Flüchtlinge Großeinsatz in der Karlsfelder Traglufthalle

Weil alle Türen gleichzeitig geöffnet wurden, fiel das Zelt in sich zusammen.

(Foto: THW)

Nach einem Streit zwischen Bewohnern wird die Unterkunft geräumt - und sackt in sich zusammen.

Von Viktoria Großmann, Karlsfeld/Bergkirchen

Die Traglufthalle in Karlsfeld, in der zur Zeit etwa 250 Flüchtlinge leben, ist am Dienstagabend erneut eingestürzt. Polizei, Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk (THW) fuhren mit mehreren Einsatzwagen vor. In der Halle war es zum Streit zwischen anfangs zwei Bewohnern gekommen, in den sich offenbar drei weitere einmischten. In der Folge verließen mehrere Bewohner gleichzeitig die Halle über sämtliche Notausgänge.

In solchen Fällen kommt es zu einem Druckabfall und das Zeltdach senkt sich ab. Bei der Schlägerei verletzten sich vier Personen, zwei konnten ambulant behandelt werden, zwei wurden ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei nahm drei der Beteiligten fest. Gegen sie wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

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"Mit ein bis zwei Streifen können wir da nichts ausrichten"

Gegen 19 Uhr verständigte der Sicherheitsdienst, der rund um die Uhr in der Unterkunft ist, die Polizei. Wie das Polizeipräsidium Oberbayern mitteilt, waren Bewohner verschiedener Herkunft in Streit geraten. Sie schlugen sich offenbar, dabei wurden Stühle und Tische umgeworfen, eine Trennwand fiel um. Im Einsatz waren insgesamt 50 Polizisten, die von der Polizei Dachau, dem Einsatzzug Erding, der Bereitschaftspolizei und der Münchner Polizei zusammengezogen wurden.

Wie Polizeioberrat Hans-Peter Kammerer erklärt, sei zunächst nicht klar gewesen, wie viele Menschen an der Auseinandersetzung beteiligt sind. Aus den Erfahrungen mit früheren Vorfällen in Massenunterkünften rücke man vorsichtshalber mit so vielen Kräften an, wie verfügbar, erklärt er. In der Traglufthalle wie auch in der Berufsschulturnhalle in Dachau kam es bereits mehrmals zu Streit unter den Bewohnern, bei denen die Polizei eingreifen musste. "Mit ein bis zwei Streifen können wir da nichts ausrichten", sagt Kammerer.

Sechs Leute auf zwölf Quadratmetern

Die Bewohner der Unterkünfte leben auf engstem Raum zusammen. Sechs Leute teilen sich jeweils etwa zwölf Quadratmeter. In der Traglufthalle gibt es keine Fenster und daher kein Tageslicht und keinen nennenswerten Außenbereich, in dem sich die Menschen aufhalten könnten. Bewohner klagen sowohl über Beschäftigungslosigkeit, wie auch über Schlaflosigkeit, da besonders in der Traglufthalle auch kleinste Geräusch akustisch sehr verstärkt werden und zugleich ein ständiges Surren von dem Mechanismus zu hören ist, der den Druck in der Halle konstant hält, sodass diese nicht einstürzt.

Um das zu verhindern, sollen niemals alle Türen gleichzeitig benutzt werden und nicht zu viele Menschen auf einmal die Halle verlassen oder betreten. Dazu müssen sie zwei Türen passieren.

Drei der Streitenden vorläufig festgenommen

In Fällen wie am Dienstagabend lässt es sich jedoch nicht vermeiden, dass alle Türen benutzt werden. Wie Wolfgang Reichelt, Sprecher des Landratsamtes, sagt, hätten viele Bewohner die Halle von sich aus verlassen, um nicht in den Streit hinein gezogen zu werden. Zugleich habe der Sicherheitsdienst die Menschen aufgefordert, die Halle zu verlassen. Dadurch senkte sich das Zeltdach ab. Die Hülle wurde beschädigt, als sie auf verschiedene Einrichtungsgegenstände fiel. Das THW kümmerte sich um die Reparatur von Trennwänden im Wohnbereich der Halle und an der Hülle der Traglufthalle.

Laut Polizei waren innerhalb von 45 Minuten Ordnung und Sicherheit wieder hergestellt, es dauerte jedoch mehr als zwei Stunden, bis alle Bewohner zurück in die Unterkunft konnten. Die Polizei nahm drei der Streitenden vorläufig fest und befragte sie noch in der Nacht. Wie auch in den bisherigen Fällen von Auseinandersetzungen ermittelt nun die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck.

Eine dritte Traglufthalle soll noch im Januar aufgestellt werden

Wenige Stunden vor dem Vorfall in Karlsfeld war am Nachmittag in Bergkirchen eine weitere Traglufthalle eingeweiht worden. Anfang nächster Woche sollen die ersten Bewohner in die Unterkunft im Gewerbegebiet Gada einziehen. Die Halle wurde von einem Geistlichen gesegnet. Etwa 300 Menschen kamen zur Eröffnung und besichtigten die Halle. Bislang leben 52 Asylbewerber in der Gemeinde, um die sich ein Asylhelferkreis kümmert. Eine dritte Traglufthalle soll noch im Januar an der Theodor-Heuss-Straße in Dachau aufgestellt werden.

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