden. "Nach Paragraf 34 der Bauordnung, der jetzt für die Bebauung des Grundstücks gilt, ist dort verdichtetes Bauen möglich. Der Bauherr hat das Eigentumsrecht und kann deshalb die kranken Bäume entfernen", sagt Löwl. "Die Naturschutzbehörde kann nichts mehr machen." Die Gemeinde habe sich für das verdichtete Bauen und letztendlich gegen den Erhalt der Bäume entschieden.

Zweiter Bürgermeister Hans Lachner sieht die Sache freilich anders. "Was hilft uns ein Schutz, wenn der Bauträger mit einem Gutachter kommt, der die Bäume für krank erklärt?" Die Naturschutzbehörde stehe jetzt "mit dem Rücken zur Wand", weil die Bäume laut Gutachten die Verkehrssicherheit gefährden. Die Gemeinde sei davon ausgegangen, dass die Bäume trotz der Aufhebung des Bebauungsplans erhalten werden. Jetzt habe der Bauträger einen Freibrief zum Fällen. Lachner hofft, dass das Unternehmen doch noch zu einem Kompromiss bereit ist. "Da hilft nur öffentlicher Druck", glaubt der zweite Bürgermeister.