Klosterhofserenade Altomünster Der Himmel über Martinique

Die dunklen Wolken über der Marktgemeinde taten der sommerlichen Stimmung im Klosterhof von Altomünster keinen Abbruch.

(Foto: Toni Heigl)

Das charmante Quintett "Moi et les autres" weckt mit seiner Mischung aus Chanson, Jazz und Swing Fernweh im Klosterhof

Von Dorothea Friedrich, Altomünster

Der Kulturförderkreis Altomünster hatte am Sonntag zu seiner alljährlichen Klosterhofserenade geladen. Es traten auf: eine wunderbar-harmonische Band mit einer fabelhaften Sängerin. Die Sängerin heißt Juliette Brousset, die Band Moi et les autres, das Programm "Départ - Abfahrt". Da umwehte mehr als ein laues Lüftchen den sonst so stillen Klosterhof. Denn das Quintett hatte jede Menge Chanson, Jazz und Swing im Gepäck. Eric Dann ist ein begnadeter Akkordeonist, Simon Ostheim ein empathischer Drummer, Andreas Büschelsberger ein versierter Bassist und David Heintz ein begeisternder Gitarrist. Juliette Brousset spielt mit ihrer Stimme, ist scheinbar immer im Aufbruch. Allüren sind ein Fremdwort für sie.

Mit ihrer erfrischenden, einnehmenden Art führt sie durchs Programm, erzählt mit viel Humor auf deutsch, was sie auf französisch singt. Da geht es - ganz programmgemäß - um dieses Gefühl von "Ich muss hier raus, ich will was Neues erleben, will andere Menschen, andere Landschaften kennenlernen", kurz: "Ich will mich fühlen wie ein Tourist im Sommer". So fühlen sich die "Musiciens", die Musiker, womöglich nicht immer in ihrem "Chanson-Mobil", in dem sie einen Großteil ihres Lebens verbringen. Auch davon singt Juliette Brousset. Das Musiker-Quartett spielt dazu so witzig, gekonnt tapsig, dass der Dschungelbuch-Bär Balou vor dem inneren Auge ein Tänzchen hinlegt. Überhaupt Tanzen: Das geht bei den Musette-Walzermelodien fast wie von selbst. Genauso wie Mitklatschen und Mitsummen oder -singen. Letzteres vielleicht eher weniger, weil es die französische Sprachbarriere zu überwinden gilt.

Die ist jedoch das einzige Hindernis zwischen Musikern und Publikum. Ihr lockeres, zugewandtes Auftreten, der Spaß am modernen Spiel zwischen alten Klostermauern sorgt schnell für "good vibrations" im Publikum. Das Quintett braucht eigentlich weder Mikro noch Verstärker. Eine Melodica, drei kleine Ukulelen und eine große Stimme reichen für ein Hörerlebnis der leiseren Art. Schließlich gibt es als Hintergrundmusik ja noch jede Menge Vogelgezwitscher in den alten Bäumen. Das hört man im realen Leben auf dem liebevoll besungenen Eiffelturm oder in der chaotischen Metro der französischen Hauptstadt weniger. Dort herrscht eher "Le Tourbillon de la vie - der Wirbel des Lebens". Das Lied vom Suchen, Finden und Verlieren der Liebe hat eine damals noch sehr junge Jeanne Moreau in François Truffauts Filmklassiker "Jules et Jim" gesungen. Juliette Brousset malt in ihren Chansons Pariser Szenarien, lebt große und kleine Gefühle aus und kann unglaublich poetisch sein. Schließlich sind fast alle Stücke Eigenkompositionen von "Moi et les autres".

Ein besonders lyrisches heißt "La Rievière - der Fluss" und geht so: "Deine Augen sind blau wie der Fluss - ich möchte darin für immer schwimmen". Da wird nicht nur den Blauäugigen im Publikum warm ums Herz. Zumal es allmählich dämmert, ein paar Windlichter flackern, Altomünsters Wahrzeichen, der Turm von Sankt Alto und Santa Birgitta im Scheinwerferlicht strahlt und die Band unaufdringlich, aber erfolgreich zum Mitmachen auffordert. Fröhlich geht es zu, fast ausgelassen vor den leeren Klostergebäuden. Wären da nicht die ersten Regentropfen. Musiker und Helfer decken Instrumente und Equipment ab. Juliette Brousset singt weiter, David Heintz gewährt seiner Gitarre keine Regenschonzeit: "Non je ne regrette rien - ich bedauere nichts", Edith Piafs Hymne an das Leben, wird zum Höhepunkt des Abends. Oder doch nicht? Es tröpfelt nur noch - und die Band packt noch einmal aus und an: "Le ciel est là - der Himmel ist da". In Altomünster und auf den französischen Übersee-Inseln Martinique, La Réunion und Guadeloupe. Schließlich ist dort ewiger "Frühling - Printemps". Da werden am nur temperaturmäßig kalten Ende eines ausnehmend schönen und stimmigen Konzerts Frühlingsgefühle wach - und Fußballfans haben den suboptimalen WM-Auftakt der Nationalmannschaft längst abgehakt.