Karlsfeld Auf der Straße

Mit einem Warnstreik auf der B 304 demonstrierten 7000 Beschäftigte aus der Metall- und Elektroindustrie für höhere Löhne. Sollte es bis Pfingsten keinen Tarifvertrag geben, dann werden Münchens Betriebe lahmgelegt.

Von Gregor Schiegl

Unmittelbar vor Beginn der vierten Tarifrunde für die bayerische Metall- und Elektroindustrie haben Tausende Beschäftigte mit Warnstreiks den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. Am Donnerstag versammelten sich etwa 7000 Beschäftigte von MAN, MTU, Krauss-Maffei, Meiller, Ruag, GKN und Apparatebau Gauting zu einer Kundgebung auf der B 304. Die Hauptverkehrsader aus dem Landkreis Dachau nach München war für rund drei Stunden gesperrt. Die Polizei leitete den Verkehr großräumig über die Bajuwarenstraße und die Allacher Straße um.

Trommeln für mehr Rechte: Wegen der Protestaktion von MAN, MTU, Krauss-Maffei, Meiller, Ruag, GKN und Apparatebau Gauting auf der B 304 wurde der Verkehr großräumig umgeleitet.

(Foto: joergensen.com)

Die Warnstreiks bei Karlsfeld gehörten nach Angaben der IG Metall zu den größten Aktionen. Bayernweit rief die Gewerkschaft am Donnerstag 35 000 Beschäftigte zu Protesten auf. "Die Uhr läuft ab", warnte Horst Lischka, erster Bevollmächtigte der IG Metall München. "Wenn es bis Pfingsten keinen unterschriebenen Tarifvertrag gibt, werden Münchens Betriebe lahmgelegt."

Die IG Metall fordert von den Arbeitgebern 6,5 Prozent mehr Lohn, ein Vetorecht des Betriebsrats bei Leiharbeit sowie die unbefristete Übernahme der Beschäftigten nach der Ausbildung. Die Arbeitgeber boten 3 Prozent für 14 Monate, die übrigen Forderungen der Gewerkschaft lehnten sie ab. Am Donnerstagmittag waren IG Metall und Arbeitgeber im Kloster Fürstenfeld (Fürstenfeldbruck) zu den Tarifverhandlungen zusammengekommen, konnten sich aber erneut nicht einigen.

Wer im Kloster sitzt und die Leute bescheißt, kommt mit Sicherheit nicht in den Himmel", sagt Lischka auf der Kundgebung. An die Vorstände der großen Münchner Konzerne Siemens, BMW, MAN, MTU, Linde und Kraus-Maffei appellierte er, einen Führungswechsel an der Spitze des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie herbeizuführen. "Verräumen Sie die Wadlbeißer in die Wüste!" Die IG Metall wolle keinen Arbeitskampf, sei aber notfalls bereit dazu. In den vergangenen Monaten habe die Gewerkschaft regen Zulauf erfahren. "Die Streikkassen sind gut gefüllt."

MAN-Betriebsratsvorsitzender Jürgen Dorn nannte das Angebot des Arbeitgeberverbands von drei Prozent mehr Lohn "eine bodenlose Frechheit". Es könne nicht sein, "dass alles teurer wird, und die Einzigen, die sich die Taschen vollmachen, sind die Manager." Im Raum München hätten sie sich eine Gehaltserhöhung von fünf bis sieben Prozent erlaubt. Dabei gehe es um Summen, "das habt ihr nicht mal als Jahresgehalt". Den Gewinn der Konzerne hätten aber nicht die Manager erzielt, "das waren wir!" Athanasios Stimoniaris, Vertrauenskörperleiter bei der MAN: "Den Karren haben wir aus dem Dreck gezogen. Ohne uns wären die pleite."

Stimoniaris betonte, dass die Übernahme der Azubis und die Besserstellung der Leiharbeiter Kernforderungen der Arbeitnehmer seien. "Wir werden als erstes für die Jugend kämpfen", erklärte er. Es sei "eine Schweinerei", wenn die Arbeitgeber die Jugend schlichtweg vergesse. Gleich an zweiter Stelle kämen die Leiharbeiter, die trotz gleicher Arbeit in vielerlei Hinsicht schlechter gestellt sind als die Mitarbeiter der Stammbelegschaft.

Es kann nicht sein, dass sich hierzulande eine Zwei-Klassen-Gesellschaft herausbildet." Die Leiharbeiter seien keine ungelernten Kräfte, sondern Akademiker und Facharbeiter. "Wer meint, er könne seine Profite auf Kosten der Menschen in den Fabriken machen, hat sich geschnitten."