Der Theologe Hellmut Traub Unerschrocken im Widerstand

Der Theologe Hellmut Traub in einer Aufnahme vom August 1939.

(Foto: oh)

Pfarrer Björn Mensing erinnert beim Karfreitagsgottesdienst an den streitbaren Theologen Hellmut Traub

Er war ein Gegner der Nationalsozialisten, unterstützte verfolgte Juden, lehnte aber die Verklärung seines Widerstands ab: Pfarrer Björn Mensing erinnert im Gottesdienst am Karfreitag um 15 Uhr in der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau an den streitbaren Theologen Hellmut Traub (1904-1994), der für kurze Zeit auch Häftling im KZ Dachau war.

Traub studierte nach dem abgeschlossenen Jura- und Volkswirtschaftsstudium Theologie. Besonders prägte ihn Professor Karl Barth, der als SPD-Mitglied zu den wenigen evangelischen Theologen gehörte, die von Anfang an in Opposition zum NS-Regime standen und deshalb ihren Lehrstuhl verloren. Traub folgte seinem Lehrer in die "Bekennende Kirche" (BK) und versuchte 1934 seine Kommilitonen in Bonn ebenfalls zum Beitritt zu bewegen. Nachdem er deshalb vom weiteren Studium ausgeschlossen worden war, legte er sein Examen vor einem BK-Prüfungsamt ab.

In seiner ersten Gemeinde in Bad Honnef wurde Traub von einem Jugendlichen als homosexuell denunziert und im August 1935 verhaftet. Vor Gericht frei gesprochen, kam er am 25. November 1935 ins KZ Dachau. Dort beschuldigte man ihn unerlaubter Auslandskontakte. Der holländische Generalsekretär des Christlichen Studentenweltbundes nutzte mit Erfolg eine frühere flüchtige Bekanntschaft zu Heinrich Himmler. Am 22. Januar 1936 wurde Traub aus dem KZ entlassen.

1939 leitete er als Vertreter von Dietrich Bonhoeffer einen Ausbildungskurs für illegale Vikare der Bekennenden Kirche in Pommern. Seit 1942 war er bei der I. G. Farben in Berlin dienstverpflichtet. In der Zeit übernahm er Vertretungsdienste in BK-Gemeinden, so auch in Berlin-Dahlem für den im KZ Dachau inhaftierten Martin Niemöller. Gleichzeitig arbeitete Traub aktiv in einem Helferkreis für verfolgte Juden mit: "Im Gottesdienst in Wannsee konnte ich Ostern 1942 anstatt der Kollekte Lebensmittel für Juden erbitten und bekam einen Sack voll. Keiner zeigte mich an. Viele brachten mir ihre Pässe und Ausweise, um sie für Juden zu fälschen." Nach dem Krieg heiratete Traub die Vikarin Aenne Schümer. Traub war von 1950 bis zum Ruhestand 1969 Pfarrer der evangelisch-reformierten Gemeinde in Stuttgart. Zudem arbeitete er an einem mehrbändigen Wörterbuch zum Neuen Testament und war Dozent an einer Missionsschule.

1985 folgte er der Einladung der Versöhnungskirche zu einem Zeitzeugengespräch in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Norbert Reck, damals Freiwilliger von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Dachau, erinnert sich noch heute an den streitbaren Theologen, der jede Verklärung der Bekennenden Kirche und jede Heroisierung seines Widerstands in der NS-Zeit strikt ablehnte. Als Pfarrer Waldemar Pisarski in der Veranstaltung etwas von "Bekennermut" sagte, fuhr ihm Helmut Traub scharf dazwischen: "Reden Sie nicht von Bekennermut, das ist Bockmist!"