Markt Indersdorf "Die Glasfaser muss in jede Wohnung"

Hilf dir selbst: Markt Indersdorf lässt eine Machbarkeitsstudie für ein schnelles Internet erstellen.

Von Robert Stocker

Glasfaser-Anschluss.

Die Leistungsfähigkeit des Internets ist für Gemeinden mittlerweile ein harter Standortfaktor. Firmen, die einen schnellen Zugang zur Datenautobahn brauchen, machen davon die Ansiedlung ihres Betriebs abhängig. Aber auch für die Bürger spielt es eine immer größere Rolle. Viele Landkreisgemeinden treiben den Ausbau des Glasfasernetzes voran und gehen - etwa wie Altomünster, wo Bürger in Zusammenarbeit mit der Kommune eine private Betreibergesellschaft gegründet haben - eigene Wege. Sie stehen dabei vor der Herausforderung, trotz weiter Wege und einer relativ kleinen Zahl von Hausanschlüssen das Projekt einigermaßen wirtschaftlich zu gestalten. Das gilt auch für Markt Indersdorf, wo eine Bürgerinitiative in Zusammenarbeit mit der Gemeinde den Glasfaserausbau voranbringen will. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Mittwochabend ein darauf spezialisiertes Unternehmen beauftragt, eine Machbarkeitsstudie und eine Wirtschaftlichkeitsprüfung für das Projekt vorzulegen.

Das Ingenieurbüro "mdcon" hat bereits in einigen bayerischen Gemeinden, etwa in Türkenfeld, Karlskron oder Rudelzhausen, Erfahrungen mit dem Glasfaserausbau gesammelt. Das Besondere an den Projekten des Ingenieurbüros: Die Gemeinden gründen einen Eigenbetrieb, der das Netz baut, selbst betreibt oder an einen Betreiber verpachtet. Eigentümer des Glasfasernetzes ist die Gemeinde. Bei diesem Modell erhalten die Kommunen eine Förderung über die "Bundesrahmenregelung Leerrohre", die wesentlich höher ist als es die Zuschüsse des Freistaats sind. Wie Uwe Kramp von "mdcon" dem Gemeinderat vortrug, sei ein Eigenbetrieb sehr effizient und könne relativ schnell gegründet werden. Kramp machte dies am Beispiel der Gemeinde Eichenzell bei Fulda deutlich, wo das Ingenieurbüro ein ähnliches Projekt verwirklicht hat. "Eichenzell", so Kramp, "betreibt das Netz selbst und erwirtschaftet 500 000 Euro pro Jahr". Der Kommunalbetrieb rechne sich aber erst von einem bestimmten Volumen an. Alternativ dazu bestehe die Möglichkeit, dass die Gemeinde das Netz errichtet und es von einem Pächter betreiben lässt. Der könne beispielsweise eine Genossenschaft sein, an der Bürger und die Kommune beteiligt sind. Kramp betonte, dass in Indersdorf dringend etwas passieren müsse. "Der Versorgungsdruck ist groß. Selbst in Nordfriesland ist die Lage besser."

Berthold Fehr von der Bürgerinitiative "Glasfaser Indersdorf" hatte zuvor unterschiedliche Betreibermodelle vorgestellt. Demzufolge kommen vier Möglichkeiten in Betracht: ein privates Unternehmen als Betreiber, eine GmbH und Co.KG, eine Genossenschaft und eine kommunale Betreibergesellschaft. Für die Bürgerinitiative ist eine Genossenschaft, an der die Gemeinde und Bürger Anteile halten, die beste Lösung, weil sie eine breite Versorgung und Gemeinde und Bürgern einen großen Einfluss sichert. Der Nachteil an dieser Lösung bestehe darin, dass die Gemeinde die Hauptlast der Finanzierung trägt. Ziel des Projekts müsse es sein, möglichst schnell vielen Bürgern ein leistungsfähiges Netz anzubieten. Uwe Kramp von "mdcon" ging sogar noch weiter: "Die Glasfaser muss in jede Wohnung."

Zunächst werden die Projektplaner die Bedingungen für das Vorhaben prüfen. Das Unternehmen soll jetzt die Machbarkeit und die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens untersuchen.