Euphorie im Landkreis Anlauf zum politischen Comeback

SPD-Direktkandidat Michael Schrodi mit Pappgenossen Schulz.

(Foto: Michael Schrodi)

Die SPD im Landkreis Dachau profitiert nach eigener Einschätzung vom bundesweiten Schulz-Effekt.

Von Wolfgang Eitler, Dachau

Harald Dirlenbach ist von Amts wegen ein Kommunalpolitiker, der jenseits parteipolitischer Grenzen denken und handeln muss. Er gehört zwar der SPD an, will aber vor allem der Bürgermeister "aller Vierkirchener" sein. Außerdem braucht er den guten Draht zu Landratsamt und Landrat Stefan Löwl von der CSU, um die Gemeinde voranzubringen. Wenn allerdings der Name des Bundesvorsitzenden seiner Partei, Martin Schulz, fällt, hellt sich Dirlenbachs Stimmung hörbar auf. Dann sagt er mit einem freudigen Unterton: "Auch ich bin euphorisch." Er will diesen Gefühlszustand nicht mit Blauäugigkeit verwechselt wissen. Denn um den Schulz-Effekt im Landkreis Dachau zu verfestigen, müsse seine Partei in den nächsten Monaten bis zur Bundestagswahl im September sehr viel arbeiten.

Dirlenbachs Appell an die eigene Partei resultiert aus den Erfahrungen eines Sozialdemokraten, der im Landkreis nicht nur den Niedergang der SPD in der Wählergunst erlebt hat, sondern zusätzlich die inhaltliche Orientierungslosigkeit. Die reicht bis in die frühen Achtzigerjahre zurück, als die Partei zum persönlichen Wahlverein des ehemaligen Landtagsabgeordneten und Bauträgers Hans Hartl mutierte. Unter dem Kreisvorsitzenden Martin Güll gelang der SPD die Rückkehr zur politischen Partei mit programmatischem Anspruch. Der erste große Erfolg war die Wahl von Florian Hartmann zum Oberbürgermeister von Dachau. Der zweite Gülls knappe Niederlage gegen Stefan Löwl im Kampf um den Posten des Dachauer Landrats.

Jetzt soll Michael Schrodi in die Erfolgsspur gebracht werden und direkt der CSU- Wahlkreisabgeordneten Gerda Hasselfeldt in den Bundestag nachfolgen. Bis vor wenigen Wochen war der Wunsch der Vater des Gedankens. Was also hat es mit dem Schulz-Effekt in der SPD-Diaspora des Landkreises Dachau auf sich? Die Dachauer SPD fühlt sich auf dem Weg zum politischen Comeback.

Schulz, der Hoffnungsträger der Europafreunde

Seit der Wahl von Martin Schulz zum SPD-Bundesvorsitzenden und Kanzlerkandidaten mutet der SPD das Ziel realistischer an, die CSU-Domäne von Dachau und Fürstenfeldbruck zu schleifen. Schrodi selbst präsentiert sich zurückhaltend. Er rechnet damit, dass der Name "Schulz" die SPD und damit auch ihn voranbringen wird. Aber die Kreisvorsitzende der Jungsozialisten im Landkreis Dachau, der Nachwuchsorganisation der SPD, Anja Güll, gibt sich zuversichtlich und denkt offensiver: "Der junge Schrodi und Martin Schulz passen sehr gut zusammen." Insofern ist Schrodis erste zentrale Kundgebung an diesem Dienstag, 21. März um 20 Uhr im Olchinger Kom ein Testlauf für die eigene Attraktivität. Die Jungsozialisten titeln auf Facebook augenzwinkernd: "100 Prozent Schulz. Das ist erst der Anfang."

In den vergangenen Tagen sind sieben junge Dachauer den Jungsozialisten beigetreten. Wie Anja Güll mitteilt, handelt es sich um Studenten und junge Angestellte, die Erfahrungen im Ausland mitbringen: "Schulz ist als überzeugter Europäer ihr Hoffnungsträger." Der junge SPD-Stadtrat Sören Schneider bestätigt ihren Eindruck: "Schulz hat für die SPD ein Stück ihrer Glaubwürdigkeit zurückgewonnen." Der SPD-Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Martin Güll freut sich nicht nur über den Schulz-Effekt, sondern analysiert ihn auch. Zunächst wertet er ihn als einen Vorteil für die gesamte Politik: "Es findet im guten Sinne eine Politisierung der Gesellschaft statt." Damit meint er: "Es wird wieder begeistert über Politik geredet." Güll erzählt von einem Maurer aus seinem Heimatort Hilgertshausen, der auf der Straße zu ihm gesagt habe: "Jetzt muss der Schulz auch liefern." Für Güll sind solche Gesprächsnotizen Belege für eine Trendwende. Bürger sähen die Chance, "dass Politik wieder etwas bewegen kann".

Eine Chance, die die SPD auch nutzen muss

Ähnlich wie der Vierkirchener Bürgermeister Dirlenbach gibt sich Güll betont realistisch. Wichtig sei es, die Zustimmung für Schulz bis zur Bundestagswahl im September zu bewahren und möglicherweise auszubauen. Die einzelnen Kreisverbände seien gefordert, für die SPD effekt- und fantasievoll zu werben. Hier und da ein Infostand und die eine oder andere Veranstaltung werden nach Gülls Ansicht nicht ausreichen. Die sogenannten sozialen Medien würden sicherlich ein zentrales Thema.

Mit Genugtuung registriert der SPD-Kreisvorsitzende, dass auch die anderen Parteien über Schulz redeten und ihn auf den SPD-Kanzlerkandidaten ansprächen. Güll sagt: "Schulz bringt uns, die SPD, ins Gespräch zurück." Übrigens auch "bei Andersgläubigen". Bei denen mit einer gewissen Sorge. "Und wann", fragt Güll, "hat man so intensiv und so neugierig über die SPD geredet?"