Landwirtschaft Eine Oase in Bayern

Während andernorts in Deutschland Bauern wegen der Trockenheit die gesamte Ernte verlieren, sieht es in Dachau außergewöhnlich gut aus. Nur bei Weizen und Gerste gibt es ein paar Probleme

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Anton Kreitmair ist vor Kurzem in Norddeutschland gewesen. Der Dachauer Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes konnte kaum glauben, was er auf den Feldern der Kollegen sah: der Boden ausgedorrt, ganze Bestände zerstört. Für einige Bauern fällt die Ernte heuer ganz aus. Das seien die Auswirkungen extremer Trockenheit, sagt Kreitmair. Auch in Nordbayern herrschten teilweise katastrophale Verhältnisse. "Da kommt man gerne in den Landkreis zurück."

Der Landkreis Dachau ist eine Oase in der Wüste. Während Landwirten in Brandenburg wegen einer epochalen Dürre die Ernte um bis zu 50 Prozent wegbricht, dürfte es für die Bauern im Landkreis ein gutes Jahr werden, für einige sogar ein sehr gutes. Kreitmair sagt, bei manchen Früchten komme man über den Durchschnitt. "Der Mais steht besonders gut", sagt Kreitmair. Hier liegt der Durchschnitt bei 50 Tonnen pro Hektar, bei der Zuckerrübe bei 70 Tonnen pro Hektar. Auch beim Getreide dürfte es keine Ausfälle geben. Nur die Wintergerste hat sich im Vergleich zu vergangenen Jahren schlecht entwickelt. "Hier gibt es ein Defizit", sagt Kreitmair. Doch: "Wenn nichts mehr passiert, kann es eine gute Ernte werden." Vor dem Hintergrund der Situation in anderen Regionen sagt er: "Man muss dankbar sein, dass wir im Landkreis heuer so gut wegkommen."

Etwas schlechter als in vergangenen Jahren hat sich bisher lediglich die Wintergerste entwickelt. Probleme sehen die Bauern auch beim Weizen. Die Haupttriebe sind erntereif, die Seitentriebe noch grün. Wenn noch zu viel Feuchtigkeit drin ist, kann man das Korn schlecht lagern.

(Foto: Toni Heigl)

Zwar hat es im April im Landkreis wie vielerorts kaum geregnet. Doch während der Niederschlag in Nord- und Ostdeutschland ausblieb, fiel ab Mai im Landkreis genügend Wasser auf die Erde, sodass sich viele Pflanzen hervorragend entwickeln konnten. Wenn Susanne Offenbeck durch den Landkreis fährt, vorbei an grünen Gärten und Wiesen, staunt sie. "Ein bissal wie in England" kommt sie sich dann vor. Zusammen mit ihrem Mann und Sohn betreibt sie einen Gutshof samt Beerengarten bei Karlsfeld. Insgesamt bewirtschaftet die Familie 107 Hektar, auf der meisten Fläche bauen sie Getreide, Zuckerrüben oder Mais an, aber eben auch Heidelbeeren, Erdbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren, die man direkt auf den Feldern kaufen kann. Diese haben sich prächtig entwickelt. "Es hängt von allem viel dran. Es ist ein reicher Segen", sagt Offenbeck. Sie findet das selbst "außergewöhnlich". Doch die Bedingungen seien für Beeren einfach perfekt gewesen. Viel Regen, nicht zu heiß, aber laue Nächte, keine Fröste im Mai. "Es war sehr ausgewogen." Nur das Getreide habe gelitten wegen der Dürre im April. Aber im Vergleich mit der miesen Ernte in anderen Regionen Deutschlands sagt Offenbeck: "Es ist ein wahnsinniges Glück."

Gleichwohl wollen einige Bauern im Landkreis den Tag nicht vor dem Abend loben. Weizen, Roggen, Mais und viele andere Früchte müssen erst noch runter vom Feld. Ja, es schaue gut aus, sagt Peter Großmann-Neuhäusler. Auf seinem Biohof in Vierkirchen baut er Weizen, Dinkel, Kartoffeln und Zwiebeln an. Doch ob die Ernte wirklich gut werde, zeige sich erst in ein paar Wochen. So sieht das auch Josef Riedlberger, Landwirt und CSU-Kreisrat aus Altomünster. Er berät andere Bauern und hat daher einen guten Überblick über die Lage. Riedlberger will abwarten, bis er bilanziert. Er spricht von einem "sehr differenzierten Bild". Die Wachstumsbedingungen seien grundsätzlich gut, insbesondere Mais habe einen beispiellosen "Blitzstart" hingelegt. Regional gebe es aber deutliche Unterschiede. Zudem müsste das Wetter weiterhin mitspielen. Der Hagel könnte den Landwirten noch in die Quere kommen. Erst vor ein paar Wochen hätten einige Rapsfelder im Landkreis "empfindliche Schäden" davongetragen, sagt Riedlberger. Beim Weizen dagegen stünden die Bauern vor einem ganz anderen Problem. Dieser müsste eigentlich in etwa zwei Wochen geerntet werden. Doch an einigen Stellen ist er noch unreif. Wenn man genau hinschaue, sehe man, "dass es grün durchschimmert", sagt Riedlberger. Das seien die Seitentriebe des Weizen. Diese hätten sich im April zurückgezogen, weil es kaum regnete. Erst Mitte Mai, als der Niederschlag kam, hätten sie angezogen. Die Bauern stünden nun vor der schwierigen Situation, dass man die Haupttriebe bald ernten müsste, aber die Seitentriebe noch viel Feuchtigkeit in sich tragen. "Das Korn ist so nicht lagerfähig, es würde schimmeln."

Die Johannisbeeren in der Rothschwaige bei Familie Offenbeck haben sich in diesem Jahr besonders prächtig entwickelt.

(Foto: Toni Heigl)

Doch grundsätzlich sagt auch Riedlberger: "Man kann sich nicht beklagen." Vor allem vor dem Hintergrund der Nachrichten aus Nord- und Ostdeutschland. Er kennt einige Bauern aus den Regionen, die es heuer hart erwischt hat. Er sagt: "Ich leide mit meinen Kollegen."