Kinderbetreuung Besorgte Eltern

Die Gemeinde Karlsfeld wächst rasant. Wegen des starken Zuzugs gibt es zu wenige Betreuungsplätze für Kinder. Die Kommune arbeitet an Lösungen, versichert Bürgermeister Kolbe in der Bürgerversammlung

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Die Verzweiflung ist groß bei einigen Karlsfelder Eltern: Drei Monate vor dem Start ins nächste Schuljahr fehlen noch immer Hort- und Kindergartenplätze. Für die Berufstätigen ist das eine Katastrophe. "Was sollen die Eltern machen, wenn sie keinen Hortplatz bekommen?", fragt Kati Somogyi-Thoma ratlos. "Der Wohnraum in Karlsfeld ist so teuer, dass beide Eltern arbeiten müssen. Da müssen doch Betreuungsplätze da sein", sprang ihr Annette Habicht bei. Die Kinderbetreuung war in der Karlsfelder Bürgerversammlung das beherrschende Thema. "Soll mein sechsjähriges Kind von September an ohne Mittagessen nachmittags auf der Straße stehen?", klagte Somogyi-Thoma. Sie habe gehört, dass 40 Familien auf der Warteliste für einen Platz in Hort oder Mittagsbetreuung stünden. "Ein Großteil davon hat bereits einen Platz", versuchte Bürgermeister Stefan Kolbe die Wogen zu glätten. "Wir arbeiten unter Hochdruck an einer Lösung vor allem für die Kindergartenplätze", versprach er. Er wisse, wie groß die Sorgen der Eltern seien. Momentan sei dies Dauergespräch im Rathaus.

Nicht alle Kinder werden im September gut betreut spielen können.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Ein paar Kinder könnten auch auswärtige Einrichtungen nutzen, wie die Turbinchen von MAN. Der Zuzug in der Gemeinde sei einfach enorm. Und durch die starke Nachverdichtung in den Kerngebieten, wo etliche Häuser verkauft wurden und nun statt einem Einfamilienhaus plötzlich Wohnraum für acht Familien geschaffen werde, sei die Zahl der Kinder für die Gemeinde kaum noch abzuschätzen, erklärte Kolbe den Mangel. 2016 habe die Gemeinde 230 Kinder gehabt, ein Jahr später waren es schon 35 mehr. "Wie kann man das kalkulieren?", fragte er. Etwa 1500 Kinderbetreuungsplätze gibt es derzeit in Karlsfeld, vor zehn Jahren waren es gerade mal halb so viele. Die Gemeinde mache, was sie kann, versicherte der Bürgermeister. Doch neben der Kalkulation habe man mit stetig steigenden Kosten zu kämpfen und einer leeren Gemeindekasse. Momentan gibt die Kommune etwa sechs Millionen jährlich allein dafür aus.

Die Wichtelburg wird aufgelöst.

(Foto: Toni Heigl)

Außerdem sei es sehr schwierig Personal zu finden. "Der Markt ist leergefegt", erklärte Kolbe. "Die Konkurrenz ist stark. Woanders werden Antrittsprämien gezahlt." Doch das könne sich Karlsfeld nicht leisten. "Wir sind am Limit. Für den Hort kriegen wir kein Personal bis September." Deshalb habe sich die Gemeinde kurzfristig entschlossen, in das Provisorium keinen viergruppigen Hort, sondern eine Mittagsbetreuung einzurichten und vier Kindergartengruppen. Letztere könnten voraussichtlich im Oktober starten, zumindest eine oder zwei, so Kolbe. Das hänge davon ab, wann die Container bereit seien. Der Bau eines neuen Kinderhauses dauere auf jeden Fall sehr viel länger - mindestens zwei Jahre, deshalb habe man sich für diesen Weg entschieden. "Die Gemeinde versucht schnell zu reagieren, sich zu recken und zu strecken, um Lösungen zu finden", betonte er und erntete dafür viel Applaus von den Karlsfeldern. Er dankte auch dem Förderverein, der die Mittagsbetreuung organisiert, dafür, dass diese künftig 90 Kinder beaufsichtigt. "Das ist eine Riesenaufgabe, die zu schultern ist." Er hoffe, auch den restlichen Familien, die noch keinen Platz bekommen konnten, bald ein Angebot machen zu können.

Susanne Schmidt wollte wissen, warum man bei der Planung des Kinderhauses "Glücksklee" nicht gleich auch einen Hort einkalkuliert habe. Die Kleinen würden ja schließlich wachsen und irgendwann diese Betreuung brauchen. Das sei doch vorhersehbar. "Die Menschen, die hier wohnen, sind so glücklich, die verschwinden nicht einfach wieder", sagte sie. Kolbe erklärte, dass man derartige Einrichtungen lieber nah an der Schule eröffnen wolle, damit die Kinder einen kurzen Weg haben. "Für die Betreuung der Schulkinder müssen wir noch Lösungen finden, bis die Verbandsgrundschule 2022 fertig ist." Denn dann werden die Eltern auf die Ganztagsklassen zurückgreifen können. Ab Ostern will die Gemeinde auch eine Ferienbetreuung anbieten für die Eltern, die nicht 14 Wochen im Jahr Urlaub haben, kündigte Kolbe an.

Pascal Schmidt vom Elternbeirat des Kindergartens Schatzinsel monierte die Verkehrsplanung vor der Einrichtung und forderte die Gemeinde auf, etwas zu ändern. "Wir brauchen kein kleines Kind, dass vom Laster überfahren wird", sagte er. Die Tempo-30-Zone ende genau vor dem Kindergarten und es gebe keine Achtung-Kinder-Schilder. Überall parkten Lastwagen, obwohl es verboten sei, aber keiner kümmere sich darum. Es sei regelrecht gefährlich für die 90 Kinder, die dort betreut würden. Der Gehweg sei schmal, die Bordsteinkanten so hoch, dass die Kinder fast aus den Wagen fielen. "Wir haben schon Unterschriften gesammelt", sagte Schmidt. Kolbe versprach, dass er sich die Situation mit der Polizei zusammen anschauen werde. Susanne Schmidt forderte zudem, dass die Gemeinde Markisen oder ein Sonnensegel für den Außenbereich des Kindergartens anschaffen solle, denn es gebe fast keinen Schatten dort. "Die Kinder können das tolle Klettergerüst nicht nutzen, sie müssen im Sommer drinnen spielen, weil sie in der Hitze kollabieren würden", erklärte sie. Auch da versprach der Bürgermeister Abhilfe.

Der Bau des Kinderhauses westlich der Bahn geht unterdessen dem Ende entgegen, berichtete Kolbe. Und die Räume der Mooshüpfer müssten heuer saniert werde. Grund ist der Brandschutz. "Das kostet uns einen Haufen Geld."