Kabarett Bissiges Goldkehlchen

Nicht nur in Schwabhausen löst Martin Frank beim Publikum stürmische Begeisterung aus.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Nachwuchstalent Martin Frank überzeugt auf der Kleinkunstbühne Schwabhausen mit feinem Humor und wunderbarem Gesang

Von Renate Zauscher, Schwabhausen

Nachwuchstalente in der Kabarettszene sind rar - und sie haben es auch oft nicht leicht: Das Publikum kommt, wenn bekannte Kabarettgrößen auf der Bühne stehen, und die Veranstalter setzen ebenfalls auf zugkräftige Namen, mit denen sich die Säle füllen lassen.

Einer, der dabei ist, trotz jugendlichem Alter von gerade mal 25 Jahren zu einem der Bekannten und Begehrten seines Fachs zu werden, ist Martin Frank. Im Herbst soll er mit dem Bayerischen Kabarettpreis 2018 ausgezeichnet werden und zwar mit dem Senkrechtstarter-Preis; auch verschiedene andere Preise wie den "Salzburger Sprössling" oder den "Goldenen Stuttgarter Besen" hat Frank bereits bekommen. Mit seinem Soloprogramm "Alles ein bisschen anders - vom Land in d'Stadt" war Martin Frank am Sonntag in Schwabhausen in der Post zu Gast und begeisterte dort ein großes Publikum.

Martin Frank stammt aus dem nicht eben großen Ort Hutthurm bei Passau und als er vor ein paar Jahren nach München zog, um Schauspiel und Gesang zu studieren, war tatsächlich erst einmal "alles ein bisschen anders" für den Landwirtssohn und gelernten Verwaltungsfachmann. Zuhause hatten Rindviecher, Schweine und Hühner oberste Priorität, jetzt musste sich der junge Mann mit dem Traum von der Künstlerkarriere in einer Welt zurecht finden, in der ganz andere Dinge wichtig sind. Kein selbstverständliches "Grüß Gott" mehr auf der Straße, kein unverbindliches Gespräch mehr mit Fremden irgendwo unterwegs. Im Gegenteil: Wer das Gespräch mit Headset seines Gegenübers in der U-Bahn auf sich selbst bezieht und freundlich antwortet oder sich in Gespräche anderer ungefragt einmischt, läuft Gefahr, für ziemlich sonderbar, wenn nicht gar für eine Art Stalker gehalten zu werden. Daheim, da war die Oma, die klare Werte fürs Leben vermitteln konnte, jetzt musste der Enkel sehen, wie er sich in eine Welt "integrieren" konnte, in der die Menschen so ganz anders ticken als auf dem Land.

Martin Frank schildert die "Gratwanderung", die nötig war, um mit den "Stadterern" auszukommen, in schönstem Niederbairisch, mit feinem Humor. Vordergründig geht es dabei um die eigene Befindlichkeit, gleichzeitig aber werden immer wieder gezielt Spitzen abgefeuert gegen eine Gesellschaft von nur noch per Handy oder Internet miteinander verbundener und von Ernährungsfragen besessener Einzelgänger.

Nicht nur sein Dialekt und sein unverstellter Blick auf die Umgebung zeichnen Martin Frank aus - ein Drittes kommt noch hinzu: Dank seines Gesangstudiums kann er seine Texte immer wieder mit prächtigen Passagen aus Opern, Operetten oder auch dem ein oder anderen Gassenhauer anreichern. Selbst den fliegenden Wechsel zwischen zu Herzen gehenden Gesangspartien und ironisierenden Zwischentexten bekommt er mühelos hin.

Man würde Martin Frank wünschen, dass er nicht nur auf der Kabarettbühne sondern auch mit seinem schönen, kräftigen Bariton Karriere macht - aber danach sieht es erst einmal nicht aus: Er bleibt beim Kabarett - und beschäftigt sich in seinem zweiten Soloprogramm, mit dem er ebenfalls schon unterwegs ist, mit den Widrigkeiten des täglichen Lebens und den großen Fragen: Wie beende ich mein Single-Dasein? Und wie soll ich die horrende Miete für ein nur winziges Kämmerchen in der Stadt aufbringen?

Vom Herbst an steht Martin Frank nicht nur mit seinem aktuellen Soloprogramm sondern auch gemeinsam mit Franziska Wanninger auf der Bühne: Premiere ist am 18. Oktober im Schlachthof. In Schwabhausen hat das Publikum den Senkrechtstarter mit großem Beifall gefeiert: Es ließ sich von seinem jugendlichen Charme, seinen Pointen und immer wieder auch seinen Gesangseinlagen begeistern. Per Handschlag verabschiedete sich Frank zuletzt an der Tür von seinem Publikum und bekam immer wieder ganz viel Lob zu hören. Der für ihn vielleicht wichtigste Satz aus den Reihen der Zuhörer: "Der Mann hat noch enormes Potenzial."