KZ-Gedenkstätte Höchste Zeit für eine Sanierung

Das Internationale Mahnmal am ehemaligen Appellplatz in der KZ-Gedenkstätte. Ein Bauzaun umgibt die vom Verfall bedrohte Skulptur.

(Foto: Toni Heigl)

Das Internationale Mahnmal von Nandor Glid in der KZ-Gedenkstätte Dachau muss dringend saniert werden. Aber dabei bleibt es nicht - auch historische Bauten auf dem Gelände verfallen zusehends.

Von Helmut Zeller, Dachau

Zum 73. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau am 29. April 1945 werden Vertreter des Comité International de Dachau wieder einhundert Kränze vor dem Mahnmal von Nandor Glid niederlegen - die beeindruckende, riesige Skulptur in der KZ-Gedenkstätte ist jedoch, was viele nicht wissen, in einem desolaten Zustand. "Es besteht keine Gefahr, dass das Mahnmal zusammenbricht", sagt Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann.

Die bewegende Zeremonie kann wie gewohnt stattfinden. Aber einer aktuellen Expertise von Fachleuten zufolge ist es für eine Sanierung höchste Zeit. Und das Beispiel verweist auf ein grundsätzliches Problem, auf dessen Lösung Gabriele Hammermann seit Jahren dringt. Nicht nur sie: auch die Leiter anderer Gedenkstätten wie Flossenbürg oder Bergen-Belsen.

Die pädagogische Arbeit an KZ-Gedenkstätten ist enorm wichtig, die wissenschaftliche Erforschung der Geschichte ebenso - aber dann sind da noch grundlegende Aufgaben, die von der Öffentlichkeit nicht so stark wahrgenommen werden. Dabei geht es um die Sanierung historischer Gebäude und anderer Relikte des Nationalsozialismus, aber auch um die Baudenkmäler aus den Sechziger Jahren. Zum Beispiel das Internationale Mahnmal von Nandor Glid, das 1967, zwei Jahre nach der Eröffnung der Dachauer Gedenkstätte, enthüllt worden ist.

Die Monumente des KünstlersNandor Glid stehen auch in Belgrad, Thessaloniki und Jerusalem.

Die Skulptur auf dem ehemaligen Appellplatz ist weltweit bekannt, man könnte von einem Wahrzeichen des Erinnerungsorts sprechen. Der jugoslawische Künstler Nandor Glid schuf nicht nur das Monument von Dachau. Aber es war sein wichtigstes Werk. Die meisten Angehörigen seiner jüdischen Familie starben in Konzentrationslagern. Seine Monumente stehen auch in Belgrad, Thessaloniki und Jerusalem. Nach dem Zerfall Jugoslawiens fielen er und sein Werk in Ungnade. 1997 starb Nandor Glid fast vergessen.

Um so mehr ist dieser Fall vielleicht geeignet, die politisch Verantwortlichen wachzurütteln. Das Mahnmal symbolisiert einen Zirkel von Leiden und Sterben der Häftlinge: die Stationen von ihrer Ankunft bis zur Befreiung. Am Ausgang des Mahnmals, nachdem sich der Weg wieder aus der Tiefe erhoben hat, steht eine Urne mit der Asche des unbekannten Häftlings und an der Wand dahinter finden sich in fünf Sprachen die mahnenden Worte "Nie wieder".

In der Skulptur können von oben Risse entstehen. Das Werk ruht auf einem Betonfundament. Der Beton, der in den Sechziger Jahren verwendet wurde, entspricht nicht dem heutigen Standard; und gerade für Glids Werk wurden Massen an Beton verwendet.

Das Mahnmal wurde jetzt schon mal auf Anordnung von Gabriele Hammermann gesichert: Auf der Rückseite steht ein Bauzaun. Das Denkmal selbst wurde zur Gedenkfeier für ehemalige italienische Häftlinge am Mittwoch mit roten Seilen, die das würdige Gesamtbild nicht beeinträchtigten, gesichert.

Es ist nicht so, als würde nichts geschehen. Dem staatlichen Bauamt Freising obliegt seit Jahrzehnten der Unterhalt der Liegenschaft. Die Behörde kontrolliert sie jährlich und nimmt Verbesserungen auch vor. Nur schreitet der Verfall mit der Zeit natürlicherweise voran.

Allein für die Dachauer Gedenkstätte kann die Historikerin Gabriele Hammermann eine ganze Reihe von sanierungsbedürftigen Denkmälern und historischen Gebäuden aufzählen: Im alten Krematorium, das für Besucher gesperrt werden musste, ist die Holzkonstruktion hinfällig. Auch das Jourhaus ist geschlossen, ebenso muss das neue Krematorium saniert werden.

Der Kugelfang, vor dem die SS 1941 und 1942 mehr als 4000 sowjetische Kriegsgefangene erschoss, verfällt. 2014 hat die KZ-Gedenkstätte am ehemaligen "SS-Schießplatz Hebertshausen" einen Gedenkort eröffnet. Auf dem Leitenberg im Dachauer Stadtteil Etzenhausen liegen Massengräber von KZ-Häftlingen.

Die achteckige, turmartige Gedächtnishalle für die Opfer braucht dringend eine Sanierung. Die Statik der beiden Häftlingsbaracken - Rekonstruktionen - am Appellplatz der Gedenkstätte wiederum hat stark gelitten.

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