Initiative zum Weltparkinsontag Immer in Bewegung bleiben

"Gemeinsam kann man sich besser motivieren": Der an Parkinson erkrankte Karl Walter sucht weitere Betroffene, die in einer Selbsthilfegruppe Erfahrungen austauschen und zusammen etwas unternehmen wollen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Parkinson ist eine erschreckende Diagnose, die viele gern geheim halten wollen. Von der Krankheit ist auch Karl Walter betroffen. Der Karlsfelder will jetzt eine Selbsthilfegruppe gründen

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Wenn das große Zittern beginnt, ziehen sich viele in die eigenen vier Wände zurück. Parkinson ist eine erschreckende Diagnose, die viele gern geheim halten. Aus Angst davor, dass ihr Körper ihnen plötzlich nicht mehr gehorcht, sie einfach nur bewegungsunfähig dastehen oder unkontrolliert anfangen zu zittern, vereinsamen sie langsam. Nur wenige trauen sich, offensiv mit dem so genannten Tremor in die Öffentlichkeit zu gehen und zu ihrer unheilbaren Krankheit zu stehen. Karl Walter ist einer von ihnen. Der Karlsfelder bekam vor drei Jahren die niederschmetternde Diagnose. Aber er will sich nicht unterkriegen lassen. Anlässlich des Weltparkinsontags an diesem Mittwoch hat er sich überlegt, eine Art Solidargemeinschaft in Karlsfeld zu gründen.

Ziel soll sein, dass man miteinander Erfahrungen austauschen kann, Wissenswertes erfährt, aber auch, dass man gemeinsam durch Singen, Tanzen oder Walken in Bewegung bleibt, um das Krankheitsbild zu verbessern oder die schleichende Verschlechterung aufzuhalten. "Dem Parkinson wegzulaufen ist möglich", sagt Walter. Nur allein sei man oft schwach. Die Krankheit beinhalte nämlich nicht nur das typische Zittern oder die Starre, sondern eben auch Gliederschmerzen, die die Patienten dazu verführen, morgens lieber liegen zu bleiben und die wichtigen ergotherapeutischen Übungen zu vernachlässigen. Doch gemeinsam könne man sich besser motivieren, weiß der 75-Jährige. Das habe er bereits bei der Regionalgruppe München gemerkt und sich vorgenommen, nun auch in Karlsfeld eine solche zu initiieren. Wie viele Parkinsonkranke es in der Gemeinde gibt, weiß er nicht. Der Verband habe fünf registriert, doch vom Münchner Neurologen Thomas Gilleßen und der Ergotherapeutin Cornelia Deichsel weiß er, dass es mehr sind.

Vor etwa vier Jahren hat es in Dachau schon einmal eine Parkinsongruppe gegeben, doch der Initiator konnte sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiterführen, ein anderer hat sich nicht gefunden und so löste sie sich wieder auf. Walter hat bereits Interessenten gefunden und freut sich über jeden, der mitmachen möchte. "Wir werden es nehmen, wie es kommt. Es gibt kein Limit. Wenn wir nur zu dritt sind, machen wir trotzdem Treffen", sagt er. Zum Auftakt hat er eine größere Informationsveranstaltung geplant, die aber erst am 21. Juni stattfinden soll. Dann werden Gilleßen und Deichsel Vorträge halten und so über die Bedeutung der Aktivitäten des täglichen Lebens Auskunft geben.

Zuvor ist Walter noch zu beschäftigt. Seit 18 Jahren kümmert sich der ehemalige Offizier der Luftwaffe um das Bayerische Haus in Odessa (Ukraine), ein Projekt des Sozialministeriums, das Walter sehr vorangetrieben hat auf vielerlei Ebenen. So hat er in dem Land, in dem es europaweit die höchste HIV-Infektionsrate gab, für Aufklärung gesorgt, indem er Lehrer für den Präventivunterricht instruierte, Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren zur Vorsicht anleitete, Ärzte und Krankenschwestern ausbilden ließ und eine Beratungsstelle einrichtete. Auch in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht brachte er das Land voran, stieß immer wieder auf Korruption und konnte seine Projekte am Ende doch durchsetzen. "Geht nicht, gibt's nicht", sagt er, und das ist noch immer sein Credo. "Man kann viel tun." Und das gilt auch für sein neuestes Projekt, der Selbsthilfegruppe für Parkinsonpatienten in Karlsfeld. Bürgermeister Stefan Kolbe hat ihm bereits Unterstützung zugesichert.