Karlsfeld Tatort Kanzlerduell

Ein Karlsfelder regt sich offenbar über Peer Steinbrück so auf, dass er eine Waffe zieht und damit einen Großeinsatz auslöst.

Von Viktoria Großmann

Das TV-Duell zur Bundestagswahl verfolgte nicht jedermann so ruhig wie die Zuschauer in dieser Kölner Wirtschaft.

(Foto: dpa)

Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat der SPD, hat schon viele verärgert. Das zeigen seine Umfragewerte. Eine verhältnismäßig harmlose Form der Ablehnung ist das, im Vergleich zu der, die ein Fernsehzuschauer in Karlsfeld am Sonntagabend zeigte. Während das Rededuell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Steinbrück im Fernsehen lief, zog der 56-Jährige plötzlich eine Waffe und fuchtelte damit vor den Augen seiner Ehefrau und des erwachsenen Sohnes herum.

Was den Mann so in Rage gebracht hatte, war nach Aussagen seiner Familie eine Äußerung Steinbrücks während der 93 Minuten dauernden Fragesendung gewesen. Darin ging es um Griechenland, um die Staatsverschuldung, um die feinen Unterschiede zwischen Mindestlohn (SPD) und Lohnuntergrenze (CDU). Gegen neun ist das Thema PKW-Maut mit schönen Grüßen Steinbrücks an den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) abgehakt. Merkel bekennt, gegen die Maut zu sein. Halb zehn fragen die Moderatoren nach Merkels Haltung zur Atomkraft.

Etwa um diese Zeit verständigt die Familie des Karlsfelders die Polizei. Zuvor hatte sich Steinbrück an das Thema Pensionskürzungen getraut und Merkel ihre Chance genutzt, den Beamten, wie Polizisten und Feuerwehrleuten, ihre Solidarität kundzutun. In Karlsfeld fürchten Ehefrau und Sohn, dass der Mann sich etwas antut. Dieser habe in der Vergangenheit gesundheitliche Probleme gehabt, sagt ein Sprecher der Polizei Oberbayern in Ingolstadt. An diesem Abend habe er außerdem Alkohol getrunken. Dass psychische Probleme die Ursache seien, wollte der Sprecher nicht bestätigen. Als Frau und Sohn das Haus verlassen, ist der Mann mit seiner Waffe in den Keller gegangen, wo er sich einen Raum mit einem Notlager eingerichtet hat. Die Polizisten stellen später fest, dass er einen aufgebohrten und geladenen Schreckschussrevolver bei sich hat, der durchaus Menschen verletzen kann.

Dass der Mann diese Waffe besitze, sei der Familie wohl nicht bekannt gewesen, sagt der Polizeisprecher. Jedoch wussten sie, dass er mehrere Luftgewehre, ein nicht funktionstüchtiges Jagdgewehr, sowie einen alten Vorderlader besaß. Da zunächst nicht klar ist, welcher Art die Waffe ist und wie gefährdet der Mann ist, fordert die Streife ein Sondereinsatzkommando an. Das versucht, telefonisch Kontakt zu dem Mann aufzunehmen. Als das nicht gelingt, entschließt sich das SEK gegen zwei Uhr morgens, das Haus zu stürmen.

Den 56-Jährigen findet sie schlafend in seinem Kellerraum. Den aufgebohrten Schreckschussrevolver trägt er bei sich. Dessen Besitz ist natürlich nicht erlaubt. Der Karlsfelder muss sich dafür verantworten. Seine Ehefrau und den Sohn habe er allerdings nicht ernsthaft in Gefahr gebracht, sagt die Polizei. Festgenommen hat sie den Mann nicht, auch, weil er sich kooperativ gezeigt und freiwillig den Rest der Nacht außerhalb seines Wohnhauses auf Abstand zu seiner Familie verbracht habe.