Jugendsozialarbeit Schnittstelle Schule

Warum Sozialarbeit für junge Menschen so wichtig ist

Der Klassiker der Jugendhilfe überhaupt ist für Ulrich Wamprechtshammer und Steffi Weinhold die Jugendsozialarbeit an Schulen. Dann ist das Kreisjugendamt mit Sozialpädagogen an den Schulen des Landkreises direkt präsent. Dann befinden sie sich an der entscheidenden Schnittstelle, an der Probleme entstehen oder auch verstärkt auftauchen.

Zum besseren Verständnis wählen die beiden den hinlänglich bekannten Schulversager oder Schulverweigerer aus. Im landläufigen Sinn gilt er als renitent oder aufrührerisch. Er gibt vor, krank zu sein. Bauchweh ist sehr beliebt. Er kann sich nicht an Regeln halten. Er wird leicht aggressiv und gerät in einen Teufelskreis aus Fehlverhalten und entsprechenden Erwartungen von Schülern und Lehrern. An der Stelle kommt der Sozialpädagoge mit besonderer Qualifikation in der Jugendpädagogik ins Spiel. Er sucht die Eltern auf und appelliert an deren Bereitschaft, mit ihm gemeinsam zu erreichen, dass deren Kind wieder in die Schule geht und auch bereit ist zu lernen.

Die Ursachenanalyse führt allerdings in sehr vielen Fällen zu einem bedrückenden Ergebnis. "Denn die Schulverweigerung ist meistens Ausdruck einer familiären Konstellation", sagen Wamprechtshammer und Weinhold. Weniger abstrakt: Wenn Kinder nicht mehr zur Schule gehen wollen, muss man wissen, was mit den Eltern los ist. Die Ergebnisse erstaunen. Denn in vielen Familien findet eine Art Rollentausch statt. Die Kinder fühlen sich beispielsweise für die Mutter verantwortlich, weil sie krank ist oder hilflos wirkt oder auch trinkt. Dann wagt sich das Kind nicht mehr an die Schule und täuscht eine Krankheit vor. Gleichzeitig beanspruchen Eltern ihr Recht auf Anweisungen. "Und dann fliegen die Fetzen." Um die wahren Gründe herauszufinden, brauchen die Sozialpädagogen Zeit und Geduld.

Die Schule ist also der Ort, der nach Überzeugung aller Experten mit 90 Prozent aller Probleme von Kindern direkt oder indirekt zu tun hat. Deshalb halten Wamprechtshammer und Weinhold die Jugendsozialarbeit an Schulen für enorm wichtig. Deshalb wollen beide nochmals versuchen, ein Missverständnis auszuräumen, das ihnen in ihrer täglichen Arbeit ständig begegnet und das anscheinend auch der Kreistag in seiner Dimension nicht wirklich verinnerlicht hat, wie kürzlich eine Debatte des Jugendhilfeausschusses belegte.

"Jugendsozialarbeiter sind keine Zuarbeiter der Lehrer", sagt Wamprechtshammer. "Sie sind keine Kräfte, die als Teil eines Ganztagsangebots am Nachmittag Kurse anbieten." Tatsächlich sind sie an der Schule, um über die Probleme von Kindern frühzeitig auf innerfamiliäre Auseinandersetzungen aufmerksam zu werden. Wamprechtshammer: "Es ist besser, wenn wir schnell einschreiten können, als zu warten, bis Eltern mit schier unlösbaren Verwicklungen fünf Jahre später zu uns ans Jugendamt kommen." Deshalb wiederholt Wamprechtshammer nochmals: Jugendsozialarbeiter sind nicht dazu da, in den Unterricht oder das Schulleben eingebunden zu werden.

Der Jugendhilfeausschuss des Kreistags verweist übrigens gerne auf die Zuständigkeit des Freistaats und des Kultusministeriums für die Schulsozialarbeit. Darin liegt das große Missverständnis. Denn die Experten des Jugendamts sind keine Erzieher, die schulische Angebote beispielsweise nachmittags ergänzen. Der Jugendhilfeausschuss liegt etwas daneben, wenn sie das Kultusministerium in die Pflicht nimmt: Jugendsozialarbeit ist eine ureigene kommunale Aufgabe. Dafür wird der Landkreis noch viel Geld aufwenden müssen.