KZ-Gedenkstätte Jüdische Gedenktafeln beschädigt

"Ich bin entsetzt und erschüttert", sagt Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München: Ein unbekannter Täter hat Davidsterne an der KZ-Gedenkstätte abgerissen und zerkratzt.

Von Helmut Zeller

- In der KZ-Gedenkstätte Dachau wurden an drei Gedenktafeln für die Opfer der Schoah Davidsterne zerkratzt oder abgerissen. Die Tat eines oder mehrerer unbekannter Täter hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, und Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann erklärten am Montag: "Wir bedauern und verurteilen diesen schändlichen Akt der Zerstörung und finden die offenkundig antisemitische Zielrichtung besonders bitter." "Ich bin entsetzt und erschüttert", teilte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, mit. Auch das Internationale Dachau-Komitee (CID) verurteilte den Übergriff.

"In dieser abstoßenden Tat kommen Hass und Menschenverachtung zum Ausdruck. Das Schänden der Erinnerung an die Opfer des Holocaust ist ein gezielter Bruch mit der politischen Kultur dieses Landes. Solche Vorfälle - seien sie Ausdruck um sich greifender Geschichtsvergessenheit und Gedankenlosigkeit oder gar von neuem blanken Hass und Antisemitismus - sind ein Anschlag auf alle Errungenschaften der Versöhnung und des Vertrauensaufbaus der letzten 68 Jahre", heißt es in der Erklärung Knoblochs. CID-Präsident Pieter Dietz de Loos schrieb an Charlotte Knobloch: Dieser Vorfall sei ein Beweis mehr für den abscheulichen Antisemitismus.

Zeugen gibt es bisher nicht, die Tat lässt sich auch zeitlich nicht eingrenzen, wie Günther Beck, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, sagte. Das Personal der KZ-Gedenkstätte hatte den Übergriff gar nicht bemerkt. Beck zufolge fotografierte eine jüdische Besuchergruppe aus Frankreich die beschädigten Gedenktafeln und stellte die Bilder vor einer Woche ins Internet. Am Freitag wurde dann die Gedenkstätte informiert. Wie der Stiftungsdirektor sagte, ist der Schaden auf den ersten Blick gar nicht erkennbar. Die Davidsterne auf den kleinen Holztafeln haben die Größe einer Münze. Die Gedenkstätte habe den Gedenkraum vorläufig geschlossen und lasse die Tafeln originalgetreu instand setzen. Die Kripo Fürstenfeldbruck ermittelt unterdessen in alle Richtungen. Wie Beck sagte, kann ein antisemitischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden. Den halten die Ermittler gegenwärtig aber eher für unwahrscheinlich, wie der Polizeisprecher sagte. Der Vorfall weise nicht das gängige Muster judenfeindlicher Übergriffe auf. Es könne sich bei dem Täter auch um einen Souvenirjäger oder um einen Schülerhandeln.