Gewalt auf dem Schulweg Brutal getreten und aus dem Bus geschubst

13-Jähriger verletzt Viertklässler im Schulbus schwer - die Mutter des Kindes fordert eine bessere Überwachung, denn was es für ein Kind bedeute auf dem Schulweg geschlagen zu werden, sei vielen Erwachsenen nicht bewusst.

Von Martha Schlickenrieder

Die Mutter ist ratlos. Ihr zehnjähriger Sohn ist vergangenen Montag auf dem Nachhauseweg im Bus von einem Mitschüler verletzt worden. Die Polizei ermittelt gegen einen 13-Jährigen. Obwohl er noch nicht strafmündig ist, soll er eine Strafanzeige wegen Körperverletzung erhalten. Der 13-Jährige soll den Jungen brutal in den Unterleib getreten und an der nächsten Haltestelle aus dem Bus auf die Straße geschubst haben. "Schwere Verletzungen durch stumpfe Gewalteinwirkungen im Unterbauch", lautet das ärztliche Gutachten.

Die Kontrollen in den Bussen sollten verschärft werden, fordert die 34-jährige Mutter. "Der Busfahrer oder wenigstens andere Fahrgäste hätten unbedingt dazwischengehen müssen. Alle schauen zu, aber jeder sieht weg", lautete ihre Anklage. "Das kommt ja öfter vor, dass die Kinder im Bus streiten oder handgreiflich werden, da fühlen sich viele hilflos."

Was es für ein Kind bedeutet, in der Schule oder auf dem Weg dorthin geschlagen oder gehänselt zu werden, sei Erwachsenen meist nicht in vollem Ausmaße bewusst, meint sie. "Die Kinder haben dann Angst, überhaupt noch in die Schule zu gehen, weinen zu Hause und leiden Höllenqualen." Sie appelliert auch an die Greta-Fischer-Schule, der Gewalt vorzubeugen und Präventivprogramme in die Wege zu leiten. "Manche Eltern haben natürlich die Möglichkeit, ihr Kind von der Schule zu nehmen und es auf die städtische Grundschule zu schicken. Wenn ein Kind aber wirklich Förderbedarf hat, dann geht das nicht."

Nun nimmt die engagierte Mutter die Sache selbst in die Hand: Sie hat eine Elterninitiative gegründet, an die sich Eltern wenden können, wenn ihr Kind an der Schule misshandelt oder gemobbt wird. "Sei kein Opfer" heißt die Organisation, die vor allem dem Wohl der Kinder dienen solle - über das genaue Vorgehen müsse in jedem Fall individuell entschieden werden. Hauptsächlich gehe es ihr darum, ein Forum für Eltern zu schaffen, denen es ähnlich geht wie ihr. Dass Kinder täglich Angst haben müssen und sich regelrecht selbst niederschlagen, könne sie nicht dulden.

Dass Gewalt und Bedrohung auch für den Lernerfolg hinderlich sind, weiß Gabriele Oswald-Kammerer, Schulleiterin der Greta-Fischer-Schule, dem sonderpädagogischen Förderzentrum in Dachau. Der 13-jährige Tatverdächtige wird nun zusammen mit seinen Eltern an der Schule Rede und Antwort stehen müssen. Außerdem soll die schuleigene Sozialpädagogin helfen. "Wir versuchen die Kinder über Gewalt aufzuklären und alles dafür zu tun, dass so etwas nicht passiert. Auf dem Schulgelände können wir darauf auch direkt Einfluss nehmen, in den Bussen ist das aber ein Problem."

Die Fahrer von Schulbussen würden darauf geschult, auch auf das zu achten, was hinter ihnen auf den Sitzen passiert, sagt die Schulleiterin. Seit vergangenem Schuljahr stehen diese aber nur noch Schülern bis zur zweiten Klasse zur Verfügung, die größeren müssen den Linienbus nehmen.

Die Stadtwerke bedauern diesen Vorfall natürlich", sagt der Dachauer Abteilungsleiter Verkehrsbetrieb Reinhard Dippold. Der Busfahrer hätte von dem Vorfall nichts mitbekommen. Auch dass der verletzte Zehnjährige an der nächsten Haltestelle einfach aus dem Bus geschubst wurde, hätte wohl niemand bemerkt. "Wir denken nun über schärfere Sicherheitsmaßnahmen nach."

Theoretisch muss ein Busfahrer, wenn er Gewalt im Bus bemerkt, sofort anhalten und die Polizei rufen. Praktisch ist das aber oft nicht der Fall. Den Busfahrern, die sich vor allem auf den Verkehr konzentrieren, entgeht oft das Geschehen hinter ihrem Rücken. Um den Fahrgästen angemessene Sicherheit zu gewähren, sind nun dem Vernehmen nach auch festinstallierte Kameras im Gespräch, die in den Bussen der Stadtwerke die Kontrolle verschärfen sollen.